Der Yachthafen mitten in der Stadt wird immer beliebterer Ankerplatz

Donnerstag, 30. Juli 2009, 20:51 Uhr

Der Yachthafen mitten in der Stadt wird immer beliebterer Ankerplatz

Wassertouristen kommen auch aus Frankreich, Holland und Polen / Werftbetreiber : Wirtschaftskrise noch nicht spürbar

Volksstimme.de, 24.07.200, von Matthias Fricke

Der Magdeburger Yachthafen wird immer häuf ger zum Ankerplatz für motorisierte Wassersporttouristen. Von der eine halbe Million teuren Zwölf-Meter-Yacht bis zum Schlauchboot ist an den Anlegern alles vertreten. Vor allem holländische Touristen haben Magdeburg für sich entdeckt. Aber auch Franzosen, Polen und Engländer zählen zu den Gästen. Die Zahl der vom Wasser- und Schifffahrtsamt gezählten Sportboote auf der Stadtstrecke der Elbe stieg von Januar bis Mai dieses Jahres von 4500 auf 4700 Boote im Vergleich zum gleichen Zeitraum des Vorjahres.

Werder. Freizeitkapitän Frans Van Tilbourg steuert seine " Betana " am Kilometer 327, 6 in die Einfahrt der Zollelbe. Seine Tochter Nannette sieht auf das Echolot und beginnt im holländischen Akzent zu wettern : " Ist das uneben hier !" Sie meint damit den Untergrund der Zollelbe. Trotz des hohen Wasserstandes haben nämlich vor allem die Besitzer von großen Sportbooten wegen ihres Tiefgangs ordentlich Respekt vor den Untiefen. 

Langsam nähert sich das 9, 35 Meter lange Kajütboot mit Heimathafen Nienburg an der Weser dem Bootssteg. Der Dieselmotor stoppt, dann bewegt sich wieder ein Schwall Wasser vom Heck weg. So sieht Parkplatzsuche auf dem Wasser aus.
Inzwischen hat Bernhard Hönmann aus Nordrhein-Westfalen auf seiner " Bachstelze " seine Butterstulle beiseite gepackt und zeigt sich beim Anlegen der Neuankömmlinge behilfich. Das ist im Gegensatz zum Straßenverkehr auf dem Wasser selbstverständlich.

Seine Frau Rita ist derweil unter Deck verschwunden. Die Touristen zeigen sich begeistert von Magdeburg. Das war nicht immer so. " Wir waren vor 20 Jahren schon mal hier und wollten damals nur noch weg ", sagt Bernhard Hönmann. Inzwischen haben sie schon drei schöne Tage in Magdeburg verlebt. " Das können Sie ruhig schreiben, dass die Stadt viel schöner geworden ist ", lobt Bernhard Hönmann.
Er muss jetzt nur noch ein Problem an seinem 90-PS-Motor beheben lassen. " Und tanken muss ich auch noch ", sagt er. Dann kann er weiter nach Bad Schandau fahren. Das endgültige Ziel seiner Urlaubsreise.
Seine " Erledigungen " kann er alle im Yachthafen vornehmen, denn neben einer Tankstelle für Boote gibt es hier auch eine kleine Werft. Der Familienbetrieb " Stockmann " betreibt die gesamte Anlage. Neben den 60 Anlegestellen, von denen 40 an Dauermieter aus Magdeburg und Umgebung vergeben sind, gibt es am Ende der Zollelbe auch eine große Slippanlage für die Berufsschifffahrt. " Wir haben hier auch schon ein großes Fahrgastschiff aufgebockt ", erklärt Junior-Chef Dominic Stockmann stolz. Sein Vater hatte 1991 eine kleine Bootsausrüstungsfrma in Dömitz gegründet. 2004 kaufte er das Objekt in Magdeburg von der Firma " Hollenbach " dazu. Der Name ist bis heute erhalten geblieben.

Acht Mitarbeiter inklusive Lehrling kümmern sich hier um die Motoren und Boote. Die Wirtschaftskrise sei hier zum Glück noch nicht spürbar. Im Gegenteil, in dieser Wassersportsaison gab es Zuwachsraten. Zumindest im Magdeburger Yachthafen.

Auch das Wasser- und Schifffahrtsamt bestätigt das. In den ersten fünf Monaten dieses Jahres wurden 4700 Boote auf der Stadtstrecke der Elbe gezählt. Im vergleichbaren Zeitraum des Vorjahres waren es 4500. Die Sportschifffahrt macht damit über die Hälfte aller Schiffsbewegungen auf der Elbe aus.

Positiv auswirken dürfte sich vor allem auf die Gesamtzahlen in diesem Jahr, dass der Wasserstand in den Sommermonaten relativ hoch ist. " Im vergangenen Jahr hatten wir richtig Schwierigkeiten. Da gab es Wasserstände von nur noch 80 Zentimetern am Pegel Magdeburg. Bestimmte Boote kamen da gar nicht mehr in die Hafeneinfahrt rein ", erklärt Dominic Stockmann. Aus diesem Grund steuern die großen und teuren Yachten die Elbe seltener an. Sie haben hier schlichtweg einfach zu wenig Wasser unterm Kiel. Obwohl es auch Ausnahmen geben soll.

Kürzlich war die Yacht " Prestige " im Hafen. " Die hat zwei Antriebe, die sich um die eigene Achse mit einem Joystick steuern lassen ", schwärmt er. Da legt man locker das Geld für ein Einfamilienhaus hin.
Die Regel sind aber vielmehr die kleineren Boote um fünf Meter Länge. So eines, wie Olaf Biedler aus Biederitz es besitzt. Der Anlasser funktioniert an seinem 240-PS-Jetboot nicht mehr. Ein Fachmann muss sich das Gefährt angucken. Schließlich will er am Ende der Woche eine kleine Ausfahrt mit Geschäftspartnern übernehmen. Bei 70 bis 90 km / h Spitzengeschwindigkeit dürfte bei diesem Boot eher der Spaßfaktor eine Rolle spielen. Auf der Elbe ist dies auch kein Problem. Geschwindigkeitsbegrenzungen gibt es hier nämlich nicht.

Galerien

Historie und Gegenwart - Bildimpressionen von Matthias Pusch

Aktuelles

Neuigkeiten per RSS Button

Saaleinfo Newsletter

Redaktion © VHdS e.V.
Grafik, Layout © 2005-2018 atnexxt – Agentur für Design und E-Business, Webdesign in Halle (Saale)