BUND fordert Ende der Planungen für Saalekanal

Mittwoch, 02. April 2008, 18:41 Uhr

BUND fordert Ende der Planungen für Saalekanal

Projekt ist mit Kosten von 80 Millionen Euro ökonomisch unsinnig - Flusslandschaft wird zerstört

mz-web.de, 02.04.08

Magdeburg/dpa. Der Bund für Umwelt und Naturschutz (BUND) hat ein Ende der Planungen für einen Schleusenkanal an der Mündung der Saale in die Elbe gefordert. Das auf 80 Millionen Euro veranschlagte Projekt sei ökonomisch unsinnig und zerstöre eine naturnahe Flusslandschaft, kritisierte der BUND-Vorsitzende Hubert Weiger am Mittwoch in Magdeburg. Schon jetzt sei absehbar, dass der 7,5 Kilometer lange Kanal die Schiffbarkeit der Saale nicht wie geplant verbessern würde. Wegen des Klimawandels und zunehmender Trockenheit führe die Elbe immer häufiger Niedrigwasser. Somit kämen größere Schiffe auch nicht in die Saale. Das Wasserstraßen-Neubauamt Magdeburg (WNA) wies die Kritik zurück und hält an seinen Bauplänen fest.

«Der Kanal ist eines der sinnlosesten Steuergeldvernichtungsprojekte, das jemals in Deutschland realisiert werden sollte», sagte Weiger. Inzwischen sei selbst der Wirtschaft klar, dass es einen wirtschaftlichen Güterverkehr auf Elbe und Saale nicht geben könne. Die Bundeswasserstraßenverwaltung ignoriere jedoch alle Fakten und treibe die Kanalplanung mit veralteten Prognosen über den Güterverkehr und «Tricksereien» sowie «Gefälligkeitsgutachten» voran. Hier würden Millionen verschleudert, während für einen ökologischen Hochwasserschutz, der dringend nötig sei, Geld fehle.

Sachsen-Anhalts Verkehrsminister Karl-Heinz Daehre (CDU) mahnte eine sachliche Debatte an. «Wir müssen wegkommen von ideologisch und emotional geprägten Betrachtungen hin zu einer objektiven Bewertung», sagte ein Sprecher der dpa. Das kürzlich eingeleitete Raumordnungs- und dann folgende weitere Verfahren seien der geeignete Weg zu prüfen, ob das Projekt sinnvoll und umweltgerecht umsetzbar sei.

WNA-Leiter Henrik Täger sagte der dpa, einige Aussagen des BUND seien unrichtig. Der Kanal helfe sehr wohl dabei, ganzjährig einen wirtschaftlichen Güterverkehr auf der Saale sicherzustellen. Die Güterverkehrsprognosen seien nicht wie vom BUND behauptet veraltet. Die Folgen des Klimawandels seien umstritten, es gebe dazu unterschiedliche Studien, niemand könne die Zukunft genau voraussagen. «Es gibt keinen Grund, die Planungen ad acta zu legen», sagte der Amtsleiter.

Nach Einschätzung des BUND ist der Kanal der erste Schritt, um auch die Elbe zugunsten besserer Schiffbarkeit zu kanalisieren. «Die Saale soll ganzjährig auf eine Fahrrinnentiefe von 2,50 Meter gebracht werden, die Elbe hat im Durchschnitt 1,50 Meter», sagte BUND-Flussexperte Ernst Paul Dörfler. «Da wird die Verwaltung später sagen, auch der Engpass in der Elbe müsse beseitigt werden.» Dort habe der Güterverkehr seinen Höhepunkt 1913 mit 18 Millionen Tonnen erreicht, heute seien es jährlich gerade mal eine Million Tonnen. Laut Täger ist nicht geplant, als nächsten Schritt nach dem Kanal die Elbe auszubauen. «Die Fahrwasserverhältnisse in der Elbe entsprechen denen in der Saale.»

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Historie und Gegenwart - Bildimpressionen von Matthias Pusch

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