Magdeburger Amtschef: Schifffahrt auf Elbe und Kanal „liegt gut im Rennen“

Dienstag, 11. Januar 2011, 18:40 Uhr

Magdeburger Amtschef: Schifffahrt auf Elbe und Kanal „liegt gut im Rennen“

3 Millionen Ladungstonnen 2010 auf Mittellandkanal / Steigerung auch bei Containertransport auf der Elbe

Volksstimme, 5.1.2011

Der Magdeburger Hafen beteiligt sich finanziell an einem Test zu einem sowohl auf die Elbe als auch auf die Kanäle ausgerichteten neuartigen Container-Leichter (wir berichteten). Aber werden die Wasserstraßen, die Magdeburg tangieren, überhaupt entsprechend genutzt? Volksstimme-Redakteur Karl-Heinz Kaiser sprach mit Friedrich Koop, Leiter des Magdeburger Was-ser- und Schifffahrtsamtes.

Volksstimme: Ihr Amt ist für die Elbe zwischen der Mündung der Saale bei Barby und Dömitz vor Hamburg, für den Elbe-Havel- und den Mittelland-Kanal sowie für die Saale zuständig. Wie wurden 2010 die Wasserstraßen genutzt? Konkret zu Magdeburg: Was schipperte am Domfelsen vorbei?

Friedrich Koop: Die Zahlen sind taufrisch: Am Domfelsen als eine unserer Zählstellen wurden im Gesamtjahr 2010 1,2 Millionen Ladungstonnen gezählt. Das ist gegenüber 2009 ein Plus um 23 Prozent. Im Vergleich zu 2008, in dem die Schifffahrtsbedingungen wegen der Wasserstände ungünstig waren, macht das sogar eine Steigerung von rund 62 Prozent aus.
Volksstimme: Bei dem neuartigen Leichter, der gegenwärtig auch in Magdeburg getestet wird, geht es um den Containertransport. Wie sieht hier die Bilanz aus? Immerhin hatte die Finanzkrise auch um die Seehäfen keinen Bogen geschlagen.
Friedrich Koop: Das ist richtig. Aber es gibt auch im Containertransport auf der Elbe einen Aufwärtstrend. Die erreichte 37-prozentige Steigerung gegenüber 2009 kann sich durchaus sehen lassen. In absoluten Zahlen ausgedrückt: 2010 wurden am Domfelsen 14 300 Container registriert. Gegenüber 2006, als mit der Zählung der Container begonnen wurde, ist das mehr als eine Vervierfachung der Menge.

Volksstimme: Die hierbei registrierten Schiffe fuhren vielfach am Magdeburger Hafen vorbei in andere Zielhäfen. Doch auch der Magdeburger Hafen weist Steigerungen beim Umschlag von Containern auf.

Friedrich Koop: Gesamtvolkswirtschaftlich und ökologisch ist das Ergebnis ein Gewinn. Magdeburg hat bereits und wird von der Containerschifffahrt zunehmend profitieren. Auch unser Amt schafft Voraussetzungen dafür, sorgt für die Leichtigkeit und Sicherheit der Schifffahrt.

Volksstimme: Bislang ging es um die Elbe. Magdeburg wird auch von der Kanalschifffahrt zwischen Ost und West gekreuzt und ist wichtiger Übergangspunkt von der Elbe zum Kanal und umgekehrt. Gibt es hier ein ähnlich gutes Ergebnis?

Friedrich Koop: An den Schleusen Hohenwarthe wurden rund 3 Millionen sowie Niegripp und Rothensee insgesamt 3,3 Millionen Ladungstonnen gezählt. Das sind 17 Prozent mehr als 2009 und bedeutet gegenüber 2008 ein Plus von 30 Prozent.
 
Volksstimme: Wie werten Sie als Schifffahrtsexperte die Ergebnisse?

Friedrich Koop: Vor allem im Containerbereich wurde deutlich, dass die Logistiker zunehmend die Schiffstransporte auf der Elbe ins Kalkül ziehen. Vor allem in Hamburg wird das genutzt, um Güter aus den Seehäfen ins Binnenland zu transportieren. Die Wasserstraßen sind eine wirtschaftliche und gesicherte Alternative zu Straße und Bahn. Vor allem wenn gute Fahrrinnenverhältnisse wie 2010 herrschen, wird die Elbe immer besser genutzt. Auch das Projekt 17 Deutsche Einheit mit dem Wasserstraßenkreuz zahlt sich weiter aus.

Volksstimme: In dem Zusammenhang – die Ergebnisse auf den Kanälen sind gleichfalls gut. Es gibt aber Kritiker, die größere Erwartungen haben. Wie sehen Sie das?

Friedrich Koop: Natürlich wünschen wir uns auch aus ökologischen Gründen immer größere Steigerungsraten für die Binnenschifffahrt. Zu erwarten ist, dass die Prognose des Bundesverkehrswegeplans bis 2015 für den Mittellandkanal eintreffen werden. Bis dahin soll dort die per Schiff transportierte Gütermenge 4,7 Millionen Euro betragen. Was mich so sicher macht: Diese Menge ist berechnet für das komplett fertige Projekt 17. Das ist es aber noch nicht, alle Kanalstrecken wurden ja bis dato nicht verbreitert und vertieft. Die Schifffahrt liegt also mit den bisherigen Ergebnissen gut im Rennen.

Volksstimme: Welche Prognosen haben Sie für Magdeburg direkt?

Friedrich Koop: Mit der in diesem Jahr fertigzustellenden Niedrigwasserschleuse (Projekt 17, gut 40 Millionen Euro Inves-tition) wird es einen erheblichen Schub für die Hafenwirtschaft geben. Dann können die hiesigen Häfen auch von den Kanälen aus mit voller Abladetiefe, also 2,80 Meter, angesteuert werden. Sie sind unabhängig vom Elbwasserstand. Dieser enorme Vorteil gegenüber der aktuellen Situation wird von der Schifffahrt und der Logistikbranche mit Sicherheit ausgenutzt werden.

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