Besuch des Verkehrsausschusses des Deutschen Bundestages

Mittwoch, 21. März 2007, 21:57 Uhr

Besuch des Verkehrsausschusses des Deutschen Bundestages

Rede von Ingo Klinder Bundesverband der Deutschen Binnenschifffahrt

Sehr geehrte Damen und Herren Abgeordnete, 

im Namen des Bundesverbandes der Deutschen Binnenschifffahrt begrüßen wir Sie recht herzlich hier in Rothensee.

Wir freuen uns sehr, dass Sie nach Magdeburg gekommen sind, um sich persönlich ein Bild von der Situation vor Ort zu machen. Gern nutzen wir die Gelegenheit Ihnen die Lage aus Sicht der gewerblichen Binnenschifffahrt zu schildern. Ganz bewusst sagen wir der gewerblichen Binnenschifffahrt weil wir im Schiffshebewerk Rothensee keine Museumsanlage sehen sondern ein für unser Gewerbe wichtiges Verkehrsbauwerk. 

Binnenschifffahrt und Häfen verspüren deutlichen Rückenwind zu dem die Politik ein guten Teil beigetragen hat. Das hat den Schifffahrttreibenden Planungssicherheit gegeben und schlägt sich in den Investitionen unserer Mitglieder in die Modernisierung der eingesetzten Flotte ebenso nieder wie die seitens der Politik in die Infrastruktur geflossenen Mittel, um dem System Binnenschifffahrt und Häfen die Chance zu geben seinen Beitrag zur Bewältigung der Verkehrsprobleme zu leisten. 

Die Verkehrszahlen des Wasserstraßenkreuzes zeigen deutlich, dass die neuen Möglichkeiten zum Wohle der Region genutzt werden. Eine ganz wichtiger Part ist dabei die Verlässlichkeit des Transportwegs Binnenschifffahrt. Diese Verlässlichkeit hängt jeweils am schwächsten Glied einer Kette. Es können natürliche Einflüsse sein, mit dem Bau der Niedrigwasserschleuse im Abstiegkanal wird dieser Gefährdung gerade Rechnung getragen, es kann aber auch die Verfügbarkeit der Verkehrsbauwerke sein.  

Die Zuverlässigkeit des Systems ist zentrales Thema hier vor Ort. Unsere  Verlässlichkeit kann und soll nicht in Wartezeiten verloren gehen. Für die pünktliche Bedienung unsere Kunden ist der temporäre Parallelbetrieb von Sparschleuse und Hebewerk sowie die Verfügbarkeit des Hebewerks in Fällen von Havarien oder Reparaturausfällen der Sparschleuse unbedingt erforderlich.  

Aus den vorliegenden Verkehrszahlen ist zu erkennen, dass die Sparschleuse allein den Anforderungen in den Spitzenzeiten nicht gerecht werden kann. Damit meinen wir die schon jetzt erreichte Nachfrage nach Schleusenkapazität in den Sommermonaten. In der Saison ergibt sich eine erhebliche zusätzliche Nachfrage durch die Fahrgast- und Sportbootschifffahrt. Beides wollen wir nicht verdrängen, ganz im Gegenteil: Fahrgastschifffahrt und Sportbootschifffahrt haben sich zu einem wirtschaftlich wichtigen Faktor für die gesamte Region entwickelt.  Wir wissen jedoch auch, dass die Schleusungen für die Sportschifffahrt langsamer ablaufen müssen. Dies führt zu kostspieligen und unnötigen Wartezeiten. Vermeidbar durch die Nutzung des Hebewerks.  

Ganz aktuell ist die vor uns liegende Reparatursperre der Schleuse in Niegripp vom 30. Mai bis zum 11. Dezember des Jahres. Bedingt durch diese Sperre wird der gesamte Wechselverkehr zwischen der Elbe und dem Kanalsystem über Rothensee geführt werden. 

In der Hauptsaison der Fahrgast- und Sportschifffahrt muss das Hebewerk als Bypass mit einspringen, um den Verkehr zu entflechten. 

Ein großer Teil der Güterschifffahrt wird noch über längere Zeit mit Fahrzeugen, die das Hebewerk problemlos nutzen könnten, abgewickelt. Andere Einheiten könnten im Falle geplanter Schleusenreparaturen die veränderten Parameter in der Abladung berücksichtigen und ebenfalls das Hebewerk nutzen.

Revisionssperre der Trogbrücke über die Elbe bevor, so dass der komplette West-Ost Verkehr über die Schleusen und die Elbe geführt werden muss.

Für die genannten Sperrzeiten der Schleusen Niegripp und Hohenwarthe könnte deren Personal am Schiffshebewerk eingesetzt werden, so dass keine zusätzlichen Personalkosten entstehen würden.

Die aus dem Betrieb des Schiffshebewerkes resultierende Energieersparnis möchten wir an dieser Stelle gar nicht erst einfließen lassen – nicht zuletzt dank des schon angesprochenen politischen Rückenwindes sollte jedem bewusst sein, dass Binnenschifffahrt praktizierter Klimaschutz ist.

Gerade die Fahrgastschifffahrt ist ein wichtiger Faktor zur Verbreitung dieser Erkenntnis. Die Bürger gewinnen an Bord der Schiffe einen Eindruck davon was sich auf den Wasserstraßen tut,  spielt sich Binnenschifffahrt doch sonst mehr lautlos und abseits ab.   

Zu Ihrer Information haben wir die Schleusungszahlen schriftlich zusammengestellt, um Sie jetzt nicht mit Zahlen zu langweilen und Eventualszenarien aufzubauen. Unser Ziel ist es Ihnen mitzuteilen, dass man funktionierende Verkehrswege nicht aufgeben kann und darf. Ein stillgelegtes Museumshebewerk ist auf die Dauer keine Attraktion. Eine alte, aber weltweit einmalige technische Leistung im Nutzbetrieb nicht nur zu sehen sondern erfahren zu können, ist etwas lebendiges.

Wir fordern deshalb nicht mehr und nicht weniger als eine lebenserhaltende Maßnahme durch den temporären Weiterbetrieb des Hebewerks. Die positiven Auswirkungen sind folgende: 

- Die Fahrgastschifffahrt generiert mit dem  Angebot der großen Acht            einschließlich der Hebewerkspassage zusätzlichen Tourismus.

- Der Sportschifffahrt wird ein bequemer Wechsel aus dem Kanalsyste zur Elbe  und umgekehrt ermöglicht.  

- Die Güterschifffahrt steht der regionalen Wirtschaft wieder verlässlich            zur Verfügung. 

Niemand wird später für eine Schließung und endgültige Stilllegung des Hebewerks Verständnis aufbringen. Handeln Sie bitte jetzt bevor es zu spät ist.

Im Jahre 2007wird vom 30. Mai bis 11. Dezember die Schleuse Niegripp gesperrt,

wobei ein Großteil der dort passierenden Fahrzeuge dann über Rothensee fahren muss: (in 2006  1.455 Güterschiffe, 5.711 Fahrzeuge gesamt), wodurch in der Saison durch Fahrgastschiffe und Sportfahrzeuge ein die Kapazität der Schleuse überschreitender Schleusenrang zwischen etwa 09.00 und 17.00 Uhr entstehen wird, wodurch Fahrgast und Güterschiffe zu langen Wartezeiten gezwungen werden und die Sportboote noch weit mehr zurückgestellt werden sollen.

Im Jahre  2008 soll  von etwa April bis Juli für 3 Monate die Trogbrücke und die Doppelschleuse Hohenwarthe gesperrt werden, Trockenlegung zur Endabnahme nach 5 Jahren Betrieb. 

Dann müssen alle die sonst die Kanalbrücke und Schleuse Hohenwarthe benutzenden Fahrzeuge(7.300 Güterschiffe, 12.512 Fahrzeuge ges.) die Schleuse Rothensee zusätzlich passieren, was mehr als eine Verdoppelung der Durchgangszahlen in Rothensee bedeutet (2006:  5.425 Güterschiffe, 7.558 Fahrzeuge ges. und die wegen der Sperre der Schleuse nach 5 Jahren Betriebszeit durch das Schiffshebewerk gegangenen 1.056 Güterschiffe, 2.173 Fahrzeuge ges.). Auf die Sperrmonate bezogen, welche wiederum in der Saison liegen und damit mehr als durchschnittlichen Verkehr bringen, bedeutet das sogar eine Kapazitätsüberschreitung an deutlich mehr als zwei Schichten pro Tag.

Wegen der notwendig langsameren Schleusenzeiten, sofern Sportboote mitgeschleust werden, sollen diese sogar weit im Rang zurückgestellt und gesammelt werden. 

Wenn die erwarteten Durchgangszahlen zurückgerechnet werden, ist die Überforderung der Schleusenkapazität offensichtlich:

Durchgangszahlen in 2006:

Bauwerk:                        Güterschiffe     Fahrgastschiffe     Fahrzeuge ges.

 

Schleuse Rothensee           5.425                  414                     7.558

Schiffshebewerk Roth.        1.056                  275                     2.173

Doppelschl. Hohenwarthe   7.300                  994                   12.512

                                           

                gesamt in 2006: 13.781               1.683                   22.243

   geteilt durch 12 Monate:   1.148                  140                    1.854    pro Monat,

 

wobei Fahrgastschiffe und Sportboote im Sperrzeitraum mehr als doppelt so häufig anstehen, da sie im Winterhalbjahr nur sehr wenig und außerdem in der Saison nur am Tage verkehren. Daneben ist noch mit einer Steigerung des Schiffsverkehres zu rechnen.

Alle Zahlen sind von der WSD Ost übernommen. 

Geplante Sperren sind das Eine, unvorhersehbare nach Havarien an Schiff, Wasserbauwerk oder Kanal sind daneben nicht auszuschließen, wie uns die Havariesperren des DEK in 2005 und 2006 bewiesen haben.

Die Bypassfunktion des SHW Rothensee muss für Spitzenzeiten und Havarien unbedingt erhalten werden.

Die (sehr verringerten) Prognosen für 2015 gehen noch davon aus, dass für die Schleuse Rothensee die Durchlassfähigkeit überschritten wird. Im Planfeststellungs-beschluss für das Wasserstraßenkreuz und die Schleuse Rothensee wurde der Weiterbetrieb des Schiffshebewerkeswohl auch deshalb zugesichert.

Es ist noch kein weiteres Bauwerk geplant und, da nicht planfestgestellt und ohne gesichertes Gelände, auch bis dahin nicht realisierbar. Das intakte Schiffshebewerk könnte die sicher zu erwartenden Spitzen auch dann noch abbauen, wenn es bis dahin vernünftig, nur einschichtig und in der Saison, aber betriebsbereit im Einsatz bleibt.

Das Schleuse Rothensee benötigt pro Umlauf (Berg- und Talschütze) etwa 40 x mehr Energie als das Schiffshebewerk. Obwohl eine Sparschleuse, müssen doch 2/5 des Schleusenwassers wieder in die obere Haltung zurückgepumpt werden, da diese keine natürlichen Zuflüsse hat. Wenn Energie effizient eingesetzt werden soll, muss jedes Schiff, welches das Schiffshebewerk benutzen kann, auch dort geschützt werden, sofern es nicht mit einem einzelnen größeren Schiff durch die Schleuse gehen kann!

Unter dem Aspekt, dass während der Sperre der Schleuse Niegripp das gesamte Verlustwasser des Elbe –Havel –Kanals (Schleuse Zerben, bei sehr niedrigen Wasserständen auch der Schleuse Wusterwitz) in Magdeburg Rothensee in den Mittellandkanal gehoben werden muss, ist der erforderliche Energieeinsatz sehr hoch und kann nur sehr bedingt erreicht werden. Die von uns bereits bei Vorstellung des Projektes 17 angemahnte Pumpanlage an der Schleuse Niegripp wurde erst sehr verspätet als notwendig erachtet und ist zur Sperrzeit noch nicht betriebsbereit. Auch deshalb muss in Rothensee jedes Schiff, welches das Schiffshebewerk benutzen kann, ohne Verlustwasser dort geschützt werden.

Ingo Klinder,

Bezirksausschuss nordostdeutscher Wasserstrassen des Bundesverbandes der Deutschen Binnenschifffahrt

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