Binnenschiffe könnten mehr Container transportieren

Mittwoch, 22. Oktober 2008, 22:11 Uhr

Binnenschiffe könnten mehr Container transportieren

Günstige Wasserstände sorgen für gute Geschäfte - Verband fordert Ausbau der Oberelbe

WELT ONLINE Von Peter Zerbe 21. Oktober 2008

Günstige Wasserstände sorgen für gute Geschäfte - Verband fordert Ausbau der Oberelbe

Für die Binnenschifffahrt war das Jahr 2007 das bisher zweitbeste beim Gütertransport auf den deutschen Binnenwasserstraßen. Wie aus dem zum Wochenende vorgelegten Geschäftsbericht des Bundesverbandes der Deutschen Binnenschifffahrt (BDB) hervorgeht, wurden im Vorjahr gut 249 Millionen Tonnen auf den Wasserstraßen transportiert. Das waren 2,3 Prozent mehr als im Jahr zuvor. Bis Ende 2008 erwartet der BDB 250,9 Millionen Tonnen auf dem fast 7500 Kilometer langen Netz der Bundeswasserstraßen. Im ersten Quartal meldete der Verband ein Plus von 1,5 Prozent zum Vorjahr.

Die positive Entwicklung habe sich in den ersten Monaten des Jahres 2008 fortgesetzt, teilt der Verband mit. Von den auf den deutschen Wasserwegen transportierten Gütern wurden im Vorjahr aber nur 84,1 Millionen Tonnen mit der rund 2500 Schiffe, Schlepper und Leichter zählenden Binnenflotte unter deutscher Flagge abgefahren. Das waren 2,5 Prozent mehr als 2006.

Nach Angaben des BDB haben die Wasserstände von Elbe, Donau und Rhein einen wichtigen Beitrag zur Entwicklung geleistet. Die Statistik für den Rhein zeige, dass das Jahr 2007 nach vier Perioden mit eher schlechter Wasserführung als ein Jahr mit überdurchschnittlichen Wasserständen eingestuft werden kann. Auch in den ersten zehn Monaten dieses Jahres sei die Wasserstandsentwicklung "durchaus zufriedenstellend".

Der Containertransport mit Binnenschiffen hat im Jahr 2007 wieder Fahrt aufgenommen. Insgesamt wurden 2,13 Millionen der 20 Fuß langen Standardcontainer, sogenannte TEU (Twenty-Foot-Equivalent-Units), befördert. Das entspricht einem Anstieg um 2,4 Prozent.

Mit dieser Zuwachsrate blieb die Containerbinnenschifffahrt immer noch unter der von Experten vorausgesagten möglichen Brandbreite von fünf bis zehn Prozent pro Jahr. Die BDB-Experten führen dies vor allem auf die nachrangige Behandlung von Binnenschiffen in den Seehäfen zurück. "Verspätungen bis zu 72 Stunden hatten die Verlässlichkeit der Binnenschifffahrt in diesem Marktsegment in den Augen einiger Verlader infrage gestellt und letztlich zu Mengenverlusten geführt", heißt es in dem Jahresbericht. Noch immer würden die Binnencontainerschiffe in den Seehäfen nicht fair behandelt. Der Containertransport könnte für die Branche eine viel größere Rolle spielen, so der Verband.

Nach wie vor entfallen rund 85 Prozent aller in Deutschland auf Binnenschiffe geladenen Blechboxen auf die Wasserstraße Rhein. Das Elbstromgebiet habe einen Anteil von sechs Prozent und das Wesergebiet von fünf Prozent. Auf den Mittellandkanal und das westdeutsche Kanalgebiet entfallen jeweils drei Prozent.

Doch wie jeder andere Verkehrsträger sei die Binnenschifffahrt auf eine gut ausgebaute Infrastruktur angewiesen. So seien auf der Elbe sprunghafte Transportleistungen zu erzielen, wenn die Wasserstandsentwicklung dies zuließe. Damit spricht der Verband den bei Beginn des Zweiten Weltkriegs eingestellten Ausbau der Oberelbe an, der bis heute nicht wieder aufgenommen worden ist. Demnach wäre es möglich, allein durch den Bau von Buhnen die Fließgeschwindigkeit der Elbe zu verringern und damit das Wasser zu stauen, was einen Pegelanstieg zur Folge hätte. In den Abschnitten zwischen den Buhnen würden gleichzeitig Rückzugsgebiete für Fauna und Flora entstehen. Allerdings sind Umwelt- und Naturschützer gegen eine Vertiefung der Oberelbe.

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