Die unendliche Elbegeschichte

Freitag, 28. November 2003, 16:13 Uhr

Die unendliche Elbegeschichte

Arbeitsplätze stehen zur Disposition

Wo ist denn die Öko-Katastrophe geblieben?

In der rot-grünen Koalitionsvereinbarung heißt es zur Elbe:

„Die Ausbaumaßnahmen und in ihren Auswirkungen vergleichbare Unterhaltungsmaßnahmen auf der Elbe werden nicht umgesetzt“

Was waren die Beweggründe hierfür?

Ökologische Verkehrswege, Arbeitsplatzbeschaffung und Sicherung, Aufbau Ost, der EU-Beitritt Tschechiens oder waren es nur Ideologie und die Fortsetzung des Wahlkampfes mit Hochwasserdruck?

In den Fragen und Antworten der Bundestagsdrucksache Nr. 15/267 vom 20. Dezember 2002 wird nach den ökologischen Wirkungen der Strombaumaßnahmen gefragt mit einer erstaunlichen Antwort auf der Seite 36:

„Die Folgen der Strombaumaßnahmen an der Elbe werden derzeit unterschiedlich beurteilt“

Offensichtlich hat der Bundesverkehrsminister keine Bauchschmerzen, während dem Umweltminister die grüne Puste ausgegangen ist und er kein ökologisches Pulver parat hat. Es soll nämlich noch eine Ökoeinschätzung vorgenommen werden. Merkwürdig, die Koalitionsvereinbarung sollte doch ein solides, belastbares Papier mit zuverlässigem Hintergrund sein.

In den Antworten ist auch zu lesen, dass die Hälfte der Strombaumaßnahmen bereits fertig ist. Gleichwohl gibt es mehr Biber, Störche und Fischarten, sogar wieder Meerforellen und Lachse, in und an der Elbe. Flora und Fauna blühen, wachsen und gedeihen prächtig und einträchtig mit den reparierten Buhnen. Zu diesem Ergebnis kommt auch die im Jahr 2001 vorgenommene turnusmäßige Überprüfung des Biosphärenreservats „Mittlere Elbe“ durch das „Man and the Biosphäre(MAB) – Nationalkomitee“ in der Umwelt - Zeitschrift Nr. 1/2002 des Umweltministeriums:

„Das Biosphärenreservat Mittlere Elbe erfüllt in vollem Umfang sowohl die internationalen als auch die nationalen Kriterien. Deshalb haben sich bei der Überprüfung keine Kritikpunkte von großer Tragweite ergeben."

Nicht zuletzt haben die Menschen mit dem Elbebadetag im Juli 2002 den Fluss wieder für sich entdeckt. Er ist nämlich mit den Strombaumaßnahmen naturnah geblieben allen Unkenrufen zum Trotz, was diese Tiere mit ihrer zahlreichen Verbreitung an den Ufern der Elbe belegen.

Wo ist denn nun die vielbeschworene Ökokatastrophe geblieben?

Nach den Prophezeiungen müsste die Elbe heute ein stinkender, lebloser Fluss sein. Fakt ist aber und für jedermann sichtbar, das Gegenteil. Schifffahrt und Ökologie sind miteinander verträglich geblieben, was im übrigen nachweisbar auch für das Hochwasser zutrifft.

Ideologie und Machterhalt schaden Mensch und Natur. Die bisher von öffentlichen und privaten Stellen investierten 400 Mio. ¤ in die Häfen und Umschlagsbetriebe und die Elbe selbst können ohne vernünftige Schifffahrtsbedingungen zu keinem Aufschwung führen. Arbeitsplätze werden abgebaut. Für neue fehlt der Schwung. Tausende von Arbeitnehmern blicken in eine unsichere Zukunft. Tschechien scheint in der EU nicht willkommen zu sein. Die umweltfreundliche Binnenschifffahrt wurde zu einer leeren Worthülse degradiert. Offensichtlich ist das der Wille der Koalitionsvereinbarung.

10 Binnenschifffahrt – ZfB – Nr.3 – März 2003

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Historie und Gegenwart - Bildimpressionen von Matthias Pusch

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