Die blaue Straße lässt ihn nie wieder los

Freitag, 02. Januar 2009, 09:18 Uhr

Die blaue Straße lässt ihn nie wieder los

Torgauer Zeitung 01.01.2009

Wittenberg/Torgau (TZ/gt). Als am vergangenen Heiligabend der große Gastanker "Sensation" am Torgauer Elbufer festmachte und hier über Nacht liegenblieb (TZ informierte am 29. Dezember), wusste das der Wittenberger Karl Jüngel schon längst vorher. Die Elbe und die Schifffahrt darauf sind für ihn längst so etwas wie ein Lebenselexier. Der 65-Jährige stammt aus einer echten Schifferfamilie, in seinem Büro hängt ein großes historisches Foto, welches den einstigen Kahn der Jüngels weit vor dem Zweiten Weltkrieg vor Anker im Torgauer Hafen zeigt. Das Schiff namens "Henny" war seinerzeit eines der größten auf der Elbe verkehrenden Wasserfahrzeuge. "Henny hieß meine Großmutter", erzählt Karl Jüngel und kommt auf seinen Großvater zu sprechen, der übrigens auch Karl hieß: "Bei uns hießen sie doch alle Karl. Ich besitze heute noch eine originale alte Ansichtskarte von Torgau, die stammt von meinem Großvater."

Schiffer wollte Karl Jüngel eigentlich nie werden, gibt er heute selbst freimütig zu. Er wollte lieber eine Familie und sesshaft sein, anstatt stets auf dem Fluss zu fahren. Nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges wurde der Jüngel'sche Kahn in Beschlag genommen. Karl suchte sich daraufhin einen Beruf, der mit dem Schiffbau in Verbindung stehen sollte. Er wurde Stahlschiffbauer. "Trotzdem hat mich das Wasser nie losgelassen. Wenn man erst Mal da reingerochen hat, will man immer weiter forschen. Und es ist bei Weitem nicht nur das Sammeln und Aufschreiben von Fakten, da hängt noch viel mehr dran." Vor Kurzem erschien der dritte Band von Karl Jüngels "Die Elbe - Eine aktuelle Bestandsaufnahme der blauen Straße". Der vierte Band ist bereits in Arbeit, lässt er durchblicken. Und da gab und gibt es auch noch viele neue Details, welche die Geschichte dieses Flusses für ihn immer wieder von Neuem interessant machen: "Ich denke da zum Beispiel an die immensen Munitionsfunde am Torgauer Elbufer oder in Dresden, wo sie unlängst zwei Fünf-Zentner-Bomben rausgeholt haben."

Doch Karl Jüngel weiß sehr wohl, dass die Elbe auch noch viele Geheimnisse aus der älteren Geschichte in ihrem Verborgenem hält: "Mich interessieren auch die älteren Funde, die immer wieder mal bei Arbeiten im Fluss zutage gebracht werden. Ich denke da zum Beispiel an di-verse Sandsteinrohlinge und dergleichen. Der Sandstein wurde ja unter anderem für den Bau von Torgaus Festungsanlagen elbabwärts transportiert. Wie haben die das damals gemacht, wie haben die diese Dinger überhaupt auf die Schiffe und dann von da wieder runter gebracht? So ein Block war mitunter bis zu einer Tonne schwer." Es wird noch etliche Geheimnisse geben, die Karl Jüngel der Elbe noch entlocken wird.

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