Der letzte große Saalemäander liegt zwischen Trabitz und Calbe

Dienstag, 28. November 2006, 09:38 Uhr

Der letzte große Saalemäander liegt zwischen Trabitz und Calbe

Volksstimme Schönebeck vom 27.11.2006

Von Thomas Linßner

Bei Trabitz befindet sich der letzte große Saalemäander. Wenn es die Kraft der Strömung nicht von selbst tat, wurden viele Flussschleifen in den Jahrhunderten von Menschenhand begradigt. Im kleinen Museum auf der Rosenburg zeigen historische Landkarten den Zustand im 19. Jahrhundert.

Trabitz / Klein Rosenburg. Nach dem Ersten Weltkrieg nahm die Binnenschifffahrt auf der Elbe stark ab. Dazu kamen noch ungünstige Fahrverhältnisse. Beispielsweise betrug die Mindestfahrwassertiefe zwischen Saale- und Havelmündung durchschnittlich etwa 80 Zentimeter, im Stadtbezirk Magdeburg, am Domfelsen, sogar nur 45 Zentimeter. Die damaligen 700-Tonnen-Schiffe hatten im voll beladenen Zustand einen Tiefgang von 75 Zentimetern. Im Rahmen von Arbeitsbeschaffungsprogrammen (!) begann man damit, kurze Versuchsflussstrecken auszubauen. Unter Berücksichtigung der dabei gemachten Erfahrungen erfolgte der so genannte Niedrigwasserausbau des gesamten Stroms.

Markante Projekte jener Zeit waren die Errichtung des Mittellandkanals mit der unvollendeten Kanalbrücke bei Hohenwarte sowie der Saaledurchstich 1935 südlich von Barby. Der Abraum wurde auf zwei Halden nördlich und südlich des Saalhorns abgekippt, die noch heute deutlich zu sehen sind. Man begann damit, die untere Saale für 1000-Tonnen-Schiffe auszubauen, um die sächsischen Industriezentren mit der Elbe schifffahrtstechnisch zu verbinden. In diesem Zusammenhang wurde die 1695 / 96 erbaute Saaleschleuse in Calbe stillgelegt und einige hundert Meter weiter östlich neu errichtet.

Die Fertigstellung des heute viel diskutierten Ausbaus des Saaleabschnitts Calbe – Mündung verhinderte der Ausbruch des Zweiten Weltkriegs.

Im Zuge des Flussausbaus verschwanden auch die meisten Saalemäander. So werden jene Schlingen bezeichnet, die sich in Flussabschnitten mit geringem Gefälle und gleichzeitig transportiertem Geschiebe ( Sand, Kies, Steine ) bilden. Sie sind nach zwei türkischen Flüssen namens Mäander benannt.

Trägheit des Wassers

Die Ursache der Mäanderbildung liegt an der Trägheit des Wassers, die dazu führt, dass das kurvenäußere Ufer ( Prallhang ) stärker erodiert als das kurveninnere ( Gleithang ), einmal bestehende Kurven sich also immer mehr verstärken.

Stark mäandrierende Flüsse wie die Saale sind vielfach durch Flussbegradigung schiffbar gemacht worden. Dies hat aber auch eine Absenkung des Grundwasserspiegels und durch die erhöhte Fließgeschwindigkeit eine stärkere Erosion des Flussbettes sowie eine höhere Hochwassergefahr für nachfolgende Flussabschnitte zur Folge.

Auch der letzte große Saalemäander bei Trabitz steht seit Jahren zur Disposition, weil der Fluss durch den geplanten Saaleseitenkanal begradigt werden soll. Die Einheimischen nennen den Innenteil des Mäanders merkwürdigerweise " Jerusalem ". Wohl deswegen, weil nur ein Weg hinein und gleichsam im Bogen verlaufend hinaus führt.

Burgmuseum zeigt es

Im Burgmuseum Klein Rosenburg ist eine Ausstellung zu sehen, die das Thema historisch betrachtet. Auf zwei Karten kann man nachvollziehen, wie die untere Saale im 19. Jahrhundert ihren Lauf veränderte. So wurde der Mäander in der Gemarkung Wülpke ( auf Barbyer Seite im Volksmund " Eschen " genannt ) 1823 begradigt. Der Durchstich am Krummen Horn erfolgte 1840. Letzteres ist heute gesperrtes Biosphären-Totalreservat, in dem sich eine Graureiherkolonie befi ndet. Während Wülpke verlandet ist, führt der Altarm Krummes Horn noch Wasser. Ebenso verhält es sich mit der Alten Saale am Saalhorn, die seit 1935 vom Strom abgehängt wurde. Wer die interessante kleine Ausstellung besuchen möchte, kann sich an Wochenenden unter der Rufnummer ( 03 92 94 ) 2 07 02 bei Burgvereinsmitglied Dr. Karin Pöhler anmelden.

413 Kilometer lang

Die Saale durchfließt Bayern, Thüringen und Sachsen-Anhalt. Mit 413 Kilometern ist sie nach der Moldau der zweitlängste Nebenfluss der Elbe. Mit einem mittleren Abfl uss von 115 Kubikmetern pro Sekunde nimmt sie gemeinsam mit der Havel ebenfalls Platz zwei hinter der Moldau unter den wasserreichsten Nebenfl üssen ein.

Die Saale entspringt in Franken. Ihr Oberlauf zwischen Zell und Hof ist ziemlich gemächlich. Dann verläuft der Fluss quer durch das Thüringer Schiefergebirge und berührt Saalfeld, Rudolstadt und Jena.

An ihrem Mittellauf ist die Saale mehrfach angestaut, die größten Stauseen einer fünfstufigen Kaskade sind der Hohenwarte- und der Bleiloch-Stausee. Der Unterlauf verläuft in einer flachen Landschaft durch die Städte Weißenfels, Bad Dürrenberg, Merseburg, Halle, ( südlich von Halle liegen die ökologisch wertvollen Saaleauen, im halleschen Stadtgebiet mehrere Inseln und Felsen am Ufer - Klausberge, Kröllwitzer Felsen, unter anderem der Giebichenstein mit der gleichnamigen Burgruine ). Unterhalb von Halle passiert der Fluss die Steilufer der Brachwitzer Alpen, Wettin, die Rothenburger Porphyrfelsen und Bernburg. Bei Barby mündet sie schließlich in die Elbe.

 

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