BDB nimmt zu „Panorama“-Beitrag Stellung

Sonntag, 29. April 2007, 23:31 Uhr

BDB nimmt zu „Panorama“-Beitrag Stellung

Tendenziöse Berichterstattung wertet System Wasserstraße ab Bundesverband der Deutschen Binnenschiffahrt e. V. Duisburg, 27. April 2007

Auf heftige Kritik stößt beim Bundesverband der Deutschen Binnenschiffahrt e.V. (BDB) die Berichterstattung in der ARD-Sendung „Panorama“ vom 26. April 2007, in der auf die aktuelle Situation und die Zukunftsprognosen der Güterbinnenschifffahrt in Ostdeutschland – unter anderem am Beispiel des Wasserstraßenkeuzes Magdeburg und des Schiffshebewerkes Niederfinow – eingegangen wird. Unter der Überschrift „Versenkte Milliarden – sinnlose Subventionen für die Binnenschifffahrt im Osten“ wurden in dem Beitrag unrichtige Behauptungen erhoben, wesentliche Fakten nicht erwähnt und aus vorhandenem Zahlenmaterial tendenziöse und in Teilen falsche Schlussfolgerungen gezogen.Ohne auf sämtliche Details einzugehen, nimmt der BDB zu folgenden Aspekten Stellung:

* In dem Beitrag wird der falsche Eindruck erweckt, Investitionen in Maßnahmen an ostdeutschen Wasserstraßen würden nur für den Gütertransport mit dem Binnenschiff erfolgen. Richtig ist, dass auf diesen Flüssen und Kanälen auch in erheblichem Maße die Fahrgast- und Sportschifffahrt stattfindet, die gleichfalls erheblich von den Investitionen im Wasserstraßennetz profitiert, in dem Beitrag jedoch zu keiner Zeit erwähnt wird. Unerwähnt bleibt außerdem, dass die ostdeutschen Wasserwege – wie viele Flüsse in Deutschland und Europa – ein regelrechtes Nutzungsbündel auszeichnet: Sie dienen auch der Trinkwasserversorgung und der Abwasserabfuhr, dem Hochwasserschutz und der Freizeitgestaltung auf und an dem Wasser. Auch zur Erfüllung dieser Aufgaben bedarf es bestimmter, durchaus auch Kosten verursachender flussbaulicher Maßnahmen.

* Anders als in dem Bericht dargestellt, sind in der Wasser- und Schifffahrtsverwaltung keine „17.000 oder 18.000“ Beamte tätig, die „irgendwie beschäftigt werden müssen“. Auf Grund langfristiger Sparmaßnahmen wurde die Zahl der Mitarbeiter systematisch reduziert: Aktuell sind deshalb in der Wasser- und Schifffahrtsverwaltung zum Beispiel nur rund 500 Ingenieure für die Planung von Investitionen in das rund 7.500 Kilometer lange Netz der Bundeswasserstraßen zuständig.

* Aufgrund des Verschweigens dieser Zusammenhänge kommt es auch in dem Beitrag zu der schlicht falschen Aussage: „Auf einen ostdeutschen Binnenschiffer kommen drei Mitarbeiter der Wasser- und Schifffahrtsdirektion Ost.“

* Bestenfalls als Ausdruck schlechter Recherche und logistischer Unkenntnis ist die Behauptung zu werten, entlang der Elbe gebe es keine Auftraggeber für die Binnenschifffahrt. Richtig ist, dass die Wasserstraßen ein erhebliches Entlastungspotenzial für den Straßen- und Schienenverkehr haben: Über 10 Mio. Tonnen wurden im Jahr 2005 an der Elbe-Schleuse Geesthacht gezählt. Aktuelle Untersuchungen (LUB Consulting, September 2006) ermitteln in einer Gesamtbetrachtung für die Elbe im Zeithorizont 2015 eine zusätzliche Gutmenge von ca. 5,8 Mio. Tonnen im Vergleich zum Bundesverkehrswegeplan 2003. Die Erhöhung ergibt sich einerseits durch die Verbesserung der Schifffahrt auf der Saale sowie andererseits durch zusätzliche Containerverkehre.

* Diese Zahlen und der zukünftige verkehrliche Bedarf auf den ostdeutschen Wasserstraßen hätte von den in der Region ansässigen Binnenhäfen und der verladenden Wirtschaft bestätigt werden können. Diese für logistische Zusammenhänge unentbehrlichen Ansprechpartner kamen in dem Beitrag nicht zu Wort; sie sind nicht ein einziges Mal erwähnt worden. Die Vermutung eines Akademikers der TU Dresden, dass es für Güterverkehr auf der Elbe keinen Bedarf gebe, hätte so leicht entkräftet werden können.

* Falsch ist die in dem Bericht getroffene Aussage, dass nur „rund 8.000 Schiffe“ im Jahr 2005 über die im Jahr 2003 eröffnete Trogbrücke über die Elbe im Wasserstraßenkreuz Magdeburg fuhren. Allein im Jahr 2005 befuhren knapp 14.000 Güterschiffe dieses Bauwerk, was einer täglichen Passage von 38 Schiffen entspricht. In dieser Zahl sind noch nicht die rund 1.000 Fahrgastschiffe und über 2.000 Sportboote berücksichtigt, die in dem Bericht keine Erwähnung finden.

* Zu widersprechen ist der Aussage des Umweltbundesamtes, dass die Binnenschifffahrt gegenüber der Bahn keinerlei ökologischen Vorteil bietet. Zum einen können mit dem Binnenschiff auf bereits vorhandenen Wasserwegen ohne größeren infrastrukturellen Aufwand erhebliche Gütermengen lärmfrei und damit von der Bevölkerung weitgehend unbemerkt transportiert werden. Zum anderen belegen europäische Studien, dass das Binnenschiff – bezogen auf die tonnenkilometrische Leistung – die geringsten Emissionen verursacht. Unstreitig ist außerdem, dass das Binnenschiff – anders als bei der Fernstraße und der Schiene – mit seinem Infrastrukturbedarf im frei fließenden Gewässer den geringsten ökologischen Flächenverbrauch verursacht.

* Unerwähnt bleibt, dass ausweislich einer Studie des IFEU-Instituts der Kohlendioxidausstoß beim Lkw 164, bei der Eisenbahn 48,1 und beim Binnenschiff nur 33,4 Gramm je Tonnenkilometer beträgt. Bei gleichem Energieaufwand beträgt die Transportweite für eine Gütertonne beim Binnenschiff 370 Kilometer, bei der Eisenbahn jedoch nur 300 Kilometer und beim Lkw sogar nur 100 Kilometer (Quelle: www.wsv.de).

* Durch nichts zu belegen und eindeutig falsch ist die in dem „Panorama“-Beitrag getroffene Aussage, dass Maßnahmen im Bereich der Wasserstraßeninfrastruktur „traditionell“ im Bundesverkehrswegeplan berücksichtigt werden, ohne dass sich ein verkehrlicher Bedarf darstellen ließe. Im Vergleich der Verkehrsträger entfallen auf die Binnenwasserstraßen mit Abstand die wenigsten Infrastrukturvorhaben. Diese wenigen Vorhaben wurden aufgrund wissenschaftlicher Nutzen-Kosten-Analysen untersucht und deshalb im Bundesverkehrswegeplan als vordringliche Maßnahmen qualifiziert.

* Nicht nachvollziehbar ist, warum „Panorama“ mit dem nach 70 Jahren Betriebszeit nun zu ersetzenden Schiffshebewerk Niederfinow und der Trogbrücke bei Magdeburg ausgerechnet zwei „Leuchtturmprojekte“ in Brandenburg und Sachsen-Anhalt aussucht, um vermeintliche Fehlinvestitionen des Bundes zu kritisieren. Die Trogbrücke trägt jährlich über 3 Mio. Tonnen und erreicht damit bereits heute annähernd die erst für 2015 prognostizierte Gütermenge. In Niederfinow werden über 5 Mio. Tonnen erwartet. 

Für den BDB ist nicht hinnehmbar, dass das Polit-Magazin „Panorama“ die Öffentlichkeit unsachlich und falsch über die Leistungsfähigkeit und das Potenzial des Verkehrsträgers Binnenschifffahrt informiert. Das von „Panorama“ gewählte Beispiel eines einzelnen Binnentankschiffs auf der Relation Hamburg – Berlin ist nicht geeignet, Fehlinvestitionen im Netz der Bundeswasserstraßen anzuprangern und ein Bild von der Leistungsfähigkeit dieses Verkehrsträgers zu zeichnen. Dies gilt erst recht für die ostdeutschen Wasserstraßen. Hier wurde in der Vergangenheit viel zu wenig investiert, mit der Folge, dass die Binnenschifffahrt ihr Potenzial dort noch nicht vollständig entfalten konnte. 

Auf deutschen Wasserstraßen wurden nach amtlichen Schätzungen im vergangenen Jahr über 243 Mio. Tonnen Güter transportiert – das beste Ergebnis seit 1991. Von Häfen und Binnenschifffahrt sind in Deutschland nach einer Studie rund 400.000 Arbeitsplätze abhängig.

Bundesverband der Deutschen Binnenschiffahrt e.V.

Dammstraße 15-17

47119 Duisburg

Tel.:+49(0)203/80006-50 Fax:+49(0)203/80006-21

E-Mail: InfoBDB@Binnenschiff.de

 

Galerien

Historie und Gegenwart - Bildimpressionen von Matthias Pusch

Aktuelles

Neuigkeiten per RSS Button

Saaleinfo Newsletter

Redaktion © VHdS e.V.
Grafik, Layout © 2005-2018 atnexxt – Agentur für Design und E-Business, Webdesign in Halle (Saale)