Die «Aken» kehrt an die Elbe zurück

Freitag, 08. Mai 2009, 22:31 Uhr

Die «Aken» kehrt an die Elbe zurück

mz-web.de, 08.05.09, VON STEFANIE GREINER

Modellbauer Gerhard Grieseler übergibt einen Nachbau des Schubbotes an das Heimatmuseum

AKEN/MZ. Die überregionale Ausstellung der Elbschifffahrtsgeschichte im Akener Heimatmuseum ist um ein Exponat reicher. Vor einigen Tagen überreichte Gerhard Grieseler, Kapitän außer Dienst, ein Modell des Schubbootes "Aken".

Bereits vor zwei Jahren hatte er die Sammlung mit einem maßstabsgetreuen Modell Marke Eigenbau bereichert. Von der "Aken" konnte er sich damals noch nicht trennen. Da aber auch dieses Schiff irgendwann einmal den Weg in seine einstige Heimatstadt finden sollte, hatte der Carlsberger eine Schenkungsurkunde an das Museum übergeben. "Es war ein Versprechen", bemerkte er. Und das hielt er auch.

Mit offenen Armen wurde Gerhard Grieseler von den Mitarbeitern des Heimatmuseums und vom Akener Bürgermeister Hansjochen Müller empfangen. "Wir waren die größte Schifferstadt an der Elbe - und die Tradition muss man pflegen", betonte der Bürgermeister. Der Anblick des neuen Schiffsmodells stimmte ihn sichtlich froh. "Das Modell ist wunderbar für unsere Sammlung", freute sich Hansjochen Müller.

Bei dem Modell handelt es sich um einen Nachbau des Schubbootes "Aken" mit dazugehörigem Lastkahn im Maßstab 1:25. Im Original hatte die "Aken" eine Länge von 10,78 Metern und eine Breite von 5,10 Metern. Bevor das Schiff in der Gegend um Magdeburg unterwegs war, hatte es Station im Akener Hafen gemacht.

Gerhard Grieseler bedauerte, dass aus dieser Zeit nur ein einziges Bild existiert. Später wurde die "Aken" an einen Privatmann aus den Niederlanden verkauft. "Sie fährt heute als Wohnschiff", berichtete der passionierte Modellbauer. Ein Schwesterschiff der "Aken" - die "Calbe" - ist noch heute auf der Saale unterwegs.

Auf Nachfrage von Museumsleiter Otto Benecke erläuterte Gerhard Grieseler den Aufbau des Originals anhand seines Modells. "Wie warm war es denn da drin?", fragte Benecke und deutete auf das Steuerhaus des Schiffes. Dass 60 bis 70 Grad im Sommer keine Seltenheit gewesen seien, man im Winter aber durchaus eine Pelzmütze gebraucht habe, schien die Anwesenden nicht sonderlich zu überraschen.

Wie viele Schiffsmodelle er schon gebaut hat, kann Gerhard Grieseler mittlerweile gar nicht mehr so genau sagen. Er schätzt, dass es 20 bis 25 sind. Eine seiner Miniaturausführungen konnte sogar in einem Museum in Neu Delhi bestaunt werden.

Mit dem Modellbau hatte Gerhard Grieseler schon als Kind begonnen. Im Verlauf der Jahre wurden seine Schiffe im Miniaturformat immer detailgetreuer. "Die Modelle sind bis aufs i-Tüpfelchen genau", erzählte der Carlsberger stolz. Der krankheitsbedingte Schwund seiner Fingerfertigkeit, die beim Bau der Modellschiffe unabdinglich ist, könnte diesem Hobby nun womöglich ein jähes Ende bereiten.

Obwohl er gesundheitlich schwer gebeutelt ist, hat Grieseler seinen Lebensmut nicht verloren. Mit einem Lächeln im Gesicht erinnert er sich noch heute gern an seine Zeit als Kapitän. Die Seefahrt hatte ihn schon als Kind interessiert. Als 16-Jähriger verließ er seine Heimatstadt Aken, um den Beruf des Schiffbauers zu erlernen. Ob auf Ostsee, Nordsee oder Binnengewässern - das Schiff war seine neu gewonnene Heimat. Bis 1993 war Grieseler als Kapitän unterwegs. Seine schwere Krankheit zwang ihn, diese Passion aufzugeben.

Im rheinland-pfälzischen Carlsberg fühlt sich Gerhard Grieseler nun zu Hause. Bis vor zwei Jahren kannte er seine Verwandtschaft aus Sachsen-Anhalt nicht. Der MZ-Bericht über seine erste Modellschiff-Schenkung im Juli 2007 führte die Familie wieder zusammen. Seine Tante Anni Kloß aus Mukrena traf er vor einigen Tagen zum ersten Mal.

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