Lebhafte Diskussion zum Fachvortrag von Dr. Ernst Paul Dörfler in der Fachhochschule Bernburg am 7. Mai 2008

Freitag, 09. Mai 2008, 11:03 Uhr

Lebhafte Diskussion zum Fachvortrag von Dr. Ernst Paul Dörfler in der Fachhochschule Bernburg am 7. Mai 2008

PM des VHdS e.V.

Bernburg - Die studentische Naturschutzinitiative "WurzelWerk" hatte am 7. Mai 2008 zu dem Fachvortrag von Dr. Ernst Paul Dörfler vom Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) "Elbe-Saale-Kanal: Sinn oder Unsinn?" eingeladen.

Der Saal im ehemaligen Kloster von Bernburg war gut besucht, darunter überraschend von Vertretern Bernburger Unternehmen und dem Verein zur Hebung der Saaleschifffahrt.
Dr. Dörfler kündigte am Anfang an, als Naturwissenschaftler (er ist studierter Chemiker) es gewohnt zu sein, aufgestellte Thesen zu beweisen. Den Beweis, dass der angestrebte Bau des Saale-Kanals bei Tornitz nicht sinnvoll sei, blieb er am Ende der anschließenden und interessanten Diskussion den Zuhörern schuldig. Ebenso ließ sich seine These, dass die Wirtschaft sich vom Wasserweg verabschiedet habe, nicht halten.

Für die Studenten war es sichtlich befremdlich, dass die Vertreter aus der Wirtschaft zum Teil ungehalten auf die Behauptungen Dr. Dörflers reagierten. Insbesondere auf dessen These, dass auf der Elbe keine wirtschaftliche Binnenschifffahrt möglich sei und nur die die Deutsche Bahn eine sinnvolle Alternative zum Wasserweg biete.
"Wir sind der größte Massenkunde der Deutschen Bahn. Die sind dicht", so Dr. Andreas Leckzik, Werksleiter von esco Bernburg. Das bestätigte auch Dirk Lindemann, Geschäftsführer des Hafen Halle.

"Die Binnenschifffahrt wird an der Elbe scheitern", war ein weiteres Argument Dr. Dörflers. Dabei geht es nicht - wie von ihm dargelegt - um den Ausbau der Elbe, sondern um die Unterhaltung des Flusses. Jörg Weise vom Wasser- und Schifffahrtsamt Magdeburg, erläuterte, dass man bereits in den 1930iger Jahren den Plan, mit Staustufen die Elbe in der Region zu regulieren, aus landeskulturellen Gründen abgelehnt hat. "Warum sprechen Sie uns den grünen Gedanken ab ?", fragte Weise Dr. Dörfler.
Haltlos erwies sich auch die Behauptung, dass monotone Steinaufschüttungen zur Befestigung der Ufer der Saale gang und gebe seien. Ein junger Wasserbauer aus dem Publikum meldete sich daraufhin zu Wort. In seiner Ausbildung wurde er mit den neuesten und vor allem umweltverträglichen Maßnahmen konfrontiert, die zum Schutz des Flusses und der Fauna und Flora dienen.
"Sie versuchen Zahlen, die stimmen, anders zu interpretieren", meldete sich Ingo Klinder vom Bundesverband der Deutschen Binnenschifffahrt e. V. zu Wort. Dr. Dörfler erhebe einen wissenschaftlichen Anspruch, der nicht gegeben ist. "Als Doktor, der in der DDR studiert hat, haben Sie mich enttäuscht."

Manfred Sprinzek, Präsident des Verein zur Hebung der Saaleschifffahrt (VHdS), wies darauf hin, dass sich der von Dr. Dörfler behauptete 1,60 Meter Wasserstand der Elbe auf insgesamt maximal 20 Tage im Jahr beschränkt ist. An 345 Tagen im Jahr soll die Elbe unterhalb von Dresden nach Abschluss der Unterhaltungs- und Reparaturmaßnahmen an den Buhnen und Deckwerken bis zum Jahr 2010 mehr als 1,60 Meter Fahrrinnentiefe und ca. die Hälfte des Jahres 2,50 Meter Fahrrinnentiefe erreichen.Außerdem legte er die neuesten Zahlen zur Schifffahrt auf der Elbe vor, die 2007 ein Rekordjahr vorzuweisen hat: "Es geht auf aufwärts, Herr Dr. Dörfler!"

Erstaunt reagierten Bärbel Hamann und Beate Unger vom Wasserstraßenneubauamt Magdeburg auf die Forderung Dr. Dörflers, ein "strategisches Umweltgutachten" zum derzeit laufenden Raumordnungsverfahren (ROV) zur Prüfung des geplanten Saalekanals anzustreben. Und so mußte sich der engagierte Umweltschützer die Frage gefallen lassen, ob er die eingereichten Unterlagen zum ROV überhaupt kenne. Darin ist eine umweltverträgliche Untersuchung (UVU) enthalten, die einer genauesten Prüfung der Umweltverträglichkeit des geplanten Saalekanals standhalten mußte. Auf die Frage, was denn dieses "strategische Umweltgutachten" zum Inhalt habe, gab Dr. Dörfler die Frage hilfesuchend an die Zuhörer weiter. Der Erklärungsversuch aus dem Publikum war fachlich nicht fundiert.
Seit März läuft das ROV zum Saalekanal bei Tornitz, von Dr. Dörfler nach wie vor attackiert. Mit den ersten Ergebnissen wird Anfang September gerechnet.
Der BUND hat Anfang April die Einstellung des ROV gefordert.

Ansprechpartner:
Verein zur Hebung der Saaleschifffahrt
Tel.: 0345/2037664 und 0170 3389578
www.saaleverein.de

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