Die Elbe scheidet die Geister

Sonntag, 11. Februar 2007, 18:50 Uhr

Die Elbe scheidet die Geister

Wirtschaft glaubt an Wasserstraße - Umweltschützer: Fahrrinne ist viel zu flach

Halle/MZ, von Christian Schafmeister, 11.02.07

Halle/MZ. Die Wirtschaft und die Landesregierung in Sachsen-Anhalt setzen weiter große Hoffnungen auf den Ausbau von Elbe und Saale. "Gerade die Elbe hat noch ein riesiges Potential als Wasserstraße", betont Jörg Rusche, Geschäftsführer des Bundesverbandes der Binneschifffahrt und denkt dabei an den Containerverkehr im Hinterland des Hamburger Hafens. "Das Wachstum im Güterverkehr haben wir in Hamburg schon heute." Weiteres Wachstum erwartet derweil auch der Chemiestandort Leuna und setzt ebenfalls auf den Ausbau von Saale und Elbe. "Die Wasserstraßen könnten eine bedeutende Rolle spielen und zu einer Ergänzung im Räderwerk der Logistik werden", versichert Olaf Castelle von der Standortgesellschaft Infraleuna.

Doch die Voraussetzungen für einen wirtschaftlichen Verkehr sind nicht optimal, räumen die Akteure ein. So müsse noch die Schachtschleuse Tornitz in der Saale gebaut werden. Zwar steht das Projekt im vordringlichen Bedarf des Bundesverkehrswegeplans, doch das Magdeburger Verkehrsministerium erwartet den Baustart dort nicht vor 2011. Die erforderlichen Daten für eine Umweltverträglichkeitsprüfung sollen Ende des Jahres vorliegen. Die Hoffnungen im Ministerium sind aber bereits groß. "Das ist die letzte noch fehlende Maßnahme für den wirtschaftlichen Verkehr auf der Saale."

"Die Wirtschaft hat sich von der Elbe lange verabschiedet." Ernst-Paul Dörfler Elbe-Experte beim BUND Einschränkungen ergeben sich allerdings auch an der Elbe in Raum Magdeburg. Dort lässt derzeit die eingeschränkten Breite der Fahrrinne von 35 Metern nur einspurigen Verkehr zu. Die nach Ansicht des Magdeburger Ministeriums erforderlichen Ausbauarbeiten lässt der Bund indes nicht zu. Seit dem Hochwasser im Sommer 2002 dürfen an der Elbe aber bisher weiterhin nur Unterhaltungsmaßnahmen durchgeführt werden.

"Wir wollen hier vom Bund schnell eine grundsätzliche Klärung", sagte Ministeriums-Sprecher Harald Kreibich unter Hinweis auf den "hohen wirtschaftlichen Nutzen" der Maßnahme. Druck kommt auch vom Binnenschifffahrts-Verband. "Hier könnte ansonsten eine gewaltige Chance verpasst werden", betont Geschäftsführer Rusche.

Umweltschützer indes glauben ohnehin nicht mehr daran, dass wirtschaftlichen Güterverkehr an Elbe oder Saale möglich ist. "Die Wirtschaft hat sich von der Elbe lange verabschiedet", betont Ernst-Paul Dörfler, Elbe-Experte beim BUND und verweist auf die Wassertiefe. "Für eine wirtschaftliche Nutzung bräuchten die Schiffe mindestens 2,50 Meter Fahrrinnentiefe", sagt Dörfler, "es werden aber nicht einmal die schon lange angestrebten 1,60 Meter erreicht". Den Behörden wirft er vor, mit falschen Zahlen zu argumentieren. So beriefen sich die Planer weiterhin auf alte Wasserstände aus dem Zeitraum 1974 bis 1986. "Das sind historische Wasserstände aus dem Museum, die zudem aus der wasserreichsten Periode der letzten 100 Jahre stammen", kritisiert Dörfler.

Dem widerspricht das Magdeburger Verkehrsministerium und verweist auf neue Erkenntnisse des Bundes. Demnach gebe es "keine signifikanten Trends auf der Elbe zu niedrigen Wasserständen". In Magdeburg räumt man jedoch ein, dass die gängigen Europaschiffe mit rund 1 300 Tonnen Kapazität "nicht das ganze Jahr über fahren können". Die Binnenschifffahrt bestätigt dies. Doch werde die Marke von 1,60 Meter Fahrrinnentiefe in der Elbe "an den allermeisten Tagen" erreicht. Dies reiche derzeit aus, "um zuverlässig mit den Kunden planen zu können", versichert Geschäftsführer Rusche.

Die Wirtschaftlichkeit kann jedoch noch verbessert werden, heißt es im Magdeburger Verkehrsministerium. Doch ein umfassendes Konzept, das Saale und Elbe auch die Kanäle wie etwa den Mittellandkanal umfasst, fehlt bisher. "Alle Projekte werden bloß isoliert betrachtet", kritisiert Dörfler. Ein Gesamtkonzept verlangt auch Infraleuna. Denn ohne Beseitigung sämtlicher Engpässe "macht das ganze System in der Tat keinen Sinn".

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