Bund will Elster-Saale-Kanal abgeben - Schlechte Chancen für Ausbau

Sonntag, 03. Februar 2008, 12:41 Uhr

Bund will Elster-Saale-Kanal abgeben - Schlechte Chancen für Ausbau

LVZ-Online vom: Freitag, 1. Februar 2008

Leipzig. Mit dem Paddelboot von Leipzig über die Saale weiter auf der Elbe nach Hamburg - der Traum vieler Hobbykapitäne rückt in immer weitere Ferne. Der Elster-Saale-Kanal spielt in den Investitionsplanungen des Bundes keine Rolle mehr. Das ergab eine Kleine Anfrage des sächsischen Bundestagsabgeordneten Bündnis 90/Grüne, Peter Hettlich. Der Parlamentarier wollte wissen, welche Bundeswasserstraßen an die Länder abgegeben werden sollen. In einem der Antwort durch das Bundesverkehrsministerium beigefügten Katalog, der bundesweit 192 zur Veräußerung stehende Gewässer aufzählt, taucht an letzter Stelle die Verbindung vor den Toren der Messestadt auf.

"Wir erhalten nur noch den derzeitigen Zustand des Kanals mit wenig Aufwand", sagt Sven Ulbrich, Sprecher im Bundesverkehrsministerium. Für den Bund habe die Verbindung keine Bedeutung und solle deshalb abgestoßen werden. Als möglicher Erwerber komme nach dem Bundeswasserstraßengesetz aber nur das Land in Betracht.

Kein Interesse bei den Ländern

In Dresden sorgt das Angebot aus Berlin für wenig Begeisterung. "Für die Binnenschifffahrt spielt der Kanal keine Rolle", erklärt Martina Pirk, Sprecherin im Wirtschaftsministerium. Die Nachfrage für den Gütertransport sei dafür zu gering. Außerdem müsste die Strecke erst aufwendig ausgebaut werden. Die zwischen Leipzig und Leuna geplante rund 20 Kilometer lange Wasserstraße ist nur auf knapp zwölf Kilometern fertiggestellt worden. Ein Durchstich zum Lindenauer Hafen fehlt ebenso wie das zweite Teilstück auf dem Gebiet von Sachsen-Anhalt.

Eine touristische Nutzung ist dem Freistaat ebenfalls zu teuer. Der Kanal stehe nicht, wie die in der Lausitz vom Land übernommenen Wasserarme, im direkten Zusammenhang mit der Sanierung eines ehemaligen Braunkohletagebaus. Nur bei dieser Voraussetzung, so Pirk, fördert das Ministerium die weitere Erschließung.

Auch in Sachsen-Anhalt besteht keine Interesse, das zweite Teilstück bis zur Saale zu übernehmen, heißt es aus dem Verkehrsministerium in Magdeburg.

Hettlich lässt die Argumente nicht gelten. "Der Freistaat soll sich nicht sperren, sondern die Übertragung als Chance für die Regionalentwicklung sehen", meint er. Sachsen erhielte bei einer Übernahme eine Abstandszahlung vom Bund und könnte zusätzlich Födersummen in Berlin und bei der Europäischen Union in Brüssel beantragen.

Kleine Schritte in Leipzig

Im Leipziger Rathaus wird die Entwicklung aufmerksam verfolgt. "Unser Ziel bleibt ein kompletter Kanal", sagt Angelika Freifrau von Fritsch, Leiterin des Amtes für Umweltschutz. Dafür sei es egal, ob das Gewässer in den Händen des Landes oder des Bundes liege. Beim Geld sei der "Kampf der Gleiche". Am liebsten wäre von Fritsch ein privater Investor. Gemeldet habe sich noch kein Interessent bei ihr.

Sie setzt deshalb auf kleine Schritte. Bis Ende Juni sollen die Planungen für den Durchstich zwischen dem Karl-Heine-Kanal und dem Lindenauer Hafen vorliegen. Die Stadt hatte dafür den 820 000 Euro teuren Ankauf eines 2,3 Hektar großen Geländes rund um das Hafenbecken im vergangenen November genehmigt. Anfang 2009 sollen dort die Arbeiten beginnen.

Dieser Auftrag enthält auch eine neue Brücke über den Karl-Heine-Kanal, erläutert von Fritsch. „Wenn die Wasserverbindung steht, wird der Karl-Heine-Rad- und Fußweg natürlich bis zum Lindenauer Hafen verlängert.“ Um tausenden Grünauern eine bessere Anbindung zu verschaffen, müsse es auch eine weitere Querungsmöglichkeit am Wasserlauf – außer der Luisenbrücke im Zuge der Lützner Straße – geben. Die neue Brücke soll „zumindest für Fußgänger und Radfahrer nutzbar“ sein, so die Amtsleiterin.

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Historie und Gegenwart - Bildimpressionen von Matthias Pusch

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