H.-W. Dünner: VHdS In 10 Jahren viel bewegt

Dienstag, 11. April 2006, 08:49 Uhr

H.-W. Dünner: VHdS In 10 Jahren viel bewegt

Schiffahrt und Technik 2/2006

Am 2. März feierte der Verein zur Hebung der Saaleschifffahrt (VHdS) mit einem Festakt im historischen Saal in der IHK Halle-Dessau in Halle/Saale sein 10jähriges Jubiläum. Mehr als 100 Vertreter aus Wirtschaft und Politik und Verwaltung folgten dem Festvortrag von Dr. Karl-Heinz Daehre, Minister für Verkehr, Bau und Wohnungswesen des Landes Sachsen-Anhalt.

Würde man ein Lehrbuch über erfolgreiche Lobbyarbeit in der Deutschen Binnenschifffahrt schreiben, so müssten sich die wesentlichen Kapitel mit der Arbeit des VHdS beschäftigen.In nahezu aussichtsloser politischer Lage – die damalige amtierende rotgrüne Landesregierung boykottierte systematisch die im Verkehrswegeplan von 1992 enthaltenen Pläne des Bundes zum Ausbau von Elbe und Saale – gründete sich am 2.3.1996 der VHdS in Halle. „Seither haben wir viel bewegt: Vor zehn Jahren war es noch unvorstellbar, dass auf der Saale Europaschiffe von Trotha aus ungehindert bis zur Elbmündung verkehren können – heute ist das Raumordnungsverfahren zum Bau des Saale-Seitenkanals auf dem Weg.

Vor zehn Jahren war der Hafen in Halle-Trotha eine Brache – heute ist er ein hochmoderner Verkehrsknoten für den Transportverkehr auf Schiene, Straße und Fluss“, verwies VHdS Präsident Manfred Sprinzek zu Recht auf die Erfolge der Vereinsarbeit. Nur durch kontinuierliche politische Lobbyarbeit und aktive Öffentlichkeitsarbeit war es möglich, wieder Zukunftsperspektiven für die Binnenschifffahrt aber auch die Industrie in Sachsen- Anhalt zu schaffen. Wesentlicher Leistungsträger beim „Bohren dicker Bretter“ auf allen politischen Ebenen war Sprinzek selbst, dem es gelang, führende Vertreter der regionalen Wirtschaft und die Gewerkschaften für seine Arbeit mit ins Boot zu holen und seine Gesprächspartner in Politik, Verwaltung und der Presse mit Sachkunde und Charme vom unmittelbaren Zusammenhang von Saaleausbau, Wirtschaftsentwicklung und Arbeitsplatzsicherung zu überzeugen.

Das dieses persönliche Engagement Sprinzeks Anerkennung findet, war in allen Redebeiträgen des Festaktes zu hören. Ob der VHdS Beiratsvorsitzend Uwe Müller, IHK Präsident Albrecht Hatton oder Landesverkehrsminister Dr. Daehre – alle machten dem VHdS - Präsidenten Mut, auf seinem erfolgreichen Weg fortzuschreiten und das begonnene Werk zu Ende zu bringen. 

Mit Dr. Daehre hat der VHdS nicht nur einen Förderer des Saaleausbaus, sondern auch einen aktiven Streiter für die Binnenschifffahrt über Sachsen-Anhalt hinaus gewonnen. Daehre unterstrich in seinem Festvortrag, dass Sachsen-Anhalt als Logistikstandort nur Erfolg haben könne, wenn der lange vernachlässigte Wasserstraßenausbau an Elbe und Saale vorangetrieben werde.

Zwei Kämpfer für den Saaleausbau: Dr. Karl-Heinz Daehre (l.) und Manfred Sprinzek

 

Binnenschifffahrt auf der Saale hat eine mehr als 1000-jährige Tradition, wie auch die Wandreliefs im historischen Saal der IHK Halle belegen, wo Dr. Daehre seine Festrede hielt ( Bilder: Dünner)

Er verwies auf das Beispiel Frankreich, das bis zum Jahre 2012 einen 120 km langen Kanal zur Verbindung des Seine-Beckens mit dem Rheinstromgebiet baue und sich die Kosten von 3,3 Mrd. € mit 1,2 Mrd. € aus der EU Kasse finanzieren lasse. „Wir haben in Deutschland mit dem Ausbau von Elbe und Donau seit nunmehr 15 Jahren europäische Wasserstraßenprojekte, ohne bislang eine vergleichbare Förderung bei der EU beantragt zu haben“, kritisierte Daehre. „Andererseits haben wir der Wirtschaft in Sachsen-Anhalt vor 15 Jahren das Versprechen gegeben, den Anschluss der Region an das uropäische Wasserstraßennetz herzustellen. Angesichts des Beispiels der Franzosen haben wir sicher nicht weitere 15 Jahre Zeit, um dieses Versprechen einzuhalten. Denn dann werden die Erweiterungsinvestitionen der Industrie nicht hier vor Ort, sondern an anderen Standorten Osteuropas erfolgen“, warnte Daehre.

Daehre dankte dem früheren Verkehrsminister Stolpe, dass er die Eröffnung des Raumordnungsverfahrens durch das Land Sachsen-Anhalt für den Saale Kanal durchgesetzt habe. „Als gute Preußen führen wir Aufträge des Bundes bis zu Ende aus und das heißt hoffentlich bald Fertigstellung des Kanals“, stellte Daehre in Aussicht. „97% der Bevölkerung wollen, dass wir die Wachstumschancen für unser Land wahrnehmen. Es darf daher nicht sein, dass Minderheiten den wirtschaftlichen Fortschritt unseres Landes aufhalten. Der Landtag von Sachsen-Anhalt ist mit den dort vertretenen Parteien gut aufgestellt, wir brauchen keine außerparlamentarische Opposition“, stellte Daehre klar. Im Übrigen sei es an der Zeit, dass sich die Elbeanlieger aus Tschechien und Deutschland zusammensetzen, um gemeinsame Positionen zur wirtschaftlichen Entwicklung des Elbe Raums zu definieren. "Wasserstraßenausbau ist kein Selbstzweck sondern von existenzieller Bedeutung für die wirtschaftliche Entwicklung der Elbe und Saale Regionen bei voller Wahrnehmung der Verantwortung für Natur und Umwelt“, meinte Daehre abschließend.

VHdS-Präsident Manfred Sprinzek dankte Daehre für seine aufmunternde Festrede. Zur Realisierung der gemeinsamen Ziele sei auch weiterhin die Unterstützung aller Anwesenden notwendig. Sprinzek schloss die  Veranstaltung mit dem alten Seemannsspruch: „Es kommt nicht darauf an, woher der Wind weht, sondern wie man die Segel setzt!“

Hans-Wilhelm Dünner

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