Der Hafen ist auf einem guten Weg

Freitag, 24. Februar 2006, 11:21 Uhr

Der Hafen ist auf einem guten Weg

"Wirtschafts Spiegel", Ausgabe Januar 2006

 

 

 

Wenn Manfred Sprinzek durch die Hafenanlagen in Halle-Trotha geht, hat er fast stets Bilder von einem pulsierenden Verladeplatz im Kopf. „Der Hafen ist auf dem richtigen Weg, allen Unkenrufen zum trotz“, sagt der Präsident des Vereins zur Hebung der Saaleschifffahrt (VHdS), der in Gedanken die trimodale Schnittstelle von Wasserweg, Schiene und Straße längst voll funktionsfähig gemacht hat.


Bis tatsächlich einmal viele Frachtschiffe an der modernen 750 Meter langen Kaimauer Güter be- und entladen, wird indessen noch eine Menge Wasser die Saale hinab fließen. Noch fehlt dem Fluss, der bei Barby in die Elbe mündet eine jahreszeitlich unabhängige schiffbare Verbindung. „Das Raumordnungsverfahren für den  Saale-Ausbau kann nicht mehr gestoppt werden“, ist der 60-jährige Vereinspräsident Sprinzek indessen überzeugt.

 Mit Unterstützung von Sachsen-Anhalts Landesregierung und der  neuen Bundesregierung – den Bundesverkehrsminister Wolfgang Tiefensee aus Sachsen zählt Sprinzek schon jetzt zu seinem Verbündeten – wird das Projekt gelingen. „Östlich von Calbe könnte ein Schleusenkanal gebaut werden, der bis Barby führt und den umweltsensiblen Bereich bei Klein Rosenburg umgeht“, schildert Sprinzek das Vorhaben.


Die Fakten sprechen für den 7,5 Kilometer langen Kanal, er ist hochwasserneutal, umweltverträglich und er weist einen deutlichen volkswirtschaftlichen Nutzen auf.  „Die bislang in die Hafenanlagen investierten mehr als 30 Millionen Euro werden sich dann auszahlen, wenn die Saale auch für große Kähne ganzjährig schiffbar ist“, bekräftigt Reinhard Schröder, Vizegeschäftsführer der IHK Halle-Dessau die Position des VHdS. Nach einer Befragung von Unternehmen, die im Einzugsbiet der unteren Saale liegen, birgt der Hafen in Trotha ein Transportpotenzial von rund 2,5 Millionen Tonnen. Runtergerechnet auf 1000 Tonnen Güter bedeutet das: statt 40 LKW auf den Straßen wären 20 Waggons auf dem Wasser unterwegs. Bis der Saale-Ausbau vollzogen und somit der Schiffsverkehr ganzjährig möglich ist, werden noch rund sieben Jahre vergehen, schätzt Dirk Lindemann, der neue Geschäftsführer der Hafen Halle GmbH.



Längst mehr als ein Anlegeplatz


Besuchern wird indessen schnell deutlich, dass der 1928 im Norden von Halle erbaute Hafen viel mehr ist, als ein „nur“ Anlegeplatz für Schiffe. 30 000 Quadratmeter umfassen die Kaianlagen, 9 800 Meter lang ist das Gleisnetz von Trotha bis zum Güterbahnhof. Experten bezeichnen den Hafen nicht zu unrecht als ein Netzwerk von Wasser, Straße, Schiene und Luft.  Und sie verweisen auf die überregionale Verkehrsanbindung und die gute Infrastruktur mit der A9 und der A14, mehreren Bundesstraßen,dem Güterbahnhof und dem Interkontinentalflughafen Leipzig/Halle.


„Wir sind besonders interessant für Branchen mit hohem Transportbedarf. Und ein Hafen mit Anbindung zur Elbe wäre gleichsam der berühmte Punkt auf dem i, er hätte Sogwirkung auf viele produzierende Unternehmen, sei es für die Autohersteller von BMW in Leipzig oder die Großbehälterproduzenten vom Siemens-Generatorenwerk in Erfurt“, betont Sprinzek.


Seit Jahren wirbt der Hafen mit der Bereitstellung von Ansiedlungsflächen. Besonders stolz ist Geschäftsführer Lindemann deshalb auf die erste bedeutende Neuansiedlung, eine Biodieselanlage des Unternehmens J. C. Neckermann, vor wenigen Wochen eingeweiht. Der Geschäftsführer nennt sie einen guten Anfang, der weitere Firmen nach sich ziehen soll. 57 000 Tonnen Bio-diesel, ein aus Rapsöl gewonnener Kraftstoff sowie 1000 Tonnen Glyzerin für die Pharma- und Kosmetikindustrie können jährlich die Anlage verlassen. Die von Marlene Neckermann, Jörg Lemberg und Sylvester Prinz zu Ysenburg gegründete Firma J. C. Neckermann hatte sich im vergangenen Jahr nach Prüfung mehrerer Standorte für Halle als Platz für die 19,5 Millionen-Euro-Investition, die mit EU-Mitteln gefördert wurde, entschieden. „Wir sind sehr gut unterstützt worden, die Genehmigungsverfahren wurden zügig abgeschlossen”, nennt das Unternehmen einige Gründe.


„Mit der Steigerung des Güterumschlags im Hafen sind wir schon recht zufrieden. Hier  bewährt sich die Verflechtung von Straße und Schiene“, sagt Präsident Sprinzek.   2002 wurden 10 200 Tonnen umgeschlagen, für 2005 wurden176 000 Tonnen angepeilt. Derzeit fahren die Containerzüge dreimal die Woche von Halle-Trotha in Richtung der großen deutschen Nordseehäfen, ab Januar sollen sie bis fünfmal die Woche auf Achse sein. Neben dem rapide wachsenden Containerterminal im Halles Hafen steigen auch die Düngerumschläge per Bahn. So wurden bis Ende November 16 Ganzzüge Dünger mit 16 600 Tonnen umgeschlagen. Diese Menge ist ausreichend für 25 000 Hektar Weizenanbaufläche. Im Auftrag des Wasser- und Schifffahrtsamts Magdeburg wurden gleichzeitig fast 6 000 Tonnen Saaleschlamm umgeschlagen, der aus Sedimentberäumungen der Saale - Kleinschleusen stammt und zur Verbesserung der Schifffahrtsbedingungen auf dem Fluss beiträgt.

Der Wasserweg ist sparsamer


Trotz aller Erfolge, das Ziel bleibe die Anbindung des Hafens an das internationale Wasserstraßennetz, bekräftigt Sprinzek. Im Moment sei er wegen des niedrigen Wassers für Schiffe nur an 123 Tagen im Jahr erreichbar. „Viele Großhändler aus Mitteldeutschland würden gern den halleschen Hafen nutzen, ihr Getreide von hier aus verschiffen“, argumentiert Sprinzek weiter. Und gerade beim Kostenvergleich beweist sich die Effizienz der Binnenschifffahrt. „Mit dem Schiff kostet die Tonne Weizen von Trotha nach Hamburg elf Euro. Auf der Straße sind es vier Euro mehr“, rechnet  Ludwig Müller, Geschäftsführer der Getreide- und Agrarhandel Halle GmbH die Transportausgaben vor. Das Handelsunternehmen, das unmittelbar im Hafen seinen Sitz hat, gehört zu den Mitbegründern des Vereins zur Hebung der Saaleschifffahrt.


Bernd Lähne

 

 

 

 

 

 

 

 

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