Die Binnenschifffahrt - ein Motor für die Wirtschaft von Sachsen-Anhalt

Donnerstag, 03. November 2005, 10:56 Uhr

Die Binnenschifffahrt - ein Motor für die Wirtschaft von Sachsen-Anhalt

Pressemitteilung des VHdS e.V.

Vertreter aus Politik und Wirtschaft fordern zügige Verbesserungen der Schiffbarkeit von Elbe und Saale

„Wir müssen die Binnenschifffahrt als Verkehrsträger stärker nutzen, wenn wir den logistischen Herausforderungen der Zukunft gewachsen sein wollen“, unterstrich Sachsen-Anhalts Wirtschaftsminister Horst Rehberger auf einer Veranstaltung der FDP-Fraktion im Landtag Sachsen-Anhalts am 2. November in Bernburg. „Dazu ist es dringend nötig, dass wir eine deutliche Beschleunigung der Planungs- und Genehmigungsverfahren für die dringend nötigen Ausbau- und Unterhaltungsmaßnahmen an Saale und Elbe erreichen.“

Der Präsident des Vereins zur Hebung der Saaleschifffahrt (VHdS) Manfred Sprinzek berichtete, dass mit der Eröffnung des Raumordnungsverfahrens für den Schleusenkanal Tornitz die Weichen für die wirtschaftliche Binnenschifffahrt auf der Saale gestellt sind.

Die Transportpotenziale der Saale sind immens: Erhebungen des VHdS unter Firmen der Saaleregion haben ein sofortiges Transportvolumen von fast 2,7 Mio. Tonnen pro Jahr und für 2010 rund 4 Mio. Tonnen per Binnenschiff auf der Saale ergeben. Dazu kommen ca. 1,1 Mio. Tonnen durch Getreidelieferungen, die bereits jetzt über den Mittellandkanal umgeschlagen werden. Mit diesen umweltfreundlichen Schiffstransporten sparen die Unternehmen an der Saale erhebliche Transportkosten, sichern Arbeitsplätze und werden wettbewerbsfähiger. Deshalb wollen die Bernburger Unternehmen auch in eigene Schiffsanlegestellen investieren. „Investitionen zur Nutzung des vorhandenen Wasserstraßensystems werden zur weiteren positiven Entwicklung der regionalen Wirtschaft beitragen“, ist Sprinzek überzeugt.

Dietmar Rehmann, Geschäftsführer der Deutschen Binnenreederei AG, verdeutlichte in seinem Fachvortrag den unmittelbaren Zusammenhang zwischen Wirtschaft, Infrastruktur und Verkehr. „Öffentliche Investitionen können als >Zündkerze< wirken, die den Motor der privaten Investitionen und des wirtschaftlichen Wachstums in Gang setzt“, erklärte Rehmann. Die Dichte des Wasserstraßennetzes zwischen Saale, Elbe und Oder sei hervorragend. „Nun wird es höchste Zeit, dieses Potenzial auszuschöpfen. Die Wasserstraßen sind der einzige Bereich unserer Infrastruktur, die noch erhebliche Kapazitätsreserven aufweisen. Diese gilt es jetzt zu aktivieren!“

Eberhard Hirsch, Vorsitzender des Vereins zur Förderung des Elbstromgebietes e.V. erläuterte, dass Sachsen-Anhalt mit seinen Wasserstraßen und Häfen für Ostdeutschland und Hamburg mit seinem Überseeverkehr ein wichtiger Standort mit günstigen Hinterlandanbindungen insbesondere für die wachsenden Containerverkehre ist: „Im letzten Jahr wurden in den deutschen Seehäfen zehn Millionen Container umgeschlagen – ein Wert, der nach den Prognosen erst in 10 Jahren erreicht werden sollte. Künftig rechnet man mit 18 Millionen Containern.“

Wenn Hamburg nur fünf Prozent seiner Container künftig mit dem Binnenschiff abfahre- in Rotterdam sind es heute schon über 30 Prozent - , wären das bis zu 500.000 Container jährlich.  „Damit könnten zuverlässig, kostengünstig und ökologisch rund 200.000 LKW-Fahrten vermieden werden. Davon würden die Elbehäfen und natürlich auch die Saaleregion sowie der Leipziger Raum profitieren. Die wirtschaftlichen Effekte und damit auch die Schaffung von Arbeitsplätzen liegen auf der Hand“, so Hirsch.

Dem pflichtete auch Jörg Rusche, Geschäftsführer des Bundesverbandes der Deutschen Binnenschifffahrt e.V. (BDB), bei: „Mit der Frachtschifffahrt werden immerhin 90 Prozent der Verkehrsleistungen der Eisenbahn erbracht und etwa 380.000 Arbeitsplätze sind in Deutschland mit der Binnenschifffahrt und den Häfen verbunden.“ Für die Binnenschifffahrt als Dienstleister für Industrie, Handel und Tourismus sei die Anbindung an ein leistungsfähiges Netz von Wasserstraßen zwingende Notwendigkeit. „Für uns wie unsere Kunden stellt ein solches Netz einen unverzichtbaren Standortvorteil dar, der Arbeitsplätze sichert und neue Beschäftigung ermöglicht“, unterstrich Rusche.

In der anschließenden Diskussionsrunde unterstützten zahlreiche Vertreter der Binnenschifffahrt sowie in Sachsen-Anhalt ansässigen Unternehmen die Forderung des Wirtschaftsministers nach einer Beschleunigung der staatlichen Verfahren für Infrastrukturmaßnahmen und Investitionsvorhaben.

Als Mitglied der Parlamentarischen Arbeitsgruppe Binnenschifffahrt des Deutschen Bundestages bescheinigte Michael Goldmann (FDP) dem Verein zur Hebung der Saaleschifffahrt mit seinem Präsidenten Manfred Sprinzek einen langjährigen, erfolgreichen Einsatz für den Saaleausbau. Er regte an bei insgesamt knappen Kassen darüber nachzudenken, wie sich Unternehmen und Kommunen an der Finanzierung dringend benötigter Infrastrukturmaßnahmen beteiligen können.

Uwe Müller, Werkleiter der Schwenk Zement AG in Bernburg, brachte es auf den Punkt: „Die Qualität unserer Infrastruktur wird bei vielen Unternehmen der Region darüber entscheiden, ob sie langfristig konkurrenzfähig bleiben werden.“ Die Teilnehmer Gesprächsrunde waren sich einig: „Sachsen-Anhalt braucht wirtschaftlich nutzbare Flüsse. Die Realisierungsplanungen für Elbe und Saale sind daher zügig voran zu bringen“ fasste Wirtschaftsminister Dr. Rehberger das Ergebnis des Gesprächsabends Wirtschaft zusammen.

Weitere Informationen unter  www.saaleverein.de

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