Ausbau der Elbe muss weitergehen

Freitag, 04. September 2009, 19:28 Uhr

Ausbau der Elbe muss weitergehen

Hermann Wolter war einst Binnenschiffsführer und befürwortet die Regulierung von Flüssen zugunsten des Transportverkehrs

Volksstimme.de, 02.09.2009, Von Anja Guse

Flusslandschaft Elbe – natürlicher Lebensraum oder ausgebaute Schifffahrtsstraße ? Welchen Weg sollen Elbe und Schifffahrt künftig gehen ? Während Naturschützer sich gegen Ausbaumaßnahmen an der Elbe aussprechen, befürworten Binnenschiffer wie Hermann Wolter aus Hohenwarthe die Regulierung des Flusses zugunsten des Frachtverkehrs.

Burg / Genthin. Hermann Wolter aus Hohenwarthe kann die Forderungen der Naturschützer nicht verstehen. Seit Jahren schon setzen sich diese für die Renaturierung der Elbe ein. Ausbaumaßnahmen sollen gestoppt werden, verlangte schon vor drei Jahren der Naturschutzbund ( NABU ). Flüsse sollen mehr Raum erhalten, appellierte der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland ( BUND ) an die Politiker und setzte auf einen nachhaltigen Hochwasserschutz. Wegen des Ausbaus für den Frachtverkehr würden diese Ziele jedoch vernachlässigt, die Flusslandschaft Elbe gar zerstört werden.

" Alles Quatsch ", meinte Hermann Wolter. Der 68-Jährige aus Hohenwarthe arbeitete jahrzehntelang als Binnenschiffsführer auf der Elbe, fuhr jeden Tag dutzende Kilometer. " Die Elbe ist trotz Bau- und Reparaturmaßnahmen an Buhnen und anderen Bauwerken nach wie vor ein herrlicher Fluss. Die Arbeiten dürfen nicht aufhören, der Strom muss als Verkehrsweg erhalten bleiben ", erklärte er jüngst in einem Gespräch mit der Volksstimme.

Im Einklang mit der Natur, das sei trotz Regulierung des Flusses möglich, der Ausbau sogar nötig. " Wenn man die Elbe nicht bearbeiten würde, steigt das Wasser höher. Je breiter der Fluss, desto langsamer fließt das Wasser. Die Fahrrinne versandet, der Fluss breitet sich mehr und mehr aus und die Umgebung wäre von Hochwasser bedroht ", erklärte Hermann Wolter.

Immer wieder sprach sich Ernst Paul Dörfler vom BUND in der Vergangenheit gegen den Bau von Buhnen aus. Diese seien neben der ökologischen Fragwürdigkeit auch eine Verschwendung von Steuergeldern, erklärte er einst bei einer Protestaktion an einer Buhne bei Aken. Hermann Wolter ärgert sich über solche Aussagen. Wirtschaftlich betrachtet sei die Schifffahrt noch immer die günstigste Transportvariante. " Billiger geht es nicht. Überlegen Sie doch mal, wie viele Lkw-Ladungen auf ein Schiff passen. " Immerhin, ein Europaschiff kann etwa 1350 Tonnen Ladung aufnehmen, ein schwerer Lkw dagegen nur rund 40 Tonnen.

Doch die Naturschützer bemängeln auch, dass immer weniger Güter auf dem Fluss transportiert werden. Dagegen argumentierte Hermann Wolter : " Unser einziges Problem ist der fehlende Nachwuchs in der Binnenschifffahrt. Sie hat einfach keine Lobby mehr. "

Und noch einen Knackpunkt gebe es in der Diskussion : Während Naturschützer durch den Bau von Buhnen und Staustufen die Umwelt in Gefahr sehen, hat der ehemalige Binnenschiffsführer seine eigenen Beobachtungen gemacht. " Die Elbe ist so reich an Fischen. Und die Steinaufschüttungen bieten Kriechtieren optimale Lebensbedingungen. " Zudem würde sich die Natur ihren Raum zurückerobern. Erste Pflanzen breiten sich bereits am Elbe-Havel-Kanal, direkt vor dem Haus von Hermann Wolter, wieder aus. " Genau wie hier werden auch an der Elbe die Steine in wenigen Jahren kaum mehr zu sehen sein. Die Grünpfl anzen können sich hier sehr gut vermehren. " Zudem locken der grün bewachsene Deich und die Wege an der Elbe die Radfahrer aus aller Welt an. " Dem Tourismus tut das auch gut ", meinte Hermann Wolter, dessen Herz an der Elbe hängt, sowohl als Lebensraum voller Tiere und Pflanzen als auch als Verkehrsweg für Fracht- und Passagierschiffe.

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