Bürgerinitiative gegen Saalekanal gegründet

Mittwoch, 26. Januar 2005, 10:15 Uhr

Bürgerinitiative gegen Saalekanal gegründet

Volksstimme Magdeburg, 20.01.2005

Bund und Land planen einen Saale - Schleusenkanal über den Acker zu bauen Bürgerinitiative gegen Saalekanal gegründet

Tornitz - Werkleiz - Nachdem Mitte Dezember im Landesverwaltungsamt Halle die Antragskonferenz für den geplanten Bau des Saale -Schleusenkanals stattfand, gründete sich Dienstag Abend eine Bürgerinitiative in Tornitz. Ihr Name "Bürgerinitiative für die Kulturlandschaft im Elbe -Saale -Winkel"

Dass es ernst wird, seit einigen Tagen nicht mehr zu übersehen. An der Kreuzung "Handweiser" steht ein riesiges Plakat mitten auf dem Acker. Darauf steht: "80 Mio. Euro für einen Kanal? Nein!"

Regina Grube, Bürgermeisterin der Gemeinde und ihr Stellvertreter Eckard Henschel hatten einen kleinen Kreis von Bürgern zur Gründungsveranstaltung eingeladen. Überwiegend saßen Vertreter von ortsansässigen Unternehmen, Bürgermeister umliegender Orte und Landwirte am Tisch, die offenbar in erste Linie betroffen sind, wenn ein Saale - Seitenkanal gebaut werden sollte.

Aber nur "offenbar."

Karl Joachim Blume, Chef der Barbyer Agrar GmbH machte leidenschaftlich deutlich, dass massive Eingriffe in unsere Kulturlandschaft nicht nur eine kleine Gruppe betreffen.

"Wir dürfen das nicht zu einem Tornitzer Problem verkleinern. Der Saalekanal wie auch der großflächige Kiesabbau vernichten unsere Existenzgrundlage. Betroffen davon ist jeder Bürger von hier bis Schönebeck."

Blume informierte darüber, dass von der gesamten 33000 Hektar großen Acker - Wirtschaftsfläche des Landkreises 9000 Hektar "bergbaurechtlich verkauft" sind, also nicht nur vom 100 Hektar Land verzehrenden Kanal Gefahr ausgehe. Nach Blumes Worten bedeute die Veränderung der Kulturlandschaft nicht zuletzt eine erhebliche Immobilien- Abwertung aller Bewohner.

Diese Worte unterstützte auch Burkart von Dietze:

"Hier geht es um Dinge, die Ewigkeitswert haben, geht es an den Lebensnerv einer Landschaft."

Regina Grube unterstrich, dass die Initiative gegen den Schleusenkanal weder "Stimmungsmache" noch Partei - Interesse zum Inhalt habe.

"Wir sind in erster Linie unseren Bürger und deren Zukunft verpflichtet"

so die Ortschefin. Sie machte deutlich, dass man zu allererst einmal die Wirtschaftlichkeit des Projekts in Frage stellt. Auch die Planungsaussage, die Verhältnisse für die Saale -Schifffahrt den Bedingungen der Elbe anzugleichen, sieht man skeptisch.

"Sicher wird mir irgendwann jemand erklären, wie Schiffe mit 1,80 Meter Tiefgang bei Niedrigwasser in Zukunft über den Domfelsen in Magdeburg fahren können!"

so die Bürgermeisterin. Womit die Warnung von Umweltschützern gemeint ist, die seit Jahren darauf hinweisen, dass der Saaleausbau auch den der Elbe nach sich zieht.

Aus einem der "Volksstimme" vorliegenden "Hintergrundpapier" der Bündnis 90/ Die Grünen geht im wesentlichen deren Standpunkt hervor. Zitat:

"Der Saale -Seitenkanal ist aus volkswirtschaftlicher Sicht fragwürdig. Kosten von 80 Millionen Euro stehen einem äußerst geringen Bedarf gegenüber. Transportkapazitäten der parallelen Schienenrelation sind frei. Die Forderung nach Ausbau der Elbe würden verstärkt. Der Saale - Seitenkanal würde erheblich in den Grundwasserhaushalt eingreifen und damit den natürlichen Lebensraum des Biosphärenreservates beeinträchtigen."

In Tornitz - Werkleitz befürchtet man eine Gefahr durch Drängwasser, das nicht zuletzt die Substanz der Wohnhäuser beeinträchtigen könnte.

"Dazu gibt es noch keine detaillierten Aussagen"

teilte Grube mit.

"Wir sind ja schon froh, dass uns Eckard Henschel die Wirtschaftlichkeitsstudie besorgt hat"

sagte sie. Daraus gehen folgende Prognosen hervor: Für das Jahr 2015 wird laut Bundesverkehrs-Wegeplan (BVWP) im Einzugsbereich der Saale ein Güterverkehrsaufkommen von 52 Millionen Tonnen erwartet. Der Anteil der Schifffahrt ist mit 0,2 Prozent der Gesamtmenge (ohne Ausbau) verschwindend gering. Nach einem "Umschlagshoch" im Jahr 1999 von 133000 Tonnen ist bis heute ein spürbarer Rückgang festzustellen. "2002 betrug das Aufkommen rund 14000 Tonnen. Die Untersuchung sieht als Gründe dafür "über große Teile des Jahres unbefriedigende Abladetiefen" der Saale. Die Auswertung kommt am Ende zu dem Schluss:

"Im Ergebnis der durchgeführten Analysen und Prognosen erwarten wir im Fall des Ausbaus im Jahr 2015 ein Gesamtaufkommen der Binnenschifffahrt in Höhe von 1,5 Millionen Tonnen."

Anderenfalls spricht man von 36000 Tonnen. Diese Aussagen werden von den Mitgliedern der Bürgerinitiative stark bezweifelt.

Nach Festlegung grundsätzlicher Dinge wird die nächste Zusammenkunft der "Bürgerinitiative für die Kulturlandschaft im Elbe - Saale -Winkel" eine größere Plattform haben. Dazu sollen dann alle interessierten Bürger eingeladen werden. Der Termin wird rechtzeitig bekannt gegeben.

Von Thomas Linßner (LRBK)

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