Altes Leitwerk an der Elbe wird ökologisch saniert

Donnerstag, 29. April 2010, 23:19 Uhr

Altes Leitwerk an der Elbe wird ökologisch saniert

mz-web.de, 29.04.10,VON THOMAS STEINBERG

PROJEKT Wasser- und Schifffahrtsamt Dresden stellt die ab August geplanten Unterhaltungsmaßnahmen im Ratssaal vor. Alte Diskussionen brechen wieder auf.

DESSAU-ROSSLAU/MZ. Bei den Unterhaltungsmaßnahmen - Kritiker würden diese als Ausbau definieren - am Roßlauer Elbufer zwischen der Einfahrt zum Werfthafen bis Höhe Wallwitzhafen sollen ökologische Kriterien besonders berücksichtigt werden. Das Projekt, das zwischen August dieses Jahres und Dezember 2011 realisiert werden soll, wurde am Mittwoch gemeinsam vom Wasser - und Schifffahrtsamt Dresden (WSD) und dem Biosphärenreservat Mittelelbe im Dessauer Ratssaal vorgestellt.

Beim Zustand des Leitwerks - einem dem eigentlichen Ufer vorgelagerten Bauwerk - blute einem Wasserbauer das Herz, sagte Wolfgang Schwehla, beim WSD zuständig für Unterhaltung. Die Hälfte des Leitwerks sei stark beschädigt, was dessen Standsicherheit gefährde. Beim anschließenden Deckwerk, das sich Richtung Roßlau erstreckt, seien leichte Schäden festgestellt worden. In den vergangenen Jahrzehnten sei vor den Bauwerken zudem Sand angelandet, wodurch sich die Fahrrinne verengt habe.

Anders als sonst vielfach praktiziert, werde man an dieser Stelle keine "Schüttlösung" wählen, sondern Leit- und Deckwerk pflastern, kündigte Schwehla an. Das sei an dieser Stelle die ökonomischere, weil langlebigere Lösung. Zudem soll das Leitwerk an mehreren Stellen zum Strom hin geöffnet werden - derzeit gibt es bei Mittelwasser nur eine einzige Verbindung. Weil gleichzeitig hinter dem Leitwerk querliegende Dämme durchbrochen werden, kann das Wasser langsam wie durch ein großes Becken strömen, können sich kleine Inseln bilden und eigene Biotope.

Guido Puhlmann, Leiter des Biosphärenreservats, sprach stellvertretend für die an der Planung beteiligten Umweltbehörden. Der Umstand, dass seit den 30er Jahren praktisch keine Strombaumaßnahmen an der Elbe erfolgten, hätten sie zu einem der letzten naturnahen Flüsse in Mitteleuropa gemacht. Heute stelle sich die Frage: "Wie viel Idealfall bekommen wir heute noch hin?"

Ein zeitgemäßer Wasserbau, so Puhlmann, berücksichtige den Umweltschutz. Beispiele dafür gebe es an der Elbe: Wasserbauer beseitigen überflüssige Deckwerke, so dass Abbruchkanten entstehen können, schließen Altarme an den Fluss an und ermöglichen es, dass Leitwerke hinterströmt werden. 150 Buhnen im Zuständigkeitsbereich der WSD seien "ökologisch optimiert". Das entspricht einem Anteil von sieben Prozent.

Bei der Diskussion im gut besetzten Ratssaal ging es allerdings nicht um das vorgestellte Projekt, obwohl WSD-Leiter Klaus Kautz angeboten hatte, weitere Vorschläge zur Ökologie prüfen zu wollen. Statt dessen wurde wieder um die prinzipielle Sinnhaftigkeit der Unterhaltungs- oder Ausbaumaßnahmen gestritten. Kautz rückte dabei vorsichtig von dem durch die Bundespolitik vorgegebenen Ziel ab, schon in diesem Jahr ab Dresden an 345 Tagen im Jahr eine 1,60 Meter tiefe Fahrrinne gewährleisten zu können. Er wählte statt dessen die Formulierung "2010 und in den Folgejahren" und relativierte zudem die 345-Tage-Marke auf einen mehrjährigen Mittelwert. Man sei vom natürlichen Abfluss der Elbe abhängig, "wir können kein Wasser zutun". Für Paul Dörfler vom Elbe-Projekt des BUND war dies ein erneuter Beleg, dass die millionenteuren Arbeiten an der Elbe nicht den gewünschten Effekt bringen.

Enttäuscht von Kautz vagen Aussagen zeigte sich ebenso ein Gegner Dörflers - Gunto Mörer, Geschäftsführer des Hafens Roßlau, der ebenfalls Zweifel hegte, ob die 1,60 Meter überhaupt realistisch seien. Allerdings haben die für ihn ohnehin einen geringeren Stellenwert, als vielfach angenommen. Der Grund: Schwere Schüttgütertransporte spielen kaum mehr eine Rolle. Transportiert werden - wenn auch in Vergleich zum Rhein in verschwindend geringem Maße - Container oder Flügel von Windrädern mit relativ geringem Gewicht. "Ich komme notfalls mit 85 Zentimeter aus." Die Bahn, so Mörer, sei für den Containertransport keine Alternative. "Die hat keine Kapazitäten mehr."

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