Angriff aufs Auenland

Sonntag, 11. Dezember 2005, 17:42 Uhr

Angriff aufs Auenland

Auszüge aus: Spiegel Heft 50/2005

 

 

Wie er da am Ufer steht, weiter Blick und weißer Bart, gebräunt und im Parka geschützt vor Herbstfröstelei, gibt Ernst Paul Dörfler den Naturburschen in Perfektion. Nur die dazugehörige irdene Gelassenheit bröckelt gerade. War alles vergebens? Geht nun der ganze Kampf von vorn los? "Beim Streit um den Fluss ging's ja schon vorher nicht gerade zimperlich zu", sagt der Umweltschützer. "Aber das jetzt ..."

Gerade hat der Mann vom Bund für Umwelt und Naturschutz (BUND) erfahren, dass die Große Koalition beschlossen hat, die Elbe von Hamburg bis zur tschechischen Grenze zur Verkehrsstraße auszubauen, auf dass sie auch bei Niedrigwasser Schiffen den Weg von Hamburg nach Berlin, Dresden und Prag gewähre.

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Kapitel B.I.6.4. im Koalitionsvertrag besiegelt bis auf weiteres das Schicksal des letzten freifließenden Stroms in Mitteleuropa. Die neue Regierung möchte die Binnenschifffahrt fördern und hat vor, zu diesem Zweck die "landseitigen Anbindungen der deutschen Seehäfen gezielt und koordiniert auszubauen". Gemeint sei auch die Elbe, bestätigt der Verkehrsexperte Michael Odenwald (CDU), der diesen Teil des Koalitionsvertrags mitgestaltet hat. Der Ausbau zu einer zuverlässigen Wasserstraße sei "dringend notwendig".

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 "Der Lkw ist eben traumhaft billig", gibt Aster zu. Er hofft aber auf den rasant wachsenden Containerverkehr. In zehn Jahren sollen die Kräne im Hamburger Hafen bereits mehr als doppelt so viele Container von den Frachtern wuchten wie heute. "Ein wahnsinniger Boom", sagt Aster.

Je nachdem, welcher Studie Glauben zu schenken ist, könnten die Binnenschiffer dem Hamburger Hafen künftig fünf oder gar zehn Prozent dieser Überseekästen abnehmen und weiter gen Osten transportieren. Straße und Schiene allein, argumentieren Binnenschiffer und Elbhäfenbetreiber, könnten diese Gütermengen gar nicht mehr bewältigen.

Garantierte 1,60 Meter tief an mindestens 345 Tagen im Jahr müsse die Fahrrinne daher sein, wünschen sich die Ausbaubefürworter. "Mehr als das ist ohnehin nicht zu schaffen", erklärt Petra Faulhaber, Ingenieurin bei der Bundesanstalt für Wasserbau. Tiefer bekäme man die Elbe nur mit Staustufen. "Und daran arbeitet bei uns keiner", versichert Aster.

Um die 1,60 Meter hinzubekommen, wollen die Wasserbauer die Erosion durch massive Zugabe von Kies bekämpfen und den Strom bei Coswig in Sachsen-Anhalt wieder in gewünschte Bahnen lenken. In Magdeburg müssen sie den Domfelsen und weiteres Gestein abfräsen und an der von ihnen so genannten Reststrecke, dem minimal verbauten Teil der Elbe zwischen Dömitz und Hitzacker, die alten, aus ihrer Sicht zu mickrigen Buhnen verlängern.

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