"Durch Unterhaltungsbaggerungen wird die Elbe nicht vertieft!“

Donnerstag, 24. September 2009, 13:02 Uhr

"Durch Unterhaltungsbaggerungen wird die Elbe nicht vertieft!“

Torgauer Zeitung, Donnerstag, 24. September 2009

Torgau (TZ). Klaus Kautz, Amtsleiter des Wasser- und Schifffahrtsamtes Dresden, äußert sich in einer Pressemitteilung zu den Unterhaltungsbaggerungen in der Elbe wie folgt:

In Beiträgen vom 17.09. und 21.09. berichtet die Torgauer Zeitung über ,,Elbe- Mahnfeuer“ in Torgau. Aktueller Anstoß für diese Aktionen des Bundes Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) soll eine ,,wachsende Gefährdung durch fortlaufende Elbvertiefungen“ sein. In einem Interview wird dazu behauptet, dass ,,mehrere Baggerschiffe die Fahrrinne vertieften“ und dass ,,solche Aktionen ein weiteres Absinken des Grundwasserspiegels mit unabsehbaren Folgen für Fauna und Flora befürchten lassen“. Diese Aussagen sind falsch.

Richtig ist, dass die Elbe durch Unterhaltungsbaggerungen des Wasser- und Schifffahrtsamtes nicht vertieft wird!

Die Elbe ist ein frei fließender Fluss, in dem große Wassermassen abfließen. Mit diesen Wassermassen werden auch Kies, Sand und Schwebstoffe transportiert. In einem Jahr werden so zum Beispiel im Bereich Torgau durchschnittlich 15.000 Tonnen Geschiebematerial auf dem Grund der Elbe in Richtung Nordsee abtransportiert (bei Hamburg sind das bis zu ca. 300.000 Tonnen pro Jahr). Dieses Material kommt hauptsächlich aus den Nebenflüssen und durch Eintrag von den Ufern der Elbe.

Leider werden diese Massen nicht gleichmäßig und kontinuierlich durch die Elbe transportiert. Auf dem Weg bis zum Meer, der mehrere Jahre dauert, bleiben Sand und Kies an einzelnen Stellen immer wieder in der Elbe liegen. Das ist abhängig vom jeweiligen Querschnitt des Flussabschnittes und der Fließgeschwindigkeit. An einigen wenigen Stellen der Elbe kommt es so immer wieder zu Kies- und Sandanlagerungen. Besonders bei Niedrigwasser stören die Kies- und Sandbänke in der Fahrrinne und können die Fahrrinnentiefe und die Lademöglichkeit der Schifffahrt einschränken. Sie stellen auch eine Gefahr für die Schifffahrt dar, da Schiffe darauf festfahren können und steckenbleiben.

Aus diesem Grund müssen die Kies- und Sandanlagerungen durch Baggerkomplexe der Wasser- und Schifffahrtsverwaltung ständig weggebaggert werden. Dabei wird die Elbe nicht vertieft, sondern es werden nur an einzelnen wenigen Stellen in der Elbe die Kies- und Sandbänke in der Fahrrinne beseitigt um eine festgelegte Sollsohle wieder herzustellen!

Diese Unterhaltungsbaggerungen sind nicht nur für die Schifffahrt wichtig, sondern dienen auch einem ungestörten Wasserabfluss. Der ausgebaggerte Kies wird in der Elbe der Nähe der Baggerstellen an besonders tiefen Stellen in der Elbe wieder eingebaut bzw. zu Zwischenlagern gebracht und bei höheren Was serständen wieder verklappt. Diese Geschiebezugabe wird durch die Bundesanstalt für Wasserbau und die Bundesanstalt für Gewässerkunde wissenschaftlich begleitet.

Die Unterhaltungsmaßnahmen und –baggerungen auf der gesamten Elbe sind ein ständiger Prozess. Seit Nutzung der Elbe als Kulturstrom sind sie für die Sicherheit der umweltfreundlichen Schifffahrt, aber auch dem Schutz der Menschen vor Hochwasser und Eis notwendig.
In einer Kulturlandschaft werden diese Unterhaltungsmaßnahmen auch in Zukunft ständig durchgeführt werden.
Die an der Elbe im Bereich zwischen Mühlberg und der Mündung der Saale zu verzeichnenden Errosionstendenzen haben mit den Unterhaltungsbaggerungen nichts zu tun. Sie haben andere und wesentlich vielfältigere Ursachen. Um dieser Erosion wirksam entgegen zu treten, hat die Wasser- und Schifffahrtsverwaltung unter Mitwirkung der Bundesländer Sachsen-Anhalt und Sachsen ein „Sohlstabilisierungskonzept für die Elbe von Mühlberg bis zur Saalemündung“ entwickelt. Dabei werden neben einer gezielten Geschiebezugabe, die schon seit 1996 im Raum Torgau durchgeführt wird, strombauliche Maßnahmen zur Eindämmung der Erosionstendenzen umgesetzt. Das sind zum Beispiel die Anpassung von Strombauwerken, aber auch Maßnahmen im Vorland, wie z. B. die Reaktivierung von Altarmen. Entsprechende Pilotmaßnahmen befinden sich in der Vorplanung.
Jeder Interessierte kann sich dazu umfangreich auf der Homepage des Wasser- und Schifffahrtsamtes Dresden www.wsa-dd.wsv.de informieren.

 

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