Nur wenig Misstöne bei Unternehmertreffen
Nur wenig Misstöne bei Unternehmertreffen
Verkehrsminister Webel (CDU) lobt bisherige Bemühungen. Wirtschaft spricht sich für Saaleausbau aus
„Mitteldeutsche Zeitung" - BERNBURGER KURIER - vom 24. November 2011 VON MARKO JESCHOR BERNBURG/MZ
Fast eineinhalb Stunden übten sich gestern alle in Einigkeit beim Unternehmertreffen. Grund genug gab es ja, schließlich ist die Herabstufung der Saale zur Restwasserstraße so gut wie vom Tisch. Thomas Webel (CDU), Minister für Landesentwicklung und Verkehr, der vom Bundesverband Mittelständischer Wirtschaft ebenfalls zum Treffen nach Bernburg eingeladen wurde, verkündete dann auch feierlich: „Wir sind ein großes Stück in unseren Bemühungen vorangekommen. Die Aktionen waren bisher ein voller Erfolg."
Kurz vor dem Ende des Treffens wurden dann aber doch ein paar kritische Stimmen laut. Eckhard Henschel, Unternehmer aus Tornitz, glaubt nämlich nicht, dass, sollte der mindestens 100 Millionen Euro teure Kanal gebaut werden, tatsächlich mehr Schiffe auf der Saale zwischen Halle und Magdeburg verkehren werden. Schließlich sei die Saale bis auf ein paar Monate im Sommer schon jetzt schiffbar. Henschel, der mit seiner Meinung gestern fast allein da stand, forderte, den Kanal auf Grundwasserebene zu bauen, das würde die Hochwassergefahr bei Tornitz senken, obendrein sogar billiger werden.
Zuvor hatten sich Vertreter der großen Unternehmen in Bernburg für den Saaleausbau ausgesprochen. Thomas Müller von Solvay Chemicals GmbH sagte, dass das Werk rund die Hälfte der Produktion über den Schiffsweg transportieren könne. Das sei langfristig auch nötig, um bei steigenden Treibstoffpreisen weiter ökonomisch arbeiten zu können, sagte er. Manfred Eberl von der esco GmbH & Co. KG betonte, dass die Pläne für einen eigenen Hafen bereits fertig in der Schublade liegen würden. Bislang müsse das Unternehmen die maximal drei Millionen Tonnen pro Jahr per Lkw bzw. Bahn zu den Kunden transportieren. „Damit wir uns weiter entwicklen, brauchen wir die Saale als Wasserstraße', sagte er.
Karina Fischer, Mitarbeiterin der Werft in Mukrena, wünscht sich eine staatliche Förderung, wie es sie in Frankreich und den Niederlanden gibt. Die letzte Werft, die an der Saale liegt und aktuell 15 Mitarbeiter beschäftigt, leide nach wie vor unter den schlechten Bedingungen, die zwischen Calbe und Barby herrschen würden, so Fischer, die seit Beginn der Proteste sehr aktiv ist.
Bernburgs Oberbürgermeister Henry Schütze (parteilos), Könnens Bürgermeister Rainer Sem-pert (FDP) und Nienburgs Bürgermeister Markus Bauer (SPD) signalisierten, dass sie eine gemeinsame Initiative starten werden, um das Saale-Bündnis zu unterstützen. Sempert sagte, dass man sich angesichts der politischen Entscheidungen, die im Rahmen der Saale getroffen worden seien, nicht wundern müsse, wenn die Menschen aus der Region fliehen. Trotz der großen Einigkeit, die gestern im Hotel Fürsteneck herrschte, warnte Minister Webel: „Wir sind noch nicht am Ziel. Wir müssen für die Sache weiter streiten."
Hintergrund: Das Saale-Bündnis hatte sich im August gegründet, um gegen die vom Bund geplante Herabstufung der Saale zu protestieren - mit Erfolg. Der Ost-Beauftragte Christoph Bergner (CDU) sagte kürzlich: „Die Restwasserstraße ist vom Tisch." Statt des Verzichts auf die Unterhaltung der Saale soll demnächst ein neues Gutachten zur Wirtschaftlichkeit vorgestellt werden. Das Bündnis rechnet dann mit deutlich besseren Zahlen. Für den Erhalt und Ausbau haben sich neben Unternehmen aus der Region bisher mehr als 4 600 Menschen mit ihrer Unterschrift beteiligt. Weitere Informationen im Internet unter: www.saale-buendnis.de oder auf www.mlv.sachsen-anhalt.de







