Anfrage von Herrn Christian Werner

Montag, 01. Dezember 2008, 14:30 Uhr

Anfrage von Herrn Christian Werner

"Einzigartige Flusslandschaft sei bedroht"

Der Elbe-Saale-News erhielten von Herrn Werner folgende Anfrage:

Sehr geehrte Damen und Herren, seit Tagen wird im mdr über Proteste gegen den Elbausbau berichtet.

"Einzigartige Flusslandschaft sei bedroht"

Nach Auffassung des Bündnisses würden die massiven Steinaufschüttungen an den Ufern der Elbe den Fluss weiter einengen und so drohe die einzigartige Flusslandschaft verloren zu gehen. Der Schifffahrt nutzte die Einengung nichts, denn der Elbe fehlte bereits von Juni bis November 2008 das nötige Wasser für einen rentablen Gütertransport. Außerdem würden die Biosphärenreservate und Welterbegebiete zusehends austrocknen. Die Vertiefung der Unterelbe zwischen Hamburg und Cuxhaven zudem unnötig, da dies die Sauerstoffwerte des Flusses verschlechtern und die Existenz von Nebenflüssen bedrohen würde. Durch jede Elbvertiefung würden sich die Hochwasserstände und Sturmflutgefahren erhöhen, erklärte Walter Rademacher, Sprecher des Regionalen Bündnisses"

Für Leien ist das wenig verständlich, so dass ich mir von Ihrem Verein eine objektive Aufklärung wünsche. Wie kann der wirtschaftliche notwendige Elbausbau und die Belange der Ökologie berücksichtigt werden? Warum ist über Ihre Position in den mdr-Nachrichten nichts zu lesen?

Mit freundlichen Grüßen
Christian Werner
An den Linden 69
04178 Leipzig

 

Hier unsere Antwort

Sehr geehrter Herr Werner,

an der Saale wird die Vollendung des Saaleausbaus durch Schifffahrtsgegner seit fast 20 Jahren mit allen Mitteln blockiert. Die Elbe als internationale Wasserstrasse befindet sich zur Zeit immer noch in einem Zustand, der bei Niedrigwasser eine wirtschaftliche Güterschifffahrt zum Teil nicht zulässt und der Fahrgast-, Hotel- und auch Sportschifffahrt Beschränkungen auferlegt.

Grund dafür ist, dass nach dem Elbe- Hochwasser vom August 2002 alle Unterhaltungs- und Ausbaumaßnahmen an Regulierungs- und Uferschutzbauwerken an der Elbe gestoppt wurden. Dringend notwendige Ausbaumaßnahmen in schwierigen Bereichen der Elbe wurden durch den Abbruch der laufenden Planfeststellungsverfahren nicht realisiert, die Verfahren bis heute nicht wieder aufgenommen.

Der Zustand der Buhnen, Deckwerke und damit der Schifffahrtsverhältnisse verschlechterte sich dadurch immer mehr. Erst 2005, drei Jahre nach der Hochwasserkatastrophe, wurde wieder damit begonnen, defekte Buhnen und Deckwerke, die als Uferschutzbauwerke auch die erste Verteidigungslinie vor Hochwasser und Eis in einer Kulturlandschaft darstellen, zu reparieren. Es finden an der Elbe nur Unterhaltungsmaßnahmen und keine Ausbaumaßnahmen statt. Dabei wird der Zustand wieder errichtet, der ursprünglich vorhanden war. Der Fluss wird nicht eingeengt, diese Behauptung ist falsch. Auch ist eine angebliche Austrocknung der Biosphärenreservate und Welterbegebiete durch die Unterhaltungsmaßnahmen ein pauschaler Vorwurf der Schifffahrtsgegner, der nach Aussage der Experten in der Wasser- und Schifffahrtsverwaltung fachlich keine Substanz hat.

Den Unterhaltungsarbeiten an der Oberelbe geht übrigens ein umfangreicher Abstimmungsprozess der Wasser- und Schifffahrtsämter mit verschiedenen Bundes,- Landes- und Kommunalbehörden (Bundesumweltministerium, Bundesamt für Naturschutz, Umwelt- und Wasserwirtschaftsministerien der Länder, Umwelt- und Wasserwirtschaftsbehörden der Kommunen, Biosphärenreservatsverwaltungsverwaltung) voraus. Entsprechend festgelegter Handlungsempfehlungen werden dabei vor allem ökologische Belange, aber auch wasserwirtschaftliche Belange berücksichtigt. Sie können also davon ausgehen, dass die wirkliche  naturschutzfachliche und wasserwirtschaftliche Kompetenz bei den Behörden liegt, die für diese Unterhaltungsmaßnahmen verantwortlich sind. Während dessen ist von Seiten der Schifffahrtsgegner hauptsächlich eine populistische Fundamentalkritik und Totalverweigerung zu erkennen, die zum Teil mit unwahren Aussagen und Diffamierungen der Wirtschaft und Verwaltung in der Öffentlichkeit verbunden wird.

Zur Verbesserung der Schifffahrtsverhältnisse auf der Unterelbe fehlen mir die Detailkenntnisse. Ich weiß, dass zu dieser Maßnahme alle fachlichen Belange in den dazu notwendigen Verfahren durch Experten diskutiert, abgewägt und durch unabhängige Planfeststellungsbehörden entschieden wurden. In solchen rechtsstaatlichen Verfahren kann jeder seine Hinweise und Kritiken einbringen. Ich bin mir sicher, dass dies bei den Maßnahmen an der Unterelbe genau wie in den anstehenden Verfahren zur Vollendung des Saaleausbaus mit der Errichtung des Schleusenkanals Tornitz geschieht.

Sehr geehrter Herr Werner,

bei allen Unterhaltungsmaßnahmen an der Elbe und den Verfahren an der Saale werden die Belange der Ökologie durch die Fachleute in den beteiligten Behörden ganz intensiv berücksichtigt. Warum dieser Sachverhalt, warum die ökologische Vielfalt und Wertigkeit der Elbe und Saale, die erst durch hunderte Jahre Wasserbau an jedem Meter Ufer der Flüsse entstanden sind, durch die Medien nur gering bzw. einseitig dargestellt werden, kann ich Ihnen nicht beantworten. Ich kann Ihnen aber versichern, dass wir und viele andere Bürger, Unternehmen und Vereine uns weiter für eine vielseitige Nutzung der Elbe und Saale sowohl als Wasserweg zum Transport mit dem umweltfreundlichsten Verkehrsmittel, dem Güterschiff, als auch für den Erhalt der ökologischen Vielfalt und Wertigkeit und die Berücksichtigung anderer Nutzungen einsetzen werden. Ihre Kompromissbereitschaft hat die Wirtschaft und Schifffahrt in der Vergangenheit mit dem Verzicht auf schifffahrtstechnische Maximallösungen an der Elbe und Saale deutlich gezeigt. Dass die Elbe- und Saaleaktivisten in keiner Weise kompromissbereit sind und weiterhin mit allen Mitteln jede Maßnahme verhindern wollen, selbst Lösungen, die sie einmal selbst vorgeschlagen haben (Saalekanal), ist enttäuschend.

Dass Sie und viele andere Bürger uns auf unserem Weg intensiv unterstützen, sehen wir täglich an den vielen Mails und Briefen. Das ist sehr erfreulich und ich möchte mich dafür auf diesem Weg einmal bei Ihnen und allen anderen Unterstützern recht herzlich bedanken!

Mit freundlichen Grüßen
Manfred Sprinzek

 

 

Galerien

Historie und Gegenwart - Bildimpressionen von Matthias Pusch

Aktuelles

Neuigkeiten per RSS Button

Saaleinfo Newsletter

Redaktion © VHdS e.V.
Grafik, Layout © 2005-2018 atnexxt – Agentur für Design und E-Business, Webdesign in Halle (Saale)