Aus der Geschichte der Saale

Donnerstag, 09. Juni 2005, 12:02 Uhr

Aus der Geschichte der Saale

Aus Volkstimme und Mitteldeutsche Zeitung

Quelle: Mitteldeutsche Zeitung vom 13.05.2005

Verein hält das Andenken an die Saaleflößerei lebendig dt/dpa.

Das Goethe-Theater in Bad Lauchstädt ist Zeuge eines längst vergangenen Gewerbes: der Flößerei auf der Saale. Das Gebälk des 1802 errichteten Baus besteht aus unzähligen Baumstämmen, die einst mutige Zeitgenossen kilometerweit über die Saale flößten. «Das Theater ist eines der schönsten Schmuckkästchen in Deutschland», findet Hannes Rothen, Chronist beim «Flößerverein Uhlstädt, Oberkrossen und Rückersdorf» im Landkreis Saalfeld-Rudolstadt.

Die Saaleflößerei ist etwa so alt wie der Grundstein des Kölner Doms, 1258 wurde sie erstmals urkundlich erwähnt. Jenes Dokument gilt zudem als älteste Beweisschrift für das Wort «Vloiz», heute «Floß». «Die Saale war der effektivste Verbindungsweg zwischen dem waldreichen Thüringer Schiefergebirge und den Niederungsgebieten des Flusses», sagt Vereinsmitglied Peter Schröter. Die fortschreitende Besiedlung im Großraum Leipzig und Umland ließ Brenn- und vor allem Bauholz für Brücken und Gebäude dort immer knapper werden.

Ziel der Saaleflößer waren das thüringische Camburg und das heutige Bad Kösen in Sachsen-Anhalt. Auf großen Holzmessen deckten sich Zimmerleute mit dem begehrten Baumaterial ein, um es dann auf dem Landweg ins Umland zu schaffen. «Am Sonntag vor Ostern konnte man auf 4 000 Langholzflößen kilometerweit über die Saale laufen», sagt Chronist Rothen. Zuvor mussten die Flößer auf ihren bis zu 30 Meter langen und tonnenschweren Gefährten eine anstrengende Flussreise meistern. Auf 189 Flusskilometern von Harra am Oberlauf der Saale bis Bad Kösen gab es 43 Wehre und unzählige enge Brücken. Durch die Kleinstaaterei stand alle paar Kilometer eine Zollstelle.

An der exemplarischen Zollstelle Jena mussten 1507 für ein Floß 36 Groschen berappt werden - die damalige Hausfrau hätte dafür 540 Eier oder 18 Kilogramm Zucker bekommen. Die Fahrten waren «beschwerlich und gefährlich», sagt Peter Sickmüller, Vorsitzender des Flößervereins. Problem habe es fast immer gegeben - mal blieb ein Floß stecken, mal brach sich ein Flößer das Bein. Dem Spektakel einer Wehrüberfahrt eifern die Hobbyflößer noch heute nach: Über Pfingsten erwarten sie bei einem Flößerfest in Uhlstädt 5 000 Besucher, unter anderem werden Floßfahrten für Gäste angeboten - in ruhigen Abschnitten der Saale.

Besucher können auch vier Langholzflöße besichtigen, Vereinsmitglieder erklären die traditionelle Bauweise. Da Seile früher teuer waren, sammelten die Flößer dünne Fichtenstämme, die sie auf den Ofen legten. So wurden sie weich und konnten verdreht werden. «Ein hervorragender Seilersatz», sagt Rothen. Im Uhlstädter Flößermuseum werden unter anderem solche «Wieden» ausgestellt. «Besucher rätseln immer, was das ist.»

Offiziell beendet wurde die Saaleflößerei 1938, sie hatte gegen die voranschreitende Industrialisierung keine Chance. Holz wurde als Baumaterial verdrängt oder aus dem Ausland importiert, die Eisenbahn bot sich als Transportweg an. Der Urgroßvater des Vereinsvorsitzenden Peter Sickmüller war einer der letzen Flößer in Uhlstädt. Die Begeisterung scheint die Jahre überdauert zu haben:

"Wenn es Flößer wieder als Beruf geben würde", sagt er , "ich würde sofort Ja sagen"

 

Quelle: Volksstimme vom 30.05.2005

Der heute so ruhige Elbe-Saale-Winkel war einst wichtiger Handels- und Lagerplatz

Treidler, Schiffer und Böttcher - das Saalhorn war quirliger Handelsort

Das Saalhorn zwischen Barby und Breitenhagen ist ein vergessener Winkel schöner Natur. Einst zu Barby gehörend und von dort aus auf dem Landweg zu erreichen, wird es seit Mitte der 30 er Jahre von der Strom-Saale abgetrennt.


Barby/ Breitenhagen. 1922 wurde auf Initiative des damaligen Reichspräsidenten Friedrich Ebert die durchgehende Schiffbarmachung der Saale für 1000-Tonnen-Frachtschiffe bis Halle begonnen. Das hatte einige Flussbegradigungen zur Folge. Dazu gehörten in unserem Landkreis die Durchstiche bei Calbe (Hohendorfer Busch) und an der Mündung.

Die alten Barbyer erinnern sich noch heute mit ein wenig Wehmut an das Saalhorn, dessen gleichnamige Gaststätte Ausflugsziel war. Besonders beliebt war die Gastwirtschaft von Fritz Ollenhauer, die später an Fritz Grimpe überging.

Einen schicksalshafen Einschnitt bedeutete für die Saalhorn-Bewohner der Saaledurchstich 1935. Infolge des ehrgeizigen deutschen Verkehrsprojektes blieb ihnen die Kundschaft weg. Der neue Flussverlauf hatte dazu geführt, dass das Lokal plötzlich auf der anderen Seite des Flusses auf einer Halbinsel lag. Für die Breitenhagener und Klein Rosenburger war (und ist) der Weg dorthin zu umständlich.

Man begann damit, die untere Saale für 1000-Tonnenschiffe auszubauen, um die sächsischen Industriezentren mit der Elbe schifffahrtstechnisch zu verbinden. In diesem Zusammenhang wurde die 1695/ 96 erbaute Saaleschleuse in Calbe stillgelegt und einige hundert Meter weiter östlich neu errichtet. Der Ausbau der Saale ging bis 1940 zügig weiter, dann wurde er durch den Krieg beendet. Ein Thema, das nicht nur die Bewohner des Elbe-Saale-Winkels gegenwärtig erneut beschäftigt. Landgraben war damals noch schiffbar.

Das Saalhorn war schon vor 300 Jahren wirtschaftlich bedeutend. Wie im Buch „Spurensuche“ nachzulesen ist, das von der Kreissparkasse herausgegeben wurde und sich mit der Geschichte des Landkreises beschäftigt, förderte der preußische Staat den Salzhandel erheblich. Bereits in den Jahren 1695/ 96 waren an der Saale mehrere Schleusen zur Förderung der Schifffahrt ab Halle gebaut worden. Sie ermöglichten den Abtransport des Salzes von der staatlichen Saline Halle auf dem billigen Wasserweg.

Mit Kähnen wurde das „weiße Gold“, das dank der Salzsteuer dem Staat hohe Einnahmen brachte, bis zum Saalhorn transportiert. Die Schiffe fuhren nicht leer nach Halle zurück. Sie transportierten Holz, das zum Sieden gebraucht wurde. Treidelknechte, die so genannten Bomätscher, zogen die schweren Schiffe stromaufwärts.

Um es auf den Punkt zu bringen: Das Saalhorn war ein Umschlagplatz für Salz. In der „Königlich preußischen Salzniederlage“, die auch als Salzfaktorei bekannt war, wurde die Fracht auf Elbkähne umgeladen und nach Berlin und andere preußische Provinzen gebracht.

Am Saalhorn sollen in jener Zeit rund 40 Menschen gelebt haben: Außer dem Salzfaktor auch etliche Treidler, Schiffer, Böttcher und Salzknechte. Letztere lebten in „Baraquen“. Der Salzfaktor und seine Familie wohnten in einem zweistöckigen Haus, von dem, wie auch von allen anderen Gebäuden, heute nichts mehr zu sehen ist.

Die „Alte Elbe“, die von der Saalemündung parallel zur Stromelbe bis Breitenhagen führte, sowie der Landgraben, waren damals noch schiffbar. Heute sind sie wertvolle Lebensräume für bedrohte Tierarten.

Von Thomas Linßner

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