"Ein Schiff schafft das Zehnfache"

Montag, 22. September 2008, 07:35 Uhr

"Ein Schiff schafft das Zehnfache"

SVZ.de, 22. September 2008

1925 auf einem Kahn geboren, wurde Walter Hellwig selbst Binnenschiffer, war auf Rhein und Weser unterwegs, vor allem aber auf der Elbe. Kein Wunder also, dass ihm deren Schiffbarkeit am Herzen liegt.

WITTENBERGE - Am Sonnabend gehörte der seit 30 Jahren in Wittenberge lebende Walter Hellwig zu den ersten, die auf das Ausstellungsschiff am Nedwighafen kamen, sich die "Labe - Elbe 2010" ansahen. Denn mit dieser Schau will die Kammerunion Elbe/Oder, in der 30 tschechische, polnische und deutsche Industrie- und Handelskammern (IHK) seit 2000 zusammenarbeiten, auf die Erwartung der Wirtschaft aufmerksam machen, dass die Elbe bis zum Jahr 2010 durch Unterhaltungsarbeiten der Wasser- und Schifffahrtsverwaltung Deutschland in den Zustand gebracht wird, dass eine Wassertiefe von 1,60 Metern und mehr an 345 Tagen im Jahr zur Verfügung steht.

"So ein Schiff schafft bei gleicher Motorleistung die zehnfache Transportmenge eines Sattelschleppers" macht Hellwig deutlich. Da liege der Nutzen für die Umwelt doch auf der Hand. "Es stört mich schon lange, dass immer mehr Transporte auf die Straße verlagert werden", kritisiert der Ruheständler, der selbst mit seinem Schlepp- und später Motorschiff alles transportiert hat, was anfiel - gleich nach dem Krieg Zucker und Getreide, später Schüttgut wie Kies oder Steine.

Mit seiner Meinung stand er am Sonnabend nicht allein. Vor allem viele Kommunalpolitiker hatten sich am Nedwighafen eingefunden, denn der regionale Wachstumskern Perleberg-Wittenberge-Karstädt nutzte das Festmachen des Ausstellungsschiffes in Wittenberge zu einem wirtschaftspolitischen Frühschoppen zum Thema Hafen Wittenberge. Da ließ es sich Brandenburgs Wirtschaftsminister Ulrich Junghanns denn auch nicht nehmen, gemeinsam mit dem Magdeburger IHK-Präsidenten Klaus Olbricht und dem Potsdamer IHK-Hauptgeschäftsführer René Kohl sowie vielen Prignitzer Kommunalpolitikern und Unternehmern über dieses Thema zu diskutieren.

Grundlage dafür bot die Studie zu den Potenzialen Wittenberges als Hafenstandort. Dr. Eckhardt Stübner, Geschäftsführer der Hamburger Ingenieursozietät, die die Studie erarbeitete, führte aus, dass sich der Containerumschlag im Hamburger Hafen derart entwickele, dass Bahn und Straße als weitere Transportwege allein nicht mehr ausreichten. Ziel sei es, bis 2015 drei Prozent der prognostizierten 18 Millionen Containereinheiten auf die Binnenschifffahrt zu verlegen. Bis 2025 sollen es fünf Prozent des weiter rasant steigenden Umschlages sein. Zumal Containerschiffe einen nicht so starken Tiefgang hätten, 1,60 Meter Tiefe ausreichend sei. Wittenberge als Verkehrsknotenpunkt für Wasserstraße, Bahn und Straße (vor allem nach Bau der A 14) in der Mitte zwischen Hamburg und Berlin sei damit für Logistiker als Vorknoten von Hamburg künftig sehr interessant.

Kohl verwies darauf, dass die regionale Wirtschaft ein großes Interesse an der Schiffbarkeit der Elbe und dem Wittenberger Hafen habe. Deutlich machte er das an der Hafenentwicklungsgesellschaft, die sich in Kürze bilde und deren Anteil zu 70 Prozent die Unternehmer trügen. "Und wir sehen dabei nicht nur den Hafen selbst, sondern auch das Hafenumfeld". Allerdings benötige Wirtschaftsentwicklung verlässliche Rahmenbedingungen. Kritisch bemerkte Kohl Nebenabsprachen an, die es im Hamburger Senat zum Elbehinterland gegeben habe, das nicht angefasst werden solle. Er forderte Junghanns auf, darüber mit Hamburgs Oberbürgermeister zu sprechen. Junghanns sagte seine Unterstützung zu, erklärte, dass die Studie gegenwärtig in der Landesregierung ausgewertet werde. Er forderte aber noch detaillierte Aussagen zu den Regionaleffekten ein, zu Wirtschaftsentwicklung einschließlich von Arbeitsplätzen.

 

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Historie und Gegenwart - Bildimpressionen von Matthias Pusch

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