Chance für den Hafen

Mittwoch, 17. Dezember 2008, 21:30 Uhr

Chance für den Hafen

Torgauer Zeitung 13.12.2008

Torgau (TZ/fl). Die Elbschifffahrt ist schwierig. Zumindest ab Magdeburg flussaufwärts. Das bekommt auch der Torgauer Hafen zu spüren. Von Hamburg bis in die Hauptstadt Sachsen-Anhalts können Europaschiffe mit bis zu 1500 Tonnen Fracht und 2,40 Meter Tiefgang fahren. Ab Magdeburg aber ist Schluss für die Giganten der Binnengewässer. Schon bei normalem Wasserstand fehlt die sprichwörtliche Handbreit Wasser unter dem Kiel. Der Elbausbau, in der früheren Bundesverkehrswegeplanung fest vorgesehen, hat unter heutigen politischen Vorzeichen keine Chance. Die Folge: es muss umgeladen werden. Aber meist fahren nicht kleinere Binnenschiffe weiter elbaufwärts, sondern Lkw.

Kommt ein mit Schüttgütern beladenes Europaschiff in Magdeburg an, machen sich nach dem Umladen dann 60 Lkw-Ladungen auf den Weg nach Sachsen und Tschechien. "Angesichts heutiger Dieselpreise und der Lkw-Maut ist das wirtschaftlich kaum mehr zu vertreten", sagt Stefan Kunze, Logistikchef der Sächsischen Binnenhäfen Oberelbe GmbH. Die Gesellschaft betreibt die deutschen Binnenhäfen Dresden, Riesa und Torgau, ist am Hafen Rosslau in Sachsen-Anhalt beteiligt und außerdem Eigentümerin der beiden tschechischen Elbehäfen Decín und Lovosice. "Angesichts der Kosten des Straßenverkehrs brennen die Kunden aus Industrie und Handel förmlich darauf, dass die Binnenschifffahrt an der Oberelbe neu belebt wird", berichtet Kunze. Das aber ist trotz der Nachfrage gar nicht so einfach. Wegen des häufigen Niedrigwassers auf der Elbe und den damit verbundenen Stillstandszeiten wanderten in der Vergangenheit viele deutsche und tschechische Elbschiffer auf andere Wasserstraßen ab - solchen, die ihnen regelmäßige Wasserstände und damit ein regelmäßiges Einkommen bescheren. "Es kostet Mühe, die Kollegen zurückzuholen", sagt Kunze. "Wir tun unser Möglichstes."

Ein Konzept, das mit den wechselnden Wasserständen fertig wird, ist die Elbschifffahrt mit kleineren Schubverbänden. Kunze erklärt: "Das Motorschiff ist eine Einheit aus Wanne, Antrieb, Steuerkabine und Wohnraum. Anders ist es beim Schubverband. Dort ist der Wohn- und Steuerungstrakt in einem Schubboot untergebracht, das dann einen oder mehrere Leichter vor sich herschiebt." Diese Leichter, auch Barge genannt, sind nichts anderes als stählerne Wannen. Sie haben keinen regulären Antrieb, sondern verfügen nur über ein Ruder am Bug. Derzeit wird im Rahmen des Forschungsprojektes Binnen-Land unter der Federführung der Technischen Universität Hamburg-Harburg geklärt, wie Liniendienste mit Schubverbänden zwischen Magdeburg und der Oberelbe, und damit auch nach Torgau, organisiert werden können. Mit dem bloßen Umladen von einem Europaschiff auf zwei oder drei Schubleichter allein ist es nicht getan. Es geht darum, die Ankunfts- und Abfahrzeiten von Europaschiffen auf Mittellandkanal und Unterelbe und das Eintreffen der Schubverbände von der Oberelbe so zu takten, dass möglichst wenig Zeit verloren geht und möglichst wenig Pufferlager belegt wird. Dazu werden derzeit Sendungsmengen und Güterstrukturen ermittelt.

Besonders häufig auf der Oberelbe transportiert werden Steine, Erden und Erze, dazu kommen Düngemittel und Getreide, aber auch Stahlblechrollen, sogenannte Coils. Die oberelbischen Hafenlogistiker führen mit den Handelspartnern dieser Produkte gerade Gespräche und erarbeiten Lösungen für ein getaktetes Liniensystem für Schubleichter auf der Oberelbe. Außerdem tüfteln die Hafenlogistiker noch an Lösungen für große Drahtrollen, die ein an der Oberelbe ansässiger Kunde gerne auf die Binnenwasserstraße bringen will. Die Drahtcoils knicken bei Umschlagvorgängen leicht. Die Lösung des Problems liegt in speziellen Transportbehältern, die allerdings erst noch entwickelt und getestet werden müssen. Sie bieten der Wirtschaft einen großen Vorteil: "Die Belieferung erfolgt standortnah mit dem Binnenschiff und damit kostengünstig", so Kunze.

 

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