Halle muss sich weiter auf die Schiene verlassen
Halle muss sich weiter auf die Schiene verlassen
Kombinierter Verkehr Kaum Aussicht auf Saalekanal / Kapazität des CTHS stößt an Grenzen
von Dr. Günter Teßmann
Das Container Terminal Halle Saale (CTHS) bereichert das Angebot für Hinterlandverkehre in der Region Leipzig-Halle und zählt zu den logistikrelevanten Standortfaktoren. Weil es wohl keine binnenschilfsaffine Anpassung der Saale gibt, sehen Experten nur den Ausbau des CTHS als Alternative für eine gut ausgebaute Logistik.
En Bezug auf die vorhandene Kombination von logistikrelevanren Standortfaktoren zählt Leipzig-Halle zu den Top-Logistikregionen in Deutschland. Vier weitgehend staufreie Autobahnen, der zweitgrößte Frachtflughafen mit 24-Stunden-Betrieb und die Drehscheibenfunktion des KV-Terminals im überregionalen Schienennetz stellen ein umfangreiches Angebot dar.
Das CTHS ist durch mehrere wöchentliche Container-Ganzzug-Verbindungen an die großen deutschen Seehäfen angebunden. Derzeit verkehren 24 Züge wöchentlich nach Hamburg und Bremerhaven. MitAusnahme des Krisenjahres 2009 verzeichnete das CTHS seit 2005 jährlich zweistellige Wachstumsraten. 2012 wurden nahezu 72 000 TEU umgeschlagen, und für 2012 wird eine weitere Steigerung auf 75 000 TEU erwartet. Gegenüber dem ersten Jahr nach der Inbetriebnahme 2005 mit 16 500 TEU ist das eine Steigerung um mehr als das Vierfache. „Mit 85 000 TEU wird die Kapazitätsgrenze des vorhandenen Terminals erreicht werden", erklärte Dirk Lindemann, Geschäftsführer der Hafen Halle GmbH, auf einem Workshop der DVWG Mitte Mai in Halle (Saale).
Die Funktion als Hinterland-Hub in Mitteldeutschland kann aber nur dann weiter ausgeübt werden, wenn es Lösungen für die „Bewältigung der Gütermengen von morgen" gibt.
Eine im Auftrag der Hafen Halle GmbH von der Planco Consulting GmbH durchgeführte Studie ist zu dem Ergebnis gekommen, dass ein Potenzial von bis zu 380 000 TEU in der Region für den Containerumschlag generiert werden könnte. Neben Halle gibt es in der Region noch die KV-Terminals Leipzig-Wahren und Schkopau.
In den Jahren 2009 und 2010 sind deshalb die notwendigen infrastrukturellen Voraussetzungen für den wachsenden Containerumschlag am Standort Halle untersucht worden. Dazu gehört, in unmittelbarer Hafennähe ein neues KV-Terminal zu errichten. Es soll vier Gleise ä 700 m Nutzlänge umfassen, dazu ein Umfahrungsgleis und Abstellmöglichkeiten mit 6500 m nutzbarer Gleislänge sowie eine Containerabstelltliehe von circa 36 000 m2. „Insgesamt werden dafür Investitionen in der Größenordnung von circa 40 Mio. EUR nötig sein", berichtete Dr. Armin Gewiese von der Ingenieurberatungs- und Planungsgesellschaft Inros Lackner AG.
Das wäre aber nur die eine Möglichkeit, Logistikketten zu optimieren.
Eine zweite, über den Wasserweg mit trimodalem Anschluss, ist verbaut. Bis heute kann der von 1997 bis 2003 ausgebaute Hafen Halle Saale nicht für den Umschlag zwischen Binnenschiff, Bahn und Lkw genutzt werden. Die Schifffahrtsbedingen an der unteren Saale sind bezüglich der Fahrrinnentiefe so kompliziert dass über weite Teile des Jahre mit wirtschaftlichen Abladetiefen gefahren werden kann. Der Ausbau der Unteren Saale mit dem "Schleusenkanal Tornitz" wurde deshalb Bestandteil des vordringlichen Bedarffs des Bundesverkehrswegeplans 2003 und ist seit Oktober 2006 Bestandteil der Projektliste des Investionsrahmenplans für den Ausbau der Bundeswasserstraßen 2006 bis 2010. Das Raumordnungsverfahren zum „Ausbau der Unteren Saale — Schleusenkanal Tornitz" wurde Ende 2008 abgeschlossen.
Im Rahmen der Neukategorisierung der Wasserstraßen wurde Saale als Bundeswasserstraße infrage gestellt. Das Bundesverkehrsministeriurn hat deshalb eine Untersuchung beauftragt, mit der das 2004 erstellte Gutachten zur Wirtschaftlichkeit des Saale-Ausbaus aktualisiert wird. Die Ergebnisse sollen im Juni 2012 der Öffentlichkeit vorgestellt werden.
Dr. Günter Teßmann, Fachjournalist, Eichwalde






