Wird die Elbe doch noch zum Güter-Highway?

Dienstag, 08. August 2017, 21:11 Uhr

Wird die Elbe doch noch zum Güter-Highway?

Güterverkehr

Containerschubverband mit 4 Schubleichtern und mind. 224 TEU in der Talfahrt oberhalb der Sternbrücke in Magdeburg, Foto: Ingo Klinder

Volksstimme,

Die Problemliste der Elbe ist lang. Jetzt wittert die Wirtschaft Chancen für die Güterschifffahrt. Doch Umweltschützer schlagen Alarm.

Dresden (dpa)  Die Elbe ist ein launischer Fluss. Mal erlaubt sie, dass Güterschiffe Ladung auf ihr hin- und herschippern. Doch oft macht sie ihnen an vielen Stellen jede Fahrt unmöglich. Für Unternehmen, die die Elbe als Transportweg brauchen, ist der 1100 Kilometer lange Fluss ein extrem unberechenbarer Geschäftspartner.

"Das Problem sind die Wasserstände, die das Jahr über keine kontinuierliche Fahrt zulassen", sagt René Oloff, der den Hamburger Standort der Deutschen Binnen-Reederei leitet. "Das unterbricht den Service. Die Kunden wollen aber das ganze Jahr über beliefert werden." Die drei Siemens-Werke in Görlitz, Dresden und Erfurt, wo Turbinen, Transformatoren und Generatoren hergestellt werden, sind auf den Fluss angewiesen. Manche Maschinen könnten nur über den Wasserweg transportiert werden, weil sie zu groß und zu schwer für Schiene oder Straße seien, heißt es hier. "Wenn die Elbe längere Zeit nicht schiffbar ist, kann daraus Lieferverzug entstehen."

Hoffnung für die Wirtschaft

Die Menge der auf der Elbe verschifften Güter hat sich – wohl auch deshalb – auf einem sehr niedrigen Niveau eingependelt. Das Wasser und Schifffahrtsamt in Magdeburg zählte im vergangenen Jahr gerade einmal 0,35 Millionen Tonnen Waren – der zweitniedrigste Wert seit 1997. Zum Vergleich: Im Elbegebiet, zu dem auch die angrenzenden Kanäle gehören, waren es knapp 18 Millionen Tonnen. Nun gibt es für die Wirtschaft neue Hoffnung, dass der Fluss bald für den Güterverkehr gezähmt wird. Grund ist das Gesamtkonzept Elbe, ein Papier, das Naturschützer und Vertreter der Schifffahrt dreieinhalb Jahre lang gemeinsam ausgehandelt haben.

Es wurde im Januar beschlossen und sieht vor, die Elbe künftig mehr als elf Monate im Jahr für Schiffe befahrbar zu machen – mit einer durchschnittlich 1,40 Meter tiefen Fahrrinne. Bedingung: Dafür nötige Maßnahmen dürfen der Natur nicht schaden. Im Juni hat sich dazu auch der Bundestag geäußert. Ein seit 2002 geltender Ausbaustopp ist seitdem faktisch aufgehoben. "Dadurch entsteht jetzt die Möglichkeit, die Elbe wieder anzupassen", sagt Stefan Kunze, Vorsitzender des Vereins Elbe-Allianz. Derzeit seien eigentlich schon 95 Prozent des Flusses für Schiffe in Ordnung. Aber fünf Prozent müssten "angepackt" werden, sagt Kunze.

Zwei Knackpunkte macht er aus. Einer ist die Strecke zwischen Elster und Saalemündung, die an den Städten Wittenberg, Dessau und Roßlau vorbeiführt. Dem Elektronischen Wasserstraßen Informationsservice Elwis zufolge lag die Fahrrinnentiefe hier im vergangenen Jahr an 285 Tagen unter 2,02 Meter – diese Tiefe brauchen Schiffe für den Transport von Massengütern. An 98 Tagen war die Rinne nicht einmal 1,40 Meter tief.   ... weiterlesen

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