Halle muss sich weiter auf die Schiene verlassen

Sonntag, 03. Juni 2012, 19:49 Uhr

Halle muss sich weiter auf die Schiene verlassen

Kombinierter Verkehr Kaum Aussicht auf Saalekanal / Kapazität des CTHS stößt an Grenzen

von Dr. Günter Teßmann

Das Container Terminal Halle Saale (CTHS) bereichert das Angebot für Hinterlandverkehre in der Region Leipzig-Halle und zählt zu den logis­tikrelevanten Standortfaktoren. Weil es wohl keine binnenschilfsaffine Anpassung der Saale gibt, sehen Ex­perten nur den Ausbau des CTHS als Alternative für eine gut ausgebaute Logistik.

En Bezug auf die vorhandene Kombination von logistikrelevan­ren Standortfaktoren zählt Leipzig-Halle zu den Top-Logistikregionen in Deutschland. Vier weitgehend stau­freie Autobahnen, der zweitgrößte Frachtflughafen mit 24-Stunden-Be­trieb und die Drehscheibenfunktion des KV-Terminals im überregionalen Schienennetz stellen ein umfangrei­ches Angebot dar.

Das CTHS ist durch mehrere wö­chentliche Container-Ganzzug-Ver­bindungen an die großen deutschen Seehäfen angebunden. Derzeit verkeh­ren 24 Züge wöchentlich nach Ham­burg und Bremerhaven. MitAusnahme des Krisenjahres 2009 verzeichnete das CTHS seit 2005 jährlich zweistellige Wachstumsraten. 2012 wurden nahezu 72 000 TEU umgeschlagen, und für 2012 wird eine weitere Stei­gerung auf 75 000 TEU erwartet. Ge­genüber dem ersten Jahr nach der In­betriebnahme 2005 mit 16 500 TEU ist das eine Steigerung um mehr als das Vierfache. „Mit 85 000 TEU wird die Kapazitäts­grenze des vor­handenen Ter­minals erreicht werden", erklärte Dirk Lin­demann, Ge­schäftsführer der Hafen Halle GmbH, auf einem Workshop der DVWG Mitte Mai in Halle (Saale).

Die Funktion als Hinterland-Hub in Mitteldeutschland kann aber nur dann weiter ausgeübt werden, wenn es Lö­sungen für die „Bewältigung der Gü­termengen von morgen" gibt.

Eine im Auftrag der Hafen Halle GmbH von der Planco Consulting GmbH durchgeführte Studie ist zu dem Ergebnis gekommen, dass ein Potenzial von bis zu 380 000 TEU in der Region für den Containerum­schlag generiert werden könnte. Ne­ben Halle gibt es in der Region noch die KV-Terminals Leipzig-Wahren und Schkopau.

In den Jahren 2009 und 2010 sind deshalb die notwendigen infrastruktu­rellen Voraussetzungen für den wach­senden Containerumschlag am Stand­ort Halle untersucht worden. Dazu gehört, in unmittelbarer Hafennähe ein neues KV-Terminal zu er­richten. Es soll vier Gleise ä 700 m Nutz­länge umfas­sen, dazu ein Umfahrungs­gleis und Abstellmöglichkeiten mit 6500 m nutzbarer Gleislänge sowie eine Containerabstelltliehe von circa 36 000 m2. „Insgesamt werden dafür Investitionen in der Größenordnung von circa 40 Mio. EUR nötig sein", be­richtete Dr. Armin Gewiese von der In­genieurberatungs- und Planungsge­sellschaft Inros Lackner AG.

Das wäre aber nur die eine Mög­lichkeit, Logistikketten zu optimie­ren.
Eine zweite, über den Wasserweg mit trimodalem Anschluss, ist ver­baut. Bis heute kann der von 1997 bis 2003 ausgebaute Hafen Halle Saale nicht für den Umschlag zwischen Binnenschiff, Bahn und Lkw genutzt werden. Die Schifffahrtsbedingen an der unteren Saale sind bezüglich der Fahrrinnentiefe so kompliziert dass über weite Teile des Jahre mit wirtschaftlichen Abladetiefen gefahren werden kann. Der Ausbau der Unteren Saale mit dem "Schleusenkanal Tornitz" wurde deshalb Bestandteil des vordringlichen Bedarffs des Bundesverkehrswegeplans 2003 und ist seit Oktober 2006 Bestandteil der Projektliste des Investionsrahmenplans für den Ausbau der Bundeswasserstraßen 2006 bis 2010. Das Raumordnungsverfahren zum „Ausbau der Unteren Saale — Schleusenkanal Tornitz" wurde Ende 2008 abgeschlossen.
Im Rahmen der Neukategorisierung der Wasserstraßen wurde Saale als Bundeswasserstraße infrage gestellt. Das Bundesverkehrsministeriurn hat deshalb eine Untersuchung beauftragt, mit der das 2004 erstellte Gutachten zur Wirtschaftlichkeit des Saale-Ausbaus aktualisiert wird. Die Ergebnisse sollen im Juni 2012 der Öffentlichkeit vorgestellt werden.

Dr. Günter Teßmann, Fachjournalist, Eichwalde                  

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