Ein dicker Brocken auf der Saale

Mittwoch, 05. Dezember 2007, 22:26 Uhr

Ein dicker Brocken auf der Saale

Sondertransport für Chemiepark Leuna

Ihre Leistungsfähigkeit als Wasserstraße, auch für besondere Güter, stellte die Saale am Wochenende vom 17.11. bis zum 19.11.2007 unter Beweis.

In diesem Zeitraum befuhr ein Sondertransport die Saale von der Mündung in die Elbe bis nach Pfützthal, am Saalekilometer 77,4.Die Ladung, bestehend aus 2 Reaktoren von je 100 t Gewicht, für den Chemiepark Leuna hatte bereits einen weiten Weg zurückgelegt.
Hergestellt wurden die Reaktoren in Japan und reisten per Seeschiff um die halbe Welt nach Hamburg. Dort wurden die Teile in einen Schubverband der Deutschen Binnenreederei verladen.Auf seinem Weg von Hamburg nach Pfützthal machte der Transport erstmal in Aken Station.

Im dortigen Hafen wurde ein 3. Reaktor mit einem Gewicht von 270 t in den Schubprahm zugeladen. Der Schubverband, bestehend aus dem flach gehenden Stromschubschiff 2638 und dem Schubprahm SL 4406, war nun komplett und trat seine Fahrt zur Saale an.

Mit einer Breite von 10,44 m, bei einer Länge von 99,65 m, überschritt der Verband die für die Saale zugelassenen Schiffsabmessungen und wurde daher als Sondertransport geführt.Doch nicht nur die Überbreite, sondern auch die Wasserstände machten den Transport zu etwas Besonderem.

 

Statt Niedrigwasser, drohte diesmal ein leichtes Hochwasser den Transport im wahrsten Sinne des Wortes ins Wasser fallen zu lassen. An den Brücken und Schleusen schränkten die erhöhten Wasserstände die Durchfahrtshöhen ein.

Nach 17,4 Kilometern war am Samstag, dem 17.11., erstmal Feierabend für den Schubverband. Die zu geringe Höhe der Eisenbahnbrücke Calbe Grizehne ließ eine Durchfahrt nicht zu. Erst am nächsten Tag war der Wasserstand um 10 cm gefallen und ermöglichte die Weiterfahrt.

Das nächste Nadelöhr wartete schon, die Schleuse Bernburg.Auch hier waren es nur wenige Zentimeter, die das Schiff von einer Kollision mit der Brücke trennten.

Für die schwierige Ausfahrt aus der Schleuse Bernburg wurde ein Schubboot des Wasser- und Schifffahrtsamtes Magdeburg angefordert. Dieses sollte den Bug des Verbandes in Fahrtrichtung halten.

Trotz der vereinten Kräfte der 2 Schubboote und einer Leinenführung am Leitwerk strandete der Verband an den Dalben vor dem Bernburger Wehr.
Mit Unterstützung von Mitarbeitern des WSA Magdeburgs aus dem Außenbezirks Bernburg und dem WSA Schubboot GNU konnte der Sondertransport vom Wehr Bernburg weggezogen werden.

Die Fahrt wurde gegen 17.30 Uhr unbeschadet bis zur Schleuse Alsleben fortsetzen. Am Montag wurde durch den Außenbezirk Bernburg eine Frühschleusung organisiert, so dass der Verband bereits um 6.00 Uhr in die Schleuse einfahren konnte.

Seinen weiteren Weg von Alsleben nach Pfützthal  legte der Sondertransport ohne weitere Zwischenfälle zurück. Am Nachmittag war der Verband, mit 48 Stunden Verspätung, an der RoRo-Verladestelle Pfützthal angekommen.

Dort wurde umgehend damit begonnen, die Reaktoren mit Hilfe zweier Autokrane auszuladen.Die letzten Kilometer nach Leuna wurden dann per Straße zurückgelegt.

Die Logistikgruppe BDP PROJECT LOGISTICS aus Nürnberg hat, zusammen mit der Deutschen Binnenreederei und mit Unterstützung durch das WSA Magdeburg sowie dem zuständigen Außenbezirk in Bernburg, fast unbemerkt einen Transport per Binnenschiff auf die Saale gebracht, der auf dem Landweg nicht nur für Aufsehen, sondern sicherlich auch für Behinderungen gesorgt hätte.

Bleibt zu hoffen, dass auch die weiteren Teile für die neue Produktionsanlage in Leuna so weit wie möglich auf der Wasserstraße transportiert werden.
Das nächste Schiff ist schon von Japan aus unterwegs und trifft voraussichtlich Anfang 2008 in Hamburg ein.

Sollte die Witterung mitspielen, kann vielleicht schon Ende Februar 2008 ein neuer Sondertransport auf der Wasserstraße Saale unterwegs sein.

Kai Bandau, Aken

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