Binnenschifffahrt im Hamburger Hafen hat Zukunft

Mittwoch, 17. Juni 2009, 17:21 Uhr

Binnenschifffahrt im Hamburger Hafen hat Zukunft

Senator Gedaschko: „Das Binnenschiff hat als nachhaltigster Verkehrsträger gute Chancen, künftig stärker genutzt zu werden.“

Behörde für Wirtschaft und Arbeit     17.06.2009

Ein von der Behörde für Wirtschaft und Arbeit in Auftrag gegebenes Gutachten der Firma UNICONSULT Universal Transport Consulting GmbH räumt der Binnenschifffahrt im Hamburger Hafen gute Zukunftschancen ein. Insbesondere für den Containerverkehr ist es laut Gutachten möglich, bis zu fünf Prozent aller ins Hinterland transportierten Container per Binnenschiff zu befördern.

Wirtschaftssenator Axel Gedaschko: „Mit der Binnenschiff-Studie von UNICONSULT wollen wir einen Impuls geben, um die Nutzung des Wasserwegs im Hafen und im Hinterland nachhaltig voran zu bringen. Dazu müssen wir das Gesamtsystem vom Seehafen über die Wasserwege leistungsstärker machen. Wir haben Handlungsansätze wie logistische Konzepte, neue Schiffe oder Maßnahmen in Binnenhäfen identifiziert, die jetzt in einem Arbeitskreis der Logistik-Initiative Hamburg weiter verfolgt werden.“

2008 lag der Anteil des Binnenschiffs im Hinterlandverkehr des Hamburger Hafens bei rund zwei Prozent. Basierend auf der gültigen Umschlagprognose für den Hafen und einer Steigerung des Binnenschiffsanteils im Modal Split bedeutet dies in absoluten Zahlen eine Steigerung von 120.000 im Jahr 2008 auf perspektivisch etwa 500.000 TEU. Die Belastung von Straße und der Schiene wird angesichts der mittel- und langfristig weiterhin erwarteten Umschlagmengen stark steigen. Die Wasserstraße verfügt noch über Kapazitätsreserven, die ausgeschöpft werden sollten. Zudem ist das Binnenschiff das umweltverträglichste Verkehrsmittel. Es hat die gleiche Tragkraft wie 105 LKW. Für eine Stärkung nachhaltiger Transporte ist das Binnenschiff deshalb von zentraler Bedeutung.

Senator Axel Gedaschko: „Gerade mit Blick auf das erklärte Ziel des Hamburger Senats, den Klima- und Umweltschutz zu fördern, muss das Binnenschiff als der gleichermaßen ökonomisch, ökologisch und auch unter Sicherheitsaspekten optimale Verkehrsträger wesentlich stärker als bisher in die Transportketten einbezogen werden.“

Die Studie untergliedert sich in eine zweiteilige Bestandsaufnahme, die neben einer Analyse des wirtschaftlichen, technischen und rechtlich/organisatorischen Ist-Zustands auch einen „Best-Practice-Vergleich“ mit anderen Seehäfen hinsichtlich ihrer binnenschiffsrelevanten Erfolgsfaktoren umfasst.

Die wesentlichsten Empfehlungen der Studie:

  1. „Entmischung“ von See- und Binnenschiffsumschlag: Der Einsatz von Seeschiff-brücken an Binnenschiffen ist teuer und aus technischen Gründen problematisch. Vorgeschlagen wird deswegen eine „Entmischung“ verbesserte Organisation, den Einsatz von mobilem Umschlaggerät und langfristig der Ausweisung spezieller Binnenschiffsliegeplätze im unmittelbaren Umfeld der Seeterminals.
  2. Schaffung von neuem Schiffsraum: Teilweise sind die eingesetzten Binnenschiffe stark überaltert. Zudem sind für das mögliche Transportvolumen von 500.000 TEU auch zusätzliche Schiffseinheiten nötig, die u.a. durch stärkere Einbindung der Verlader oder spezifische Investitionsprogramme realisiert werden könnten. Wichtig wäre die Förderung effizienter und umweltverträglicher Innovationen.
  3. Sicherstellung leistungsfähiger Wasserstraßen: Die Zuverlässigkeit binnenschiff-basierter Logistikketten sollte – unter weitgehendem Ausschluss von Risiken wie Niedrig-/Hochwasserständen, Eisgang oder defekten Schleusen – gewährleistet sein. Infrastrukturprojekte wie die Anbindung von Berlin sind von Bedeutung, da sie die potenziellen Märkte für die Binnenschifffahrt im Hinterland des Hamburger Hafens erweitern. So muss insbesondere über eine Leistungssteigerung des mittlerweile 35 Jahre alten Schiffshebewerks Scharnebeck nachgedacht werden.
  4. Optimierung von Logistikprozessen und Aufbau neuer Verteilzentren: Der Anstieg der per Binnenschiff transportierten Güter setzt eine entsprechende Nachfrage voraus. Dies kann durch die Erschließung neuer Märkte und Kundenkreise erreicht werden (z.B. durch die Schaffung integrierter Binnenschiffslogistikangebote, die über den reinen Transport hinausgehen) sowie durch Entwicklungen in der Seehafenlogistik wie z.B. Etablierung von „Hinterland Gateways“ als „Satellitenstandorte“ der Seehäfen.
  5. Gestaltung eines unterstützenden ordnungspolitischen Rahmens: Die  Binnen-schifffahrt darf hinsichtlich der Rahmenbedingungen aus administrativer Sicht nicht schlechter gestellt sein, als Bahn- und Straßenverkehr. Wichtigster Punkt ist die Entwicklung einer neuen KV-Förderrichtlinie, die Kranungen in Seehäfen von und auf Binnenschiffe fördert. So könnte aus Kostensicht eine Gleichstellung von Binnenschiff und Bahn erreicht werden, was für die Wettbewerbsfähigkeit des Binnenschiffs von zentraler Bedeutung wäre.

Senator Axel Gedaschko: „Das Gutachten zeigt, welche Chancen das Binnenschiff als nachhaltigster Verkehrsträger hat. Nun gilt es die in der Studie aufgezeigten Herausforderungen in enger Kooperation mit den Binnenreedereien, den Binnenhäfen und den Akteuren im Hafen Hamburg konsequent zu bewältigen.“

 Die nächste Etappe ist nun, Umsetzungsmöglichkeiten der beschriebenen Vorschläge im engen Dialog mit Praxisakteuren zu erarbeiten. Hierzu ist beabsichtigt, einen Arbeitskreis im Rahmen der Logistik-Initiative Hamburg zu etablieren. Zudem soll der enge Schulterschluss mit den Beteiligten im Elbstromgebiet gesucht werden.

Download der Studie:

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Historie und Gegenwart - Bildimpressionen von Matthias Pusch

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