Saale-Kanalprojekt ist weiter Zankapfel

Mittwoch, 04. Juni 2008, 12:44 Uhr

Saale-Kanalprojekt ist weiter Zankapfel

BUND fürchtet Fehlinvestition und zweifelt Prognosen an (aus der MZ vom 4. Juni 2008)

Der geplante Bau des Saale-EIbe-Kanals soll die Binnenschifffahrt auf Saale und Elbe ankurbeln. Vor allem der Umweltschutzverband BUND ist gegen das Vorhaben, das vom Land jedoch unterstützt wird.

Calbe/MZ.
Für Ernst Paul Dörfler scheint es wie ein Schildbürgerstreich: Vor drei Jahren habe im  Hafen Halle letztmals ein Güterschiff fest gemacht und nun solle noch ein Kanal für rund 80 Millionen in der Saale errichtet werden. Der Elbe-Experte des Umweltverbandes BUND fürchtet die "bisher größte Fehlinvestition in Sachsen-Anhalt". Vor allem die Prognosen, die ein Frachtaufkommen von 1,5 Millionen Tonnen zu Grunde legen, zweifelt Dörfler an. "Letztlich werden wir einen Geisterkanal haben." Dabei stützt er sich auf ein neues Gutachten von Forschern der Universität Halle (die MZ berichtete).

Ob der Kanal tatsächlich errichtet wird, ist bislang nicht entschieden. Spätestens Ende September muss das Raumordnungsverfahren abgeschlossensein. Karl-Heinz Daehre(CDU), Verkehrsminister aus Magdeburg, steht dem Vorhaben positiv gegenüber. Letztlich werde das Land einmal froh sein, eine solche Wasserstraße zu haben, die unter anderem die Straßen entlaste. Die letzte Entscheidung über das Vorhaben, das im Bundesverkehrswegeplan bereits unter den vordringlichen Bedarf fällt, trifft jedoch der Bund. Ein Umstand, der dem Umweltschutzverband sehr bitter aufstößt. "Letztlich entscheidet eine Verwaltung, die selbst an diesem Projekt das größte Interesse hat", kritisierte Bundeschef Hubert Weiger gestern bei einem Pressetermin in Calbe (LandkreisSchönebeck) und sprach dabei von "Beschäftigungstherapie für Beamte".

Dabei habe die Entscheidung über das Vorhaben eine Signalwirkung, es gehe um weitaus mehr als den Kanal. "Mit jeder einzelnen Investition erhöht sich auch automatisch der Druck, auf den Ausbau und damit die Zerstörung der Elbe", sagte Weiger. So sei einerseits die Weiterfahrt auf der Elbe das Ziel aller Güterschiffe von der Saale, andererseits aber seien die Voraussetzungen für den Verkehr auf der Elbe nicht  gegeben. "An 200 bis 300 Tagen im Jahr können auf der Elbe wegen zu niedriger Wasserstände keine Europaschiffe fahren", sagte Dörfler. Dieser Schiffstyp, der rund 1350 Tonnen Frachtladen kann, sei aber für einen wirtschaftlichen Betrieb zwingen der forderlich. Damit drohe am Ende die Kanalisierung des Flusses".

Ein Vorwurf, den Minister Daehre zurück weist. "Wir haben eindeutig gesagt, dass wir den Fluss weder ausbauen noch kanalisieren wollen", bekräftigte der Minister, der derzeit ohnehin schlecht auf den Verband zu sprechen ist. Der beeinflusse mit "bestellten Gutachten" das Raumordnungsverfahren. Kritik am BUND äußert zudem der Verein zur Hebung der Saaleschifffahrt. Die Argumente des Umweltverbandes seien "in Untersuchungen mehrfach widerlegt worden".

 

Galerien

Historie und Gegenwart - Bildimpressionen von Matthias Pusch

Aktuelles

Neuigkeiten per RSS Button

Saaleinfo Newsletter

Redaktion © VHdS e.V.
Grafik, Layout © 2005-2018 atnexxt – Agentur für Design und E-Business, Webdesign in Halle (Saale)