Ein Schiff soll kommen

Montag, 19. Februar 2007, 09:27 Uhr

Ein Schiff soll kommen

SonntagsNachrichten, Hallescher Kurier, 18. Februar 2007

HALLE/MAGDEBURG (fs/mei).

 »Ein Schiff wird kommen. Und meinen Traum erfüllen ...“, sang einst Melina Mercouri. Seit gut zwölf Jahren treibt dieser Wunsch die Mitglieder des Vereins zur Hebung der Saaleschifffahrt (VHdS) an. Stand ursprünglich einmal die Beseitigung des Nadelöhrs bei Groß Rosenburg im Mittelpunkt ihrer Aktivitäten, so setzen die Förderer und Forderer einer ganzjährigen Saale-Schiffbarkeit ihre Hoffnungen jetzt ganz auf den „Schleusenkanal Tornitz“.

Optimistisch verweist der VHdS darauf, dass der Ausbau der Unteren Saale mit dem „Schleusenkanal Tornitz“ Bestandteil des vordringlichen Bedarfes des Bundesverkehrswegeplans 2003 und seit Oktober 2006 der Projektliste des Investionsrahmenplans für den Ausbau der Bundeswasserstraßen 2006-2010 ist. Mit dem Kanal verbindet der Verein die Erwartung, dass dann die ganzjährige Nutzung der Saale für die Binenschifffahrt möglich wird.

Der rund 7,5 Kilometer lange Schleusenkanal soll kurz hinter albe abzweigen und bis kurz or Einmündung in die Elbe ‚naturschutzfachlich bedeutsame Bereiche am Saale-Unterlauf‘ umgehen.

Bliebe noch der Unsicherheitsfaktor Elbe. Und: Ist das Binnenschiff neben Straße und Schiene überhaupt konkurrenzfähig? Der Rhein brummt“, verweist Rolf Lack vom Magdeburger Regionalbüro des Vereins zur Förderung des Elbstromgebietes auf den florierenden Gütertransport auf Deutschlands größtem Fluss. Alle drei Verkehrsträger, sagt Lack zukunftsgerichtet, werden voll zutun haben. „Ladung ist genug da, es fehlt an Schiffsraum. Die Binnenschifffahrt muss in einer konzertierten Aktion des Gütertransportes mitwirken, sonst erschlägt uns die Containerflut.“ Die wiederum sei ein Ergebnis des globalisierten Handels. Was auch immer in Europa angeboten wird, es kommt mehr und mehr aus Produktionsstätten in Fernost. „Es gibt bei uns keinen blinden Eifer, die Binnenschifffahrt auf der Elbe um jeden Preis zu erhalten, es geht uns wirkldich um eine sinnvolle Verteilung der Verkehrsströme“, so Lack.

Doch mit ihren schwankenden Wasserständen ist die Elbe gegenwärtig alles andere als eine zuverlässige Partnerin für die Binnenschiffer. „Unser Ziel ist es, an 345 Tagen im Jahr eine Tiefe für den Binnenschiff-Verkehr von 1,60 Meter zu ermöglichen. Durch Unterhaltungsmaßnahmen schaffen wir das“, meint Rolf Lack und betont, dass ein Ausbau der Elbe mit Staustufen nicht das Ziel des von ihm vertretenen Vereins, der übrigens auch VHdS-Mitglied ist, sei. „Wir akzeptieren, dass der Bund erhalten, nicht ausbauen will.“

Ein anderer BUND, nämlich der für Umwelt und Naturschutz in Deutschland, schätzt hingegen ein, dass die Maßnahmen, die an der Elbe stattfinden, das Ziel der ganzjährigen Befahrbarkeit nicht erreichen werden, da das nötige Wasser fehle. Mit der Fortsetzung der Baumaßnahmen würden jährlich Millionen Euro verschwendet und dem Fluss geschadet — ohne Nutzen für die Schifffahrt, heißt es in einer aktuellen Mitteilung des BUND aus Dessau.

Ebenso kritisch stehen weitere regionale Umweltverbände zum Projekt des Schleusenkanals. Insbesondere zweifeln die Kritiker den Bedarf für die dann möglich werdenden Transportkapazitäten auf der Saale an.

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