Die Leiter der Wasserstraßenämter zu aktuellen Arbeiten, zur Perspektive der Schifffahrt und zum Elbe-Saale-Kanal

Dienstag, 12. August 2008, 15:28 Uhr

Die Leiter der Wasserstraßenämter zu aktuellen Arbeiten, zur Perspektive der Schifffahrt und zum Elbe-Saale-Kanal

Behördenchef: Bis 48 Zentimeter sinkt der Elbpegel nie wieder ab

Volksstimme.de 12.08.2008, von Karl-Heinz Kaiser 

Unterhalb der Hubrücke über die Stromelbe sind die Wasserbauer am Werk. Was hat es mit den Arbeiten auf sich, und was wird künftig auf den über zehn Kilometern Stadtstrecke und darüber hinaus gebaut. Karl-Heinz Kaiser sprach darüber mit Friedrich Koop. Leiter des Wasser- und Schifffahrtsamtes, sowie mit Henrik Täger, Leiter des Wasserstraßen-Neubauamtes.

Volksstimme: Arbeitsschiffe und Bauhandwerker auf der Ostseite des Elbufers. Was baut ihre Behörde?

Friedrich Koop: Auf etwa 220 Metern hat der Fluss unterhalb der Hubbrücke das Ufer beschädigt. Das ist auf die hohe Strömungsgeschwindigkeit im Domfelsenbereich zurückzuführen. Unsere Bautrupps bringen seit einiger Zeit ein neues Deckwerk ein, verlegen dazu die entsprechenden Granitquader. Die Stützpfähle aus Holz im Gewässer werden durch Betonpfähle ersetzt – wegen der längeren Haltbarkeit. In Kürze sind die Arbeiten beendet.

Volksstimme: Bauarbeiten in und an der Elbe sind immer von wachsamen Blicken von Naturschützern begleitet. Die Arbeiten sind abgestimmt?

Betreiben keinen Elbausbau

Friedrich Koop: Natürlich, und zwar mit den zuständigen Naturschutzbehörden sowie dem Biosphärenreservat. Das ist für uns Standard bei der Elbeunterhaltung.

Volksstimme: Erst kürzlich wurde Ihnen - in einem anderen Zusammenhang – illegaler Ausbau vorgeworfen?

Friedrich Koop: Das weise ich hier wie für alle Arbeiten an der Elbe vehement zurück. Wir betreiben keinen Elbausbau, das ist Postulat der Bundesregierung. Es gibt also auch keine Aktivität zu einer Flussverbreiterung im Domfelsenbereich. Wir sind als Wasser- und Schifffahrtsamt für die Unterhaltung des Flusses zuständig. Immer, wenn das wesentliche Veränderungen zur Folge hat, würden wir die Maßnahme an das Neubauamt übertragen. Von dort wird ein Planfeststellungsverfahren eingeleitet. Auch das ist fester Standard.

Blüte bei der Containerschifffahrt

Volksstimme: Wie weit ist die Flussunterhaltung auf der Magdeburger Flusstrecke vorangeschritten?

Friedrich Koop: Ziel ist, für die Schifffahrt wieder Verhältnisse wie vorm Jahrhunderthochwasser 2002 zu erreichen. Das hatte auch in Magdeburg erhebliche Schäden hinterlassen. Aber inzwischen sind wir in der Stadtstrecke so gut wie durch mit den Reparaturen. Jährlich setzen wir immerhin rund vier Millionen Euro für die Gewässerunterhaltung im Amtsbereich und damit für die Verbesserung der Schifffahrt ein. Ein großer Teil wurde in Magdeburg verbaut.

Volksstimme: Wie stellt sich heute die Strecke für die Schifffahrt dar?

Friedrich Koop: Die Magdeburger Stadtstrecke gehört zur Elbestrecke 5. Zusammen mit der Strecke 6 verbindet sie die Saalemündung mit dem Kanalnetz am Wasserstrassenkreuz Magdeburg. Die Strecke 5 – übrigens nur eine behördliche Aufteilung – und die Elbstrecke 6 sind am besten in Schuss. Hier können wir der Schifffahrt bis auf wenige Tage im Jahr eine Fahrrinnentiefe von mindestens 160 Zentimeter zur Verfügung stellen. Das sind die besten Werte in unserem Einzugsbereich. Ein großes Plus für die Schifffahrt

Volksstimme: Die soll das angeblich aber gar nicht nutzen ...

Friedrich Koop: Ich kann diese Behauptung, die immer wieder von Umweltaktivisten wiederholt wird, nicht akzeptieren. Verkehrsentwicklung und Prognosen belegen etwas anderes. So ist der Containertransport von Hamburg ins Binnenland zu neuer Blüte gewachsen. 2007 wurde eine Steigerung gegenüber 2006 um 128 Prozent erreicht. Ende Juli 2008 hatten wir bereits die Transportmenge des gesamten Jahres 2007 erreicht. Das bedeutet, dass gerade im dynamisch wachsenden Containerbereich die Eigenschaften der Elbe mit ihren großen Durchfahrtshöhen gute Voraussetzungen für kostengünstige Transporte bieten.

Henrik Täger: Wobei die Aktivitäten des Magdeburger Hafens um den bestmöglichen Anteil vom Container-Boom nicht hoch genug einzuschätzen ist. Die sich entwickelnde Hinterlanddrehscheibe für den Containertransport aus den Seehäfen ist wirtschaftlich mehr als erfolgversprechend. Unsere beiden Behörden wollen die bestmöglichen Bedingungen für die Schifffahrt schaffen. Der geplante Elbe-Saale-Kanal zwischen Calbe und Tornitz wird übrigens auch dem Magdeburger Hafen nutzen.

Verfahren klären, ob richtig oder falsch

Volksstimme: Für den Kanal ist das Raumordnungsverfahren gestartet. Es gibt schon jetzt Widerstände und Vorwürfe der Nutzlosigkeit. Ist das so?

Henrik Täger: Ob all die Einwände zutreffen oder nicht, sollen ja das Raumordnungsverfahren bzw. Planfeststellungsverfahren ermitteln. Fakt ist, dass feststeht, dass der Kanal, der parallel zur Saale verläuft, den Grundwasserabfluss nicht merkbar beeinflussen wird. Die Hochwassersituation wird nicht tangiert. Das haben wir an rechnergestütztem Modell nachgewiesen.

Volksstimme: Aber die Martin-Luther-Universität hat eine Aussage getroffen, nach der die Wirtschaftlichkeit nicht gegeben sei. Was sagen Sie dazu?

Henrik Täger: Das renommierte PLANCO-Institut hat mit seinen Erfahrungen die Randbedingungen für die Wirtschaftlichkeit, wie Transportbedarf der Region, Struktur der Binnenschifffahrt, Kostenstrukturen der verschiedenen Verkehrsträger, Wasserverhältnisse an Saale und Elbe usw. erfasst und eine belastungsfähige Prognose erarbeitet. Ich bin erstaunt, dass das Institut der Martin-Luther-Universität ihre mit stark vereinfachten, z. T. falschen Annahmen erarbeitete Studie so beharrlich vertritt, obwohl ihr die fachlichen Defizite von PLANCO deutlich gemacht worden sind. PLANCO geht in der Prognose für das Jahr 2015 davon aus, das dann beladene Schiffe zwischen 600 und 1000 t transportieren. Die Uni Halle setzt dagegen, dass derzeit auf der Elbe durchschnittlich nur 317 t transportiert werden und bezieht dabei auch die nicht beladenen Schiffe mit ein. Das ist ein Vergleich zwischen Äpfeln und Birnen.

Volksstimme: Die Klimaprognosen gehen dahin, dass die Elbe immer flacher wird. Das wird auch Magdeburg treffen. Die derzeitige Situation spricht Bände.

Friedrich Koop: Die Situation der letzten Tage ist der Binnenschifffahrt im Hochsommer nicht völlig neu. Sie stellt sich darauf ein. Die Containertransporte der deutschen Binnenreederei finden weiter statt. Institute sind dabei, die Informationen über den Klimawandel in eine Prognose über das Einzugsgebiet der Elbe einzuarbeiten. Sowohl das Potsdamer Institut für Klimaforschung als auch die Bundesanstalt für Gewässerkunde befürchten nicht, dass die Elbe austrocknet.
Ihre Erkenntnisse gehen dahin, dass das Wasserdargebot in unserem Einzugsbereich der Elbe im Jahresverlauf leicht steigend sein wird. Allerdings ist die Verteilung anders: Im Sommer wird die Elbe weniger, im Winter mehr Wasser haben. Containerschiffe, die wegen der Beladung der Behälter in Ubersee nie mit voller Abladetiefe fahren, haben bei 1, 40 Meter Tauchtiefe auch künftig gute Bedingungen. Übrigens: Das extremste Niedrigwasser in Magdeburg wurde 1934 mit einem Pegelstand von 48 Zentimetern gemessen, was einer Wassertiefe von 108 cm entspricht. Das wird es wegen der Wasserbauten in Tschechien und der Talsperren nie mehr geben.

Stromunterhaltung bleibt unverzichtbar

 

Volksstimme: Zur Unterhaltung der Elbe im Stadtbereich – die Deckwerkserneuerung ist die letzte auf dieser Strecke?

Friedrich Koop: Die größten Schäden sind, wie erwähnt beseitigt. Selbst Buhnen mit der größeren Schadensklasse 3 und 4 gibt es nicht mehr. Das heißt aber nicht, dass wir völlig auf die Stromunterhaltung verzichten können. Das ist eine ständige Aufgabe, um die Leichtigkeit und Sicherheit der Schifffahrt auf der Wasserstraße zu gewährleisten.

 


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