Saalekanal knapp dem Rotstift entgangen, doch Bau bleibt weiter offen

Freitag, 23. Juli 2010, 17:55 Uhr

Saalekanal knapp dem Rotstift entgangen, doch Bau bleibt weiter offen

Bund und Land einigten sich auf weitere Untersuchungen

Volksstimme Mantelteil, 23.07.2010 von Jens Schmidt

Magdeburg. Wird der Saalekanal geplant? Die Antwort ist weiter offen, die nächsten Wochen bleiben spannend. Der 7,5 Kilometer lange und etwa 100 Millionen Euro teure Kanal war dem Vernehmen nach im Juni in Berlin knapp dem Rotstift entgangen. Ob es aber nun zum Baugenehmigungsverfahren (Planfeststellung) kommt, bleibt ungewiss. Der Bund steht unter hohem Druck, zumal viele Verkehrsvorhaben auf der Wunschliste der Länder stehen und das Geld knapper wird.

Sachsen-Anhalts Regierung aber will den Kanal, damit die Industrie in Bernburg und Halle Waren über die Saale in die Elbe und weiter nach Hamburg schippern lassen kann. Derzeit liegt die Saaleschifffahrt nahezu flach, da die letzten Kilometer der engkurvigen Saale vor der Elbemündung kaum schiffbar sind. Der Kanal soll die Lücke schließen. Aus Kostengründen wird er nur 12,50 Meter breit, Begegnungsverkehr ist nicht möglich. Da aber in der Schifffahrt das Liefertempo wenig erheblich ist, werden die Zeitverluste von Lieferanten meist akzeptiert. Die alte Reststrecke der Saale soll unangetastet und als Flussaue ökologisch aufgewertet werden. Heißt: Möglicherweise wird der Kanal zwar als gut befunden – sein Bau aber in weite Ferne verschoben. Umweltverbände, voran der BUND, wären erleichtert. Sie fürchten, dass infolge des Kanalbaus die Elbe mit Staustufen ausgebaut und deren Auen vernichtet würden. Enttäuscht wäre die Wirtschaft. Ob Zementhersteller Schwenk, Salzproduzent Esco oder die Solvay Sodawerke – sie alle wollen Güter aufs kostensgünstigere Schiff verlagern. Das würde ihre Marktposition festigen und könnte Wachstumsspielräume eröffnen. Laut einer Unternehmensabfrage sind derzeit 2,5 Millionen Tonnen pro Jahr avisiert. Diese Angaben auf Festigkeit zu prüfen, ist ein Punkt der anstehen Untersuchung. Dabei gilt: Pegel ist nicht gleich Fahrrinne. Beim gestern aktuellen Pegel von 1,05 Meter ist die Fahrrinne in Magdeburg etwa 1,65 Meter tief. Die maximale Abladetiefe beträgt 1,45 Meter, da ein Schiff 20 Zentimeter Flottwasser unterm Kiel braucht.
Ein Schubverband mit zwei Leichtern bekäme mehr als 1100 Tonnen weg.

Bundesverkehrsminister Peter Ramsauer (CSU) und Sachsen-Anhalts Verkehrsminister Karl-Heinz Daehre (CDU) kamen überein, einem möglichen Planfeststellungsverfahren tiefergehende Untersuchungen vorzuschalten. Dabei stehen verkehrlicher Nutzen, Kosten und ökologische Effekte im Fokus. Noch 2010 soll ein sogenannter Scopingtermin stattfinden, bei dem die beteiligten Behörden und Verbände ihre Untersuchungsanforderungen stellen können. „Wir sind in internen Abstimmungen“, sagt Thomas Menzel, Präsident der Wasserschifffahrtsdirektion Ost in Magdeburg. „Klar aber ist, dass die globale Haushaltslage eine Priorisierung erforderlich macht.“ 

Von Kritikern aufrechterhalten werden dürfte das Argument, dass der Kanalbau unsinnig sei, da die Güter auf der Elbe nicht wirtschaftlich weitertransportiert werden können.

Als Maß der Dinge gelten 1000 Tonnen Mindestladung. Ein Güterschiff braucht dafür etwa 2,20 Meter Fahrrinne, welche die Elbe aber oft nicht bietet. Die Schifffahrt wird kontern, dass auf der Elbe sehr wohl effektiver Transport möglich sei: mit Schubverbänden.
Auf ihnen wird die Last auf mehr Fläche verteilt, so dass selbst bei dürftigen 1,60 Meter locker 1000 Tonnen transportiebar sind (Grafik). Diese Tiefe bietet die Elbe an durchschnittlich 300 Tagen im Jahr.

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