Die neue Magdeburger Sternbrücke

Mittwoch, 27. Oktober 2004, 10:42 Uhr

Die neue Magdeburger Sternbrücke

Der Stahlkolloss auf dem Weg ans andere Elbufer

Magdeburger Volksstimme
26.10.2004 Magdeburg

Beim Sternbrückenbau bleibt es nach dem gestrigen Störfall spannend: Erreicht der Stahlkoloss heute das andere Ufer? Drall im Ankerseil verzögerte Brückenschlag Altstadt - Dramatik an der Elbe: Ein verdralltes Hauptankerseil am Pontonverband hat gestern den Zeitplan für den Einschub umgeworfen. Die Situation aber konnte von den erfahrenen Holländern noch gerettet werden. Heute soll der Zeitverzug aufgeholt werden.

Gegen 17.10 Uhr peitschen die drei über 100 Meter langen Stahltrossen durchs Elbwasser, sinken ab, straffen sich wieder. Dann setzt sich der Pontonverband mit den vier Lasttürmen stromabwärts in Bewegung - an Ankerseilen hängend nach dem Gierfährenprinzip. In Dezimeterschritten nähern sich die beiden miteinander verkoppelten 66 Meter langen Pontons dem in den Fluss hineinragenden Stahlüberbau. Gegen 17.45 Uhr Aufatmen bei den Brückenbauern: Die vier Türme haben die Brücke erreicht, die Spezialisten der Firma Ale/Lastra aus Holland richten die Schiffe aus. Freude auch bei den hunderten Magdeburgern, die von beiden Ufern aus das technische Schauspiel beobachten

Sie sind Zeugen der dramatischen Entwicklung an der Elbe: Ab 11 Uhr verhindert ein verdralltes Hauptankerseil die Annäherung des Pontonverbandes an die Brücke. Es muss aus dem Fluss geborgen werden, hängt wie ein wirres Wollknäuel am Kran.

Bis das technische Malheur behoben ist, vergehen Stunden. Die Kräfte seien natürlich sehr genau berechnet worden, sagt Ronald Wille vom Tiefbauamt. Das aber ist die Theorie. Vielleicht ist auch ein treibender Baumstamm gegen das Seil gedriftet, vermutet der Brückenspezialist.

Fakt ist, dass die geplanten 30 Meter Vorschub nicht erreicht werden, schätzt er gegen 18 Uhr ein. Der Brückenüberbau bleibt in der Position liegen, in die er bereits am Sonntag gebracht worden war. Vier Verschubschlitten mit Hydraulikpressen hatten für den Vormarsch des fast 1000 Tonnen schweren Stahlkörpers gesorgt. Jeweils 500 Tonnen Leistung, erläutert Patrick Schwartz von der Montec GmbH, die den Überbau montiert hat.

Gegen 19 Uhr fehlen noch wenige Zentimeter, bis die Lasttürme die Brücke gewissermaßen Huckepack nehmen und den 137 Meter langen Koloss ans Stadtparkufer bringen sollen.

"Wir wollen morgen versuchen, die Zeit aufzuholen"

erklärt Kasten Mohr, Projektleiter von SAM. Allerdings mit Augenmaß und ohne gefährliche Hektik. Gelingt es Dienstag wider Erwarten nicht - die Elbe darf bis Mittwoch gesperrt werden. Es bleibt spannend beim Sternbrückenbau.

Von Karl-Heinz Kaiser (LRMD)

Artikel aus dem Angebot von MDR.DE Magdeburg

NEUE STERNBRÜCKE AUF DEM WEG ANS ANDERE ELBUFER

Die neue Magdeburger Sternbrücke wird seit Dienstagvormittag über die Elbe geschoben. Die 137 Meter lange und fast 1000 Tonneschwere Stahlkonstruktion wird Meter für Meter vom östlichen ans westliche Ufer gebracht. Bis zum Nachmittag hatten die Bauleute etwa ein Drittel des Weges bewältigt. Bis zum Abend soll die Arbeit geschafft sein. Damit gäbe es nach 59 Jahren wieder eine direkte Verbindung zwischen dem Stadtpark Rotehorn und dem südlichen Stadtzentrum.

Alte Brücke 1945 gesprengt

Mit acht bis zehn Metern pro Stunde wird der Stahlkoloss mit Hilfe von Pontons über die Elbe geschoben. Die Technik wurde extra aus den Niederlanden herbeigeschafft, um vom Wasserstand der Elbe unabhängig arbeiten zu können. Die ursprüngliche Brücke war im April 1945 von den Wehrmachts-Truppen gesprengt worden, um den Vormarsch der Alliierten aufzuhalten.

Allerdings ist die Brücke mit dem Einschieben noch nicht fertig. Bis zum Frühjahr sollen zwei Fahrbahnen und zwei Gehwege über die Brücke gebaut werden. Die neue Sternbrücke ist vor allem für Fußgänger und Radfahrer gedacht. Sie soll aber auch für Taxen und Rettungsfahrzeuge frei sein. Freigegeben wird die Brücke am 1. Mai 2005 anlässlich des Stadtjubiläums.

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Historie und Gegenwart - Bildimpressionen von Matthias Pusch

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