1 Jahr Regionalbüro Magdeburg des Vereins zur Förderung des Elbstromgebietes VFE

Sonntag, 28. Januar 2007, 16:37 Uhr

1 Jahr Regionalbüro Magdeburg des Vereins zur Förderung des Elbstromgebietes VFE

Gespräch mit Rolf Lack, Leiter des Regionalbüros

IHK: Was war die Veranlassung in Magdeburg ein Regionalbüro des VFE einzurichten?

Rolf Lack:

Am1.2.06 hat das Regionalbüro Magdeburg des Vereins zur Förderung des Elbstromgebietes seine Tätigkeit aufgenommen. Die Absicht war, Belange und Interessen der mitteldeutschen Region mehr Gewicht zukommen zulassen, sie zu bündeln und in dem Konzert der vielen Interessenverbände einen Platz zugeben. Dazu hat es viele Gespräche mit den Verbänden  in der unmittelbaren Elbregion, mit Firmen, die ihre Waren bereits jetzt auf dem Wasserwege transportieren sowie mit Behörden, die sich mit der Elbe als Wasserweg und Lebensader beschäftigen.
Ich habe verschiedene Vorträge über die Vereinsarbeit und seine Ziele bei den Verwaltungen und Vereinstreffen gehalten, um die Sensibilität füreinander zu stärken. 

IHK: Welche ersten Ergebnisse wurden erreicht?

Rolf Lack: Der Verein zur Hebung der Saaleschifffahrt, der Sächsische Hafen- und Verkehrsverein und der Verein zur Förderung des Elbstromgebietes haben beschlossen, die Nachrichten und Informationen aus Ihrem Gebiet in den gemeinsam herausgegebenen Elbe-Saale Nachrichten zu veröffentlichen. Die ersten E-S Nachrichten kamen im November 2006 heraus. Die Zugriffe auf die aktuellen News schossen buchstäblich in die Höhe. Verglichen mit der Zeit davor verdoppelte sich die „Auflage“ auf über 6000 Zugriffe. Damit ist ein wichtiger Schritt auf dem Weg gemeinsamer Interessen, gleicher aktueller Informationsstand und Argumentation getan.

IHK: Gibt es weitere Schritte in dieser Richtung?

Rolf Lack: Ende Januar 2007 haben sich die bundesweit agierenden Verbände der öffentlichen Binnenhäfen, der deutschen Binnenschifffahrt und des europäischen Vereins für Binnenschifffahrt und Wasserstrassen mit den ortsansässigen Vereinen getroffen um gemeinsam die Notwendigkeit des Verkehrsweges Elbe für die Binnenschifffahrt als zuverlässige Wasserstrasse in einer Erklärung darzulegen und zu fordern.

IHK: Warum ist die Elbe als Infrastruktur und Güterverkehrsweg so wichtig?

Rolf Lack: Im mitteldeutschen Raum südlich des Elbe Havel Kanals und des Mittellandkanals sind z. Zt. rd. 200 Firmen ansässig, die ihre Produkte auch auf dem Wasserweg versenden. Eine Optimierung der Zuverlässigkeit der Wassertiefen macht sie wettbewerbsfähiger und sichert Arbeitsplätze. Das gewaltige Containeraufkommen im Hamburger Hafen braucht neben der DB, dem LKW auch das Binnenschiff. Z. Zt. werden rd. 8 Mio Container gelöscht, 2015 werden es 18 Mio. und 2030  60 Mio. Container sein. Vielen ist nicht bewusst, was das für eine Belastung unserer Gütertransportwege bedeutet. Wer „billig“ in den großen Handelsketten einkauft, bezieht meistens seine Ware aus China, Indien o. a. Staaten. Diese Flut lässt sich nicht mehr aufhalten. Hoffentlich diskutiert man nicht jahrelang über Masterpläne, es ist an der Zeit sich über diese Situation jetzt Lösungen zu suchen, die auch die nächsten Wahlkämpfe überstehen. Die Häfen entlang der Elbe sind für den trimodalen Verkehr gerüstet und die heimischen Spediteure werden die neuen Chancen nutzen. 

IHK: Gibt es noch andere Nutzungen außer dem Gütertransport?

Rolf Lack: Natürlich. An erster Stelle ist der Tourismus mit Ausflugsdampfer zu nennen. Die Elbe hat so wie sie ist ihre Reize. Die Binnenschiffe sind keine Störfaktoren auf der Elbe. Was wäre die Elbe ohne Schiffe? Die Wanderungen, das Baden und der Sportbootverkehr sind weitere Anreize, die die Elbe bietet. Der Wassertourismus verzeichnet wachsende Besucherzahlen.

IHK: Sie sind von Haus aus Wasserbauer. Beschäftigen sie sich auch noch mit dieser Thematik?

Rolf Lack: Mein jetziges Engagement führt mich eigentlich vom Wasserbau weg. Trotzdem bieten sich genügend Gelegenheiten mit anderen Fachleuten über Belange des Wasserbaus und Binnenschifffahrt zu reden. Beide hängen voneinander ab.

Zum Beispiel habe ich mit verschiedenen Fachleuten über die bessere Ausnutzung der Schiffsgefäße diskutiert. Es ist bekannt, dass ein Schubverband wegen seiner Länge enge Kurven nicht ausfahren kann. Er „kratzt“ im Scheitelpunkt der Kurve am Unterwasserufer. Die Schleppverbände konnten die Kurven ausfahren. Sie blieben in der „Grube“. Dadurch hatten sie einen Tauchtiefengewinn von rd. 20 cm. Jede 10cm entsprechen 100 t Ladung. Letztendlich hat u. a. das Personalproblem die Schleppschifffahrt zu Ende gehen lassen. Bei der heutigen Technik müsste es  möglich sein ein Binnenschiff mit 1 Anhang Ankermanöver und   Steuerung des Anhangs sicher fern zu steuern, ohne Personalmehrung. Dass muss natürlich mit dem „TÜV“ für die Schiffe (SchiffsUntersuchungsKommission) abgesprochen werden. Auch das ist angepasste Flussschifffahrt.

IHK: Welche Ziele hat der VFE?

Rolf Lack: Der Verein hat die Zielstellung des Bundesverkehrsministers akzeptiert, die Elbe bis zum Jahr 2010 so zu unterhalten, dass die Wassertiefe an 345 Tagen im Jahr mindestens 1,60m beträgt. Jede zwischenzeitliche Verbesserung der Wassertiefe  in der Fahrrinne ist ein Schritt in einen zuverlässigeren Verkehrsweg.

Dieses den Politikern und Bürgern bewusst zu machen, ist ein weiteres Ziel. Die „Elbe-Saale-Nachrichten“ sind ein Weg. Durch den Schulterschluss der Vereine und Verbände und ihren Bemühungen soll den politischen Verantwortlichen deutlich werden, wie wichtig bei der Bewältigung der Verkehrsprobleme dieser europäische Verkehrsweg ist. Dieses schließt eine naturnahe Lösung nicht aus. Es setzt  Kompromissbereitschaft aller Beteiligten voraus.

Außerdem ist deutlich herauszustellen, dass die Vereine/Verbände eine Vielzahl von Firmen und Arbeitsplätzen repräsentieren. Das Gutachten der Fa. LUB Consulting GmbH, Dresden vom September 2006 bietet eine entsprechende Dokumentation für den Gütertransport auf der Elbe und damit verbundene Arbeitsplätze an. (http://elbeallianz.org/).

Blickt man in die Vergangenheit bis in das Jahr 1913 zurück, so zeigt die Grafik zu welcher Leistung die Elbe fähig war und ist.  Daneben sieht man die Verkehrsströme des Jahres 2002. Der Infarkt kündigt sich deutlich an.

 

Galerien

Historie und Gegenwart - Bildimpressionen von Matthias Pusch

Aktuelles

Neuigkeiten per RSS Button

Saaleinfo Newsletter

Redaktion © VHdS e.V.
Grafik, Layout © 2005-2018 atnexxt – Agentur für Design und E-Business, Webdesign in Halle (Saale)