Charakter der Schifffahrt hat sich klar gewandelt

Montag, 11. Januar 2010, 21:53 Uhr

Charakter der Schifffahrt hat sich klar gewandelt

Projektladungen bestimmen heute das Leben auf der Elbe

mz-web.de, 11.01, VON KARL JÜNGEL

WITTENBERG/MZ. Betrachtet man nur die Anzahl der Schiffe auf der Elbe, kommt man zu dem Schluss, sie hätte sich von Jahr zu Jahr drastisch verringert. Anders verhält es sich mit dem Wert der transportierten Güter. Früher waren es billige Kohletransporte aus Böhmen, die die längst abgebrochene Gaserei in Magdeburg belieferten. Im Gegenzug brachten die Schiffe Steinsalz von Schönebeck elbaufwärts in die Tschechoslowakei.

Diese Produkte sind heute nicht mehr gefragt, Massengüter werden dagegen für Landwirtschaft, Bauindustrie und teilweise für die chemische Industrie benötigt. Außerdem hat sich der Transport mit Containern durchgesetzt, strikt nach Fahrplan verkehren Spezialschiffe zwischen Riesa und Hamburg. Trotz der Wirtschaftskrise konnten die sächsischen Häfen mit einem leichten Umsatzplus das Jahr beenden. Es kann konstatiert werden - die Elbe-Schifffahrt hat gegenüber der Vorwendezeit einen völlig anderen Charakter angenommen. Heute bestimmen so genannte Projektladungen das tägliche Leben auf dem Strom. Darunter versteht man Windkraftanlagen, Turbinen, Generatoren, Brauereibehälter und sonstige Maschinenteile. Das sind Ladungen, die wegen ihren Abmessungen oder Gewichte nicht mit Lkw oder Eisenbahn transportiert werden können. Vom Seehafen Hamburg aus treten sie ihre Reise rund um den Globus an.

Aus der tschechischen Republik gehören die Transitfahrten von seegängigen Frachtschiffen längst zum Landschaftsbild der Elbe. Im vergangenen Jahr wurden insgesamt 22 Überführungen von Gastankern, Seeschleppern und Fähren gezählt. Die Auftraggeber kamen meist aus Holland oder Belgien. Die Versicherungswerte dieser Ladungen bewegen sich oft im Bereich um fünf Millionen Euro.

Dass an der Elbe auch hervorragender Schiffbau betrieben wird, wurde jetzt von der Schiffs- und Yachtwerft Dresden bewiesen. Seit dem 10. November liegen zwei gewaltige knallrote Fähren am Ufer der Elbe in Dresden-Laubegast, die äußerlich Gierfähren ähneln, bloß viel größer sind. Es sind selbstfahrende Schiffe mit hydraulisch betätigten Rampen und für den afrikanischen Staat Kenia bestimmt. Eingesetzt werden sie in Mombasa, der zweitgrößten Stadt des Landes. Wer die Verkehrsprobleme dort kennt, weiß, dass die Stadt durch den Fluss Nikuti geteilt ist und die meistbefahrene Verkehrsader über dessen deltaförmiges Mündungsgebiet führt. Auf einer etwa 500 Meter langen Verbindung zwischen den Ufern werden täglich 170 000 Menschen und mehr als 3 000 Fahrzeuge befördert. Hochgerechnet auf ein Jahr sind das 72 Millionen Passagiere und 1,2 Millionen Fahrzeuge. Zurzeit sind sechs Fähren älteren Baujahrs im Einsatz. Sie gewährleisten auch den steigenden Transitverkehr mit Nachbarländern wie Tansania und Somalia. Die Schiffs- und Yachtwerft Dresden hatte nach einer weltweiten Ausschreibung im Jahr 2007 den Neubau-Auftrag für diese zwei Fähren erhalten. Jetzt, nach 17 Monaten, werden die letzten Ausrüstungs- und Einrichtungsgegenstände installiert. Danach werden beide Schiffe für die Überführung vorbereitet.

Dazu muss der hochliegende Steuerstand zurück gebaut werden, um gefahrlos die 40 Elbebrücken passieren zu können. So es die Witterungs- und Wasserverhältnisse zulassen, werden beide Schiffe an Schubschiffe andocken und die Reise via Wittenberg nach Hamburg am 22. Januar antreten. In Hamburg werden sie auf Seeschiffe verladen. Krane heben diese 540 Tonnen schweren Fähren auf ein Spezialschiff, und die Seereise nach Kenia kann beginnen.

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