Der Triumph des Stuttgart 21 der 80er-Jahre

Freitag, 08. Juni 2012, 20:31 Uhr

Der Triumph des Stuttgart 21 der 80er-Jahre

Rhein-Main-Donau-Kanal

20 Jahre nach Fertigstellung wird der Rhein-Main-Donau-Kanal für eine Sanierung gesperrt. Einst war er umstritten wie Stuttgart 21 – Medien prophezeiten einen "Geisterkanal". Sie lagen alle falsch.
Von Ulli Kulke        

Auf den ersten Blick ist es ein gewöhnlicher Dorfteich, romantisch von Bäumen umgeben, verputzte Häuschen an der Seite. Allein das Straßenschild deutet an, dass vor 1200 Jahren an dieser Stelle nahe der Europäischen Wasserscheide der erste Spatenstich für ein strategisches Großvorhaben erfolgte. "Karlsgrabenstraße" steht dort, das Dorf heißt Graben.

Hier gingen 793 im Auftrag Karls des Großen ein paar Hundert starke Männer daran, die erste Etappe für einen europäischen Schifffahrtsweg von der Nordsee zum Schwarzen Meer auszuheben. Bald aber wurde das Projekt eingestellt. Einhard, Karls zeitgenössischer Biograf, schrieb: "Wegen des anhaltenden Regens sowie durch die sumpfige Bodenbeschaffenheit konnte das Werk keinen Bestand haben. Was die Werkleute bei Tag aushoben, rutschte bei Nacht wieder zurück."

Allein der Dorfteich blieb. "Fossa Carolina" heißt er heute, Deutschlands älteste Bauruine.

Radtouren für Familien, zahlreiche Übernachtungsorte

Knapp 40 Kilometer nordwestlich, nahe dem mittelfränkischen Hilpoltstein, fahren heute Großgüterschiffe vom Rhein zur Donau, 110 Meter lang, zwölf Meter breit. Sie passieren die Schleuse Hilpoltstein, die mit ihrem Betontor an einen römischen Triumphbogen erinnert – eine von 16 Schleusen auf den 171 Kilometern des Rhein-Main-Donau-Kanals, des Jahrhundertbauwerks, wie er 1992 bei der Einweihung genannt wurde. Der Seeweg von der Nordsee ins Schwarze Meer ist um drei Fünftel geschrumpft.

Es blieb nicht beim Schiffsverkehr. Die Kanalstrecke zählt inzwischen zu den beliebtesten Radtouren für Familien, weil die fein geschotterten oder asphaltierten Parallelwege so ebenerdig verlaufen, wie es der Wasserspiegel vorgibt. Allein an den Schleusen sind ein paar Höhenmeter zu überwinden.

Übernachtungsorte sind stets in Reichweite, mittelfränkisches Idyll, gefegte Straßen, Nürnberger Rostbratwürstchen, Glockenspiele, ein Hauch von Rothenburg.          weiterlesen

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Historie und Gegenwart - Bildimpressionen von Matthias Pusch

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