Angst vor dem Domino-Effekt

Donnerstag, 03. April 2008, 07:22 Uhr

Angst vor dem Domino-Effekt

BUND-Chef Weiger sieht Verschwendung - Politik mahnt zu Sachlichkeit

mz-web.de, von Johannes Dörries, 02.04.08,

Magdeburg/MZ. Hubert Weiger befürchtet einen Domino-Effekt. Der Anfang wäre für den Vorsitzenden des Bundes für Umwelt und Naturschutz (BUND) der Bau eines Schleusenkanals an der Saale kurz vor der Mündung in die Elbe. Am Ende drohe die Kanalisierung der Elbe und damit die Zerstörung einer der letzten naturnahen Flusslandschaften. Deshalb und weil der Kanal "eines der sinnlosesten Steuervernichtungsprojekte ist, das jemals in Deutschland realisiert werden sollte", kündigt Weiger den Widerstand der Umweltschützer gegen das Vorhaben an: Das vor gut drei Wochen gestartete Raumordnungsverfahren sollte umgehend gestoppt werden.

Das Landesverwaltungsamt in Halle hat am 10. März auf Antrag des Wasserstraßen-Neubauamtes das Raumordnungsverfahren eingeleitet. Bis September sollen zwei Varianten für den Bau eines siebeneinhalb Kilometer langen Kanals untersucht werden. Er soll den kurvenreichen und für Lastschiffe nur schwer befahrbaren unteren Saaleabschnitt umgehen, die Kosten werden mit 80 Millionen Euro veranschlagt. Der Bau könnte nach weiteren Prüf- und Planungsschritten frühestens 2011 beginnen.

Mit dem Kanal soll auch der Hafen Halle für Schiffe besser erreichbar sein. Der Hafen ist in den 90er Jahren für 30 Millionen Euro ausgebaut worden; Frachtschiffe haben dort in den letzten zwei Jahren indes nicht angelegt. An dem Hafen boomt der "kombinierte Verkehr": Im März sind dort fast 4 000 Container von Lkw auf Bahnwaggons oder in umgekehrter Richtung umgeladen worden. Hafen-Chef Dirk Lindemann sieht mit dem Start des Raumordnungsverfahrens den Kanal näher rücken - und damit die Chance auf ein Zusatzgeschäft für den Hafen, wenn dort Güter auch wieder verschifft werden können.

Während Lindemann dabei auf Schüttgut setzt, hofft Manfred Sprinzek, Vorsitzender des Vereins zur Hebung der Saaleschifffahrt, auch auf einen Teil des Containerverkehrs. Insgesamt gebe es ab 2013 mindestens 2,3 Millionen Tonnen Schiffsfracht, die über die Saale transportiert werden könnte - wenn der Kanal freie Fahrt für Schiffe mit bis zu 1,6 Metern Tiefgang gewährleiste. "Das reicht, um über Magdeburg nach Hamburg und Rotterdam zu kommen", sagt Sprinzek. "Und dazu brauchen wir keinen Elbausbau." Es reiche, wenn der Fluss wie bereits geplant "hergerichtet" werde.

Beim BUND stoßen derartige Aussagen auf Skepsis. Die Kritiker werfen den Planern vor, mit veralteten Daten zu arbeiten. Der Klimawandel mit Folgen wie häufigerem Niedrigwasser werde unterschlagen. BUND-Chef Weiger spricht von "Gefälligkeitsgutachten", mit denen die Bundeswasserstraßenverwaltung die Pläne vorantreibe. Und er spricht von der Bauwirtschaft als treibender Kraft. Zudem sollten derartige "Geisterprojekte" überflüssig gewordene Behörden wie das Wasserstraßen-Neubauamt sichern. Deshalb will er nicht nur die zehn Millionen Euro teure Planung stoppen. Es sei auch an der Zeit, dass der Bundesrechnungshof aktiv werde. Denn es würden Millionen verschleudert, während für einen ökologischen Hochwasserschutz Geld fehle.

Sachsen-Anhalts Verkehrsminister Karl-Heinz Daehre (CDU) indes befürwortet das Kanalprojekt. Er mahnt eine sachliche Debatte an. Das Raumordnungsverfahren und die folgenden weiteren Verfahren seien der geeignete Weg zu prüfen, ob das Projekt sinnvoll und umweltgerecht umsetzbar ist.

Galerien

Historie und Gegenwart - Bildimpressionen von Matthias Pusch

Aktuelles

Neuigkeiten per RSS Button

Saaleinfo Newsletter

Redaktion © VHdS e.V.
Grafik, Layout © 2005-2018 atnexxt – Agentur für Design und E-Business, Webdesign in Halle (Saale)