Bis 2010 ist Elb-Fahrrinne durchgängig 1,60 Meter tief

Mittwoch, 07. Februar 2007, 11:24 Uhr

Bis 2010 ist Elb-Fahrrinne durchgängig 1,60 Meter tief

Wasser- und Schifffahrtsamt will Elbe als Binnenwasserstraße nachhaltig ertüchtigen aus: BEB, Dienstag, 6. Februar 2007

Von unserem Redakteur MATTHIAS BARTL

Roßlau/MZ. Wenn die Diskussion um die Elbe und ihren Zustand geht, dann wird Klaus Kautz vorsichtig. Das ist schon fast ein Automatismus. Kein Wunder: Kautz ist Leiter des Wasser- und Schifffahrtsamtes (WSA) Dresden und in dieser Eigenschaft faktisch für alles zuständig, was sich – technisch gesehen – auf der und um die Elbe herum abspielt. Im Amtsdeutsch: Die Aufgaben umfassen insbesondere die Erhaltung der Sicherheit und Leichtigkeit des Schiffsverkehrs sowie des ordnungsgemäßen Zustandes für den Wasserabfluss.

Differierende Interessen

Ein Job mit Undankbarkeitsgarantie: Binnenschiffer, Hafenbetreiber und Unternehmer mit Elb-Anbindung wollen den Fluss in einem Zustand sehen, der ihnen eine berechenbare ökonomische Nutzung garantiert. Umweltschützer und viele Touristikverantworliche sehen in der Elbe als letztem einigermaßen naturbelassenen Fluss in Mitteleuropa in allererster Linie ein Refugium für Tier und Pflanze, eine prächtige Spielwiese für Rad­Ausflügler und Wanderleute. Beide drücken auf die Politik. Und Kautz bekommt – immer wieder jedenfalls – die Prügel dafür, was die Politik macht oder unterlässt.

Auch auf der Bilanzpressekonferenz im Roßlauer Hafen durfte sich der Mann aus Elbflorenz ein paar Brocken anhören. Diesmal von Unternehmerseite. Dabei hätte Kautz dieses Mal durchaus Schulterklopfen erwarten können: Immerhin brachte er Botschaften mit, die den öknomisch determinierten Elb-Anrainern Hoffnung hätten machen sollen.

„Wir werden”, so die Botschaft des Technikers Kautz, „in den nächsten Jahren eine nachhaltige Modernisierung der Elbe als Binnenwasserstraße realisieren.” Das sei in den zurückliegenden Jahren nicht in dem Maße gelungen wie gewünscht. Die derzeitige Fahrrinnentiefe reiche nicht aus, bekräftigte Kautz eine von den Binnenschiffern schon immer vertretene Position. Deshalb sei es jetzt das Ziel, die Tiefe auf 1 ,60 Meter zu bekommen, „und zwar auf ganzer Länge.” Zumindest auf ganzer Länge des Abschnitts, den Kautz unter seinen Fittichen hat: von der tschechischen Grenze bis zur Saalemündung. Bei der angestrebten Fahrrinnentiefe sei es noch möglich, den Schiffsverkehr wirtschaftlich zu gestalten.

 

„Wir werden in den nächsten Jahren eine nachhaltige Modernisierung der Elbe als Binnenwasserstraße realisieren.”
KLAUS KAUTZ, LEITER DES WASSER- UND SCHIFFFAHRTSAMTES DRESDEN

 

Allerdings, sagte Kautz ausdrücklich, gehe es nicht um einen Ausbau der Elbe. Dafür gebe es keine politischen Mehrheiten. „Es handelt sich ausschließlich um Unterhaltungsmaßnahmen”, mit denen man dieses 1,60-Meter-Ziel erreichen will.

Termin dafür ist das Jahr 2010. Eine Jahreszahl, die den Glanz auf Unternehmeraugen schon wieder trübte – man hatte wohl mit schnellerer Realisierung gerechnet. Das aber funktioniert nicht so einfach, schon weil die Arbeiten mit verschiedenen Behörden abzustimmen sind, u.a. auch aus naturschutzfachlicher Hinsicht. Dem WSA stehen für die Umsetzung der Maßnahmen zwischen drei bis vier Millionen Euro pro Jahr zur Verfügung, rechnete Kautz vor. Das hört sich viel an, aber damit muss das Amt auch allerlei bezahlen.

Bagger gegen den Kies

Zum Beispiel die Reparaturvon ungefähr 70 defekten Buhnen allein zwischen Wittenberg und Barby – alles noch Auswirkungen des Hochwassers von 2002. Dazu kommen auf der Gesamtstrecke auch noch etwa drei Kilometer Deckwerke. Neben der Arbeit an Buhnen und Deckewerken will das Amt künftig auch verstärkt so genannte Kiesanhegerungen in der Elbe wegbaggern. Dafür wird in jedem der vier Außenbezirke des Amtes, die allesamt rund 70 Kilometer Strom betreuen, ein Bagger stationiert. Gearbeitet wird an den Anhegerungen vom 1. April bis 31. Dezember.

Die größere Fahrrinnentiefe wird freilich aus Sicht der Hafenbetreiber und Schiffer das Grundproblem nicht endgültig lösen: Die durchgängige Fahrt von Tschechien nach Hamburg mit Massengütern hängt weiterhin von der Befahrbarkeit von Nadelöhren, wie dem Magdeburger Domfelsen, ab. Und davon, wie viel Wasser die Elbe überhaupt führen wird. Stehen Mitteldeutschland wie angekündigt verstärkt trockene Sommer ins Haus, dann könnten auch 160 Zentimeter Fahrrinne letztlich nicht gar so viel nutzen.

Info: AMT FÜR DIE ELBE

Bundesbehörde

Das Wasser- und Schifffahrtsamt Dresden ist eine Behörde des Bundesministeriums für Verkehr, Bau­ und Stadtentwicklung und für die Elbe als Verkehrsweg mit ihren beiden Ufern auf 290,7 Kilometer Länge verantwortlich. Im Amt arbeiten 250 Mitarbeiter. Sie betreuen unter anderem 2154 Buhnen und 225 Kilometer Deck- und Leitwerke.

Der Aufgabenbereich ist territorial in vier Außenbezirke gegliedert – Dresden, Mühlberg, Torgau und Wittenberg. Der Wittenberger Bezirk umfasst in etwa 80 Elbkilometer bis zur Saalemündung bei Barby.

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