Airbus-Transport auf der Elbe

Sonntag, 19. September 2004, 09:47 Uhr

Airbus-Transport auf der Elbe

Aus der Presse: MZ, Volksstimme und MDR

 

 

Super-Jet im Schneckentempo

 

Mitteldeutsche Zeitung vom 18.09.2004

VON JAN WÄTZOLD

Ein Vierteljahrhundert in drei Jahren - das ist der Plan, der vom September nächsten Jahres an in Dresden in die Tat umgesetzt werden soll. Dort steht die Halle, in der der neue Airbus A 380 von einer riesigen Hydraulikkonstruktion in Dauerstress versetzt werden wird. Wenn der aufwendigste Langzeittest der Flugzeuggeschichte beendet ist, wird der größte Passagier-Jet der Welt 47 500 "Flüge" hinter sich haben, was einem Dienstalter von 25 Jahren entspricht.

Doch bis die Zeitmaschine auf Touren kommen kann, ist erst einmal Schneckentempo angesagt. Wenn er das gewusst hätte, wäre Siegfried Kasten ohne Fahrrad zur Elbe gekommen. Eigentlich hatte der mit einer Kamera bewaffnete Rentner aus Tangermünde damit gerechnet, "der Sensation des Jahres" mit straffen Pedaltritten hinterher hasten zu müssen. Jetzt führt Kasten sein Gefährt am Lenker.

 

"So langsam kann ich nicht fahren, da fällt das Rad um"

sagt er.

Schrittgeschwindigkeit reicht aus, um mit der Schnauze des Airbus auf Augenhöhe zu bleiben. Mit acht Kilometern in der Stunde schleicht der gigantische Zylinder der jüngsten Airbus-Entwicklung gen Magdeburg. Zwei weitere Schubverbände folgen mit ähnlicher Ladung. In insgesamt drei Teile ist der neun Meter hohe, 65 Meter lange und 155 Tonnen schwere Rumpf in der Flugzeugwerft Hamburg-Finkenwerder zerlegt worden, bevor er im Hafen der Hansestadt auf die Reise nach Sachsen geschickt werden konnte. Die Flügel des Airbus sollen in der kommenden Woche folgen.

"Im Ganzen wäre das nie und nimmer gegangen"

so Projektleiter Thomas Nielsen.

Aber auch in Teilen stellt der Transport eine Herausforderung dar, deren Ausgang durchaus offen ist. Denn nach ersten Schwierigkeiten, Hochwasser hatte bereits in Hamburg für Verzögerungen gesorgt, warten schon heute weitere Hürden auf den Airbus-Konvoi. Auf dem Weg durch Magdeburg gilt es nicht nur sechs Brücken zu passieren. Am Domfelsen im Zentrum der Landeshauptstadt herrscht überdies wegen einer Flussverengung doppelte Strömungsgeschwindigkeit. Weil die Schubverbände gegen die Strömung unterwegs sind, müssen an der Schikane zusätzliche Boote eingesetzt werden, um die Schwerlast durch das Nadelöhr zu drücken.

Bei der Deutschen Binnenreederei, die den Transportauftrag von Airbus und der für den Langzeittest verantwortlichen Industrieanlagen-Betriebsgesellschaft übertragen bekommen hat, ist der A 380 zwar in besten Händen. Neben anderen Schwerlasten hat das Unternehmen auch schon etliche Flugzeuge sicher von Binnenhafen zu Binnenhafen gebracht. Die Größe des Jets ist allerdings auch für die Kapitäne und Besatzungen Neuland. Um am Ende nicht als unzuverlässig zu erscheinen, hat die Transportfirma über den Zeitplan denn auch den Mantel des Schweigens gebreitet.

Offiziell will bei der Deutschen Binnenreederei niemand sagen, wann die Schiffe wo zu erwarten sind. Durchgesickert ist dennoch, dass der Airbus am Sonntagnachmittag die Saalemündung bei Calbe passieren soll. Vorausgesetzt, in Magdeburg gibt es keine größeren Komplikationen.

Die Wasserschutzpolizei sorgt unterdessen dafür, dass der trotz geringer Geschwindigkeit mit schwerem Schub flussaufwärts strebende Konvoi möglichst überall mit Vorfahrt rechnen kann.

"Obwohl es gegen die Strömung geht, rechnen wir am Wochenende speziell an den Sportboothäfen mit einigen Geleitzügen für den Airbus"

 

so ein Beamter. Was für Motorbootfahrer kein Problem werden dürfte, könnte allerdings Hobbypaddler und Kanuten von der Teilnahme an der Polonaise abhalten.

 

Technik-Spektakel: Heute fährt ein "Flugzeugträger" die Elbe hinauf

 

Magdeburger Volksstimme vom 17.09.2004

Magdeburg - Ein Schiff wird kommen! Und zwar heute gleich dreimal mit nichts Geringerem als dem größten Passagierflugzeug der Welt an Bord - Ohne Flügel allerdings, denn die kommen mit zwei weiteren Schubverbänden erst nächste Woche. Der Flugzeughersteller Airbus transportiert auf der Elbe einen Prototyp des Doppelstock-Fliegers A380 von Hamburg nach Dresden.

570 Kilometer lang ist die Reise, und sie geht unter 40 Brücken hindurch. Am späten Nachmittag passierte gestern Deutschlands einziger schwimmender "Flugzeugträger" die Landesgrenze Sachsen-Anhalts. Der gigantische Rumpf - 65 Meter lang, neun Meter hoch, 155 Tonnen schwer - wurde für den Transport in drei etwa gleich lange Teile zerlegt und wird auf drei Binnenschiffverbänden transportiert. Geschwindigkeit: etwa acht Kilometer in der Stunde.

 

"Aber wie schnell die drei Schubverbände wirklich vorankommen, hängt von Untiefen, Strömungen und Wasserständen ab. Und das ist schlecht vorhersehbar"

 

so Airbus-Projektleiter Thomas Nielsen. Bereits in Hamburg hatte sich der Start wegen Hochwassers verzögert.

Bei Havelberg wurde dagegen wegen des niedrigen Elbpegels gestern sogar Havelwasser vor der Elbeinmündung gestaut, um es Stunden vor Vorbeifahrt des Verbandes in die Elbe abgeben zu können. Die Schubverbände - jeweils ein Schubschiff und ein Schubleichter - konnten gewissermaßen auf der Welle fahren, informierte das Magdeburger Wasser- und Schifffahrtsamt. Damit ist der Airbus-Transporter vermutlich der erste surfende "Flugzeugträger" weltweit.

Andere Herausforderungen erwartet die Schiffe in der Landeshauptstadt. Immerhin gilt es dort, sechs Brücken zu passieren. Am Herrenkrug-Park müssen die Schiffsführer auch mit Wasserverwirbelungen rechnen. Am Domfelsen in der Innenstadt verdoppelt sich die Fließgeschwindigkeit der Elbe von einem auf zwei Meter pro Sekunde. Aus diesem Grund wird, so das Schifffahrtsamt, in diesem Bereich ein zweites Schubschiff vor den jeweiligen Schubverband gespannt, um so genug Kraft bei der Durchfahrt der Flussenge entwickeln zu können.

Mit Sicherheit werden heute viele technikinteressierte Schaulustige das Spektakel vom Elbufer aus verfolgen wollen. Die drei Transportverbände kommen heute ab sechs Uhr früh von Havelberg aus die Elbe herauf und werden am Abend im Magdeburger Norden festmachen - so der Informationsstand gestern Abend bei Redaktionsschluss.

Alle drei Verbände fahren nur wenige Kilometer voneinander entfernt. Laut Schifffahrtsamt werden sie nacheinander am Sonnabend ab sechs Uhr früh das Magdeburger Stadtgebiet passieren. Diese Durchfahrt wird vermutlich bis zehn Uhr dauern, anschließend macht sich der "Flugzeugträger" in Richtung Schönebeck, Barby und Dessau auf den Weg.

Die Flügel des gewaltigen A380 werden - so die bisherige Planung - am Dienstag und Mittwoch kommender Woche von Hamburg aus auf die Reise nach Dresden geschickt. In Dresden soll ein 800-Tonnen-Spezialkran die Flugzeugteile von der Elbe auf einen Tieflader heben und zur Testanlage am Dresdner Flughafen fahren.

Nach Sachsen wird der Riesen-Flieger transportiert, weil dort, so Airbus, der weltweit größte Ermüdungsversuch an einem Zivilflugzeug gestartet werden soll. Das Testgerüst, in dem das Flugzeug "hängt", wurde übrigens vom Magdeburger Maschinenbauer FAM errichtet.

Der Betriebsfestigkeitsversuch beginnt im September 2005 und wird drei Jahre dauern. Projektleiter Thomas Nielsen:

 

"Das entspricht einem Serviceeinsatz des Airbus A380 von rund 25 Jahren."

 

47500 Flüge werden insgesamt simuliert. Bereits nach 5000 "Flügen" im Testzentrum kann der Super-Airbus 2006 in den Einsatz bei den Fluggesellschaften gehen. Dass der Test anschließend noch bis ins Jahr 2008 fortgeführt wird, versetzt die Techniker in die Lage, materialtechnisch in die Zukunft des Flugzeuges zu blicken. Der A380 gilt als eines der modernsten Verkehrsflugzeuge weltweit. Die beiden übereinander liegenden und durchgängig begehbaren Decks bieten 555 Passagieren Platz. Im Vergleich zu den größten Verkehrsflugzeugen anderer Hersteller sollen die Betriebskosten um bis zu 20 Prozent niedriger sein. Nach Hersteller-Angaben liegen bislang 139 Bestellungen und weitere Kaufabsichten für den A380 vor.

Von Oliver Schlicht und Karl-Heinz Kaiser (MRSA)

 

Airbus passiert Magdeburg

 

Meldung MDR vom 19.09.2004

Die Teile des neuen Superairbusses A 380 sind problemlos auf der Elbe an Magdeburg vorbeigezogen. Schlepper zogen die drei Schubverbände am Domfelsen entlang. Zahlreiche Schaulustige verfolgten das Spektakel. Seit vergangenem Sonnabend ist der Verband aus Hamburg-Finkenwerder mit dem Bugteil des A 380 unterwegs. Ziel ist die Elbewerft in Dresden, wo Belastungstest geplant sind. Insgesamt sollte die Reise zwei Wochen dauern. Der A 380 soll künftig Platz bieten für etwa 560 Fluggäste. Es wird damit das größte Passagierflugzeug der Welt.

 

 

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