Binnenschifffahrt erschließt neue Potentiale

Donnerstag, 11. Oktober 2007, 21:55 Uhr

Binnenschifffahrt erschließt neue Potentiale

Pressemitteilung - Annette Faße, MdB

Binnenschifffahrt erschließt neue Potentiale

Berlin, 10. Oktober 2007 - Die deutsche Binnenschifffahrt profitiert
zunehmend von dem wachsenden Güterverkehr. Gleichzeitig können noch
große Potentiale erschlossen werden, so lautete das Fazit der gestrigen
Veranstaltung, die die Parlamentariergruppe Binnenschifffahrt des
Deutschen Bundestages gemeinsam mit dem Deutschen Verkehrsforum in
Berlin durchführte.

Rund 100 hochrangige Vertreter der deutschen Binnenund Seeschifffahrt nahmen teil und setzten sich mit den Entwicklungsmöglichkeiten der Binnenschifffahrt angesichts des Güterbooms in den Seehäfen auseinander.„Die Zukunft des Güterverkehrs wird maßgeblich von zwei Einflussfaktorenbestimmt: dem steigenden Verkehrsaufkommen sowie der Herausforderung, den Güterverkehr so zu optimieren, dass keine Schäden für Umwelt undKlima dabei entstehen“, betonte Annette Faße MdB in ihrer Begrüßung.

Die SPD Sprecherin der Parlamentarischen Gruppe Binnenschifffahrt undtourismuspolitische Sprecherin der SPD-Bundestagsfraktion hebt hervor:„Wir brauchen innovative Konzepte, wie die Binnenschifffahrt von denwachsenden Gütermengen profitieren kann.“Das Transportaufkommen wachse bis 2025 um das 1,5 fache. Der Anstieg desglobalen Handels mit der Containerisierung als Triebfeder habe denUmschlag in den deutschen Seehäfen erheblich erhöht. 2006 habe diedeutsche Hafenwirtschaft erstmals über 300 Mio. t Güter umgeschlagen.Bis 2010 werde das Aufkommen durchschnittlich um 5% wachsen, erläuterte Heinrich Ahlers vom Zentralverband der deutschen Seehäfen e.V.„Die deutsche Hafenwirtschaft wird bis 2012 über 3 Mrd. € in den Ausbauvon Terminals investieren, die Küstenländer bauen ihre Hafeninfrastruktur aus und der Bund investiert über 5 Mrd. € in die land- und seewärtigen Anbindungen. Dies stellt eine große Chance für die Binnenschifffahrt dar, ihre Kapazitätsreserven einzusetzen. Besonders im Containertransport kann die Binnenschifffahrt noch zulegen, in diesem Bereich ist der Anteil der Binnenschiffe mit 1,7% noch eher gering“,betonte Ahlers.Als entscheidend für die zukünftige Entwicklung der Binnenschifffahrt bezeichnete das Präsidiumsmitglied des Seehafenverbandes den Ausbau derWasserwege, um die Wasserstände auf den Flüssen für die Binnenschifffahrt stabil zu halten. Erst dann sei der ganzjährige Transport machbar, welcher für das Transportgewerbe entscheidend sei. Ahlers begrüßte die Aufnahme des Ausbaus der Mittelweser in denInvestitionsrahmenplan bis 2010, da diese Maßnahme den Einsatz vonGroßmotorgüterschiffen ab 2010 ermögliche, deren Einsatz ebenfalls aufdem Elbe-Weser-Kanal wie auf der Nordstrecke des Dortmund-Ems-Kanalsermöglicht werden müsse.Ahlers lobte die Planung von Hinterlandhubs im Masterplan Güterverkehrsder Bundesregierung. Ebenso lobte er den versuchsweisen Einsatz mehrlagiger Containertransporte auf ausgewählten Wasserstraßen, um dieWettbewerbsfähigkeit der Binnenschifffahrt zu erhöhen. Gleichzeitig sei es notwendig, dass die Seehäfen ihre Liegeplätze für Binnenschiffe ausbauen, neue Konzepte werden in enger Zusammenarbeit der Binnen- und Seehäfen erarbeitet.

Dr. Bender, Präsident des Bundesverbandes Öffentlicher Binnenhäfenbetonte die Verbundenheit der öffentlichen Häfen mit der regionalen Wirtschaft, die gemeinsam einen hohen Anteil an der Wirtschaftskraft und Beschäftigungswirkung erzeugten.Die Binnenhäfen haben sich zu hochqualifizierten Plattformen für multimodale Logistik entwickelt, welche die flexible Nutzung aller Verkehrsträger ermöglichten.Die Binnenhäfen seien gut darauf vorbereitet, die Seehäfen als Hinterlandhubs zu unterstützen. Die zukünftige Rolle der Binnenhäfen sei die der Warenverteilzentren, von wo wachsende Verkehrsströme kanalisiert werden können, um Engpässe zu vermeiden unterstrich Bender.Voraussetzung hierfür sei die Verfügbarkeit von Flächen, der Neubau vonTerminals und Umschlageinrichtungen als auch eine moderne EDV-gestütztelogistische Steuerung. Von der Politik erwarte man finanzielle Unterstützung, da die kommunalen Eigentümer die notwendigen Maßnahmen allein nicht finanzieren könnten. Die Einbeziehung privater Kapitalgeber sei ebenfalls denkbar.Erfreulich sei das wachsende Bewusstsein in Europa für die Binnenschifffahrt. Deutlich zeige sich dies an EU Programmen wie „Naiades“, welches sich mit der Integration der Binnenschifffahrt in Transportketten befasse. Zum Schluss mahnte Bender, die Binnenhäfen nicht durch die Einschränkung der Flächen für die Umnutzung in Büro- und Wohnzwecke zu gefährden.

 

Der Präsident des Bundesverbandes der Deutschen Binnenschifffahrt e.V.,Dr. Gunther Jägers, unterstrich, dass die Binnenschifffahrt ihre Potentiale bereits zunehmend nutze. 2006 erreichte sie ein Wachstum von 3 %, damit seien aber die Grenzen noch lange nicht erreicht.Die Vorteile der Binnenschifffahrt seien offensichtlich, sie stelle ein zuverlässiges und sicheres Verkehrsmittel dar. Im letzten Jahr habe die Binnenschifffahrt in Deutschland 250 Mio. t Güter transportiert, 80% der Transportleistung habe man auf dem Rhein erwirtschaftet. Dr. Jägers hob die Bedeutung des Umweltschutzes hervor und erklärte den Einbau von Partikelfiltern auf jedem Schiff zum Ziel der kommenden Jahre. Die Politik erkenne die Bedeutung der Binnenschifffahrt, das erhöhte Investitionsbudget im Haushalt der Bundesregierung könne dennoch nur ein Anfang sein. Auch sei die personelle Ausstattung des Bundes von großer Bedeutung, um die Investitionsmittel umzusetzen. Den Klimawandel nehme er als Risikofaktor sehr ernst, dieser könne enorme Kosten für uns verursachen. Es sei daher von eminenter Bedeutung, modernste Erkenntnisse des Wasserbaus einzusetzen, um die Schiffbarkeit der Wasserstraßen mit dem Erhalt der Landschaften und der Ökologie zu verbinden. Die sei machbar und nur so könne die Binnenschifffahrt ihre volle Wirkung als Entlastungsfaktor für die Straße entfalten bekräftigte Jägers.

Staatssekretär Jörg Hennerkes vom Bundesministerium für Verkehr, Bauund Stadtentwicklung betonte die Bedeutung der Logistik alsSpitzenwirtschaftszweig. 95% der weltweiten Gütertransporte würden überdie Seehäfen abgewickelt. Hennerkes unterstrich die Bedeutung des Ausbaus seewärtiger Zufahrten wie in Bremerhaven und Hamburg.Er bestätigte die Bedeutung von gut ausgebildetem Personal. Als einenwichtigen Faktor zur Steigerung der Effizienz sah er das Hafenkonzeptdes Masterplans an und kündigte erhöhte Finanzmittel für den kombinierten Verkehr an sowie Fördermaßnahmen im Kurzstreckenseeverkehr.„Ich halte den Weg der Verkehrsverlagerung auf die nassen Verkehrsträgerfür wichtig und bin überzeugt, dass unsere steuerlichen Maßnahmen und Förderprogramm dazu beitragen, den Kauf und die notwendige Modernisierung der Schiffe maßgeblich zu erleichtern,“ hob der Staatssekretär hervor. Ebenso fördere die Bundesregierung den Nachwuchs durch einen jährlichen Ausbildungszuschuss von insgesamt 2,5 Mio. €.Hennerkes schloss seinen Beitrag mit dem Hinweis auf laufendeForschungsprogramme beispielsweise zu innovativen Seehafentechnologien,welche die Entwicklung innovativer Lösungen ermögliche.In der anschließenden Diskussion betonten die Teilnehmer die Notwendigkeit des naturverträglichen Ausbaus der Wasserstraßen als auch die geplante Modernisierung der Schiffe. Entscheidend sei dabei die Unterstützung des Bundes, um den Schiffseignern größere Investitionen zu erleichtern. Insgesamt sei man gut aufgestellt, um die kommenden Gütermengen zu bewältigen

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