Eine Werbereise für den Saale - Kanal

Dienstag, 31. August 2004, 11:14 Uhr

Eine Werbereise für den Saale - Kanal

"Die Vernunft hat gesiegt..." sagte Minister Dr. Daehre

Mitteldeutsche Zeitung (Bernburg), 31.08.2004
Von Andreas Braun

Verspätung ließ gute Laune nicht sinken

Eine Werbereise von Alsleben nach Brandenburg für den Saaleausbau sollte es werden. Es wurde weit aus mehr. Am Montagfrüh machte in Alsleben die "Harmonie" die Leinen los. Mit einer Stunde Verspätung, weil der Schleusenwärter nicht rechtzeitig da war. Aber die gute Laune wollten sich weder Ernst-Wilhelm Wehlmann, Vorsitzender des Alslebener Schiffervereines und Initiator der Tour, noch Verkehrsminister Karl-Heinz Daehre (CDU) verderben lassen. Auch nicht vom Regen.

Die Vorzeichen haben sich geändert. Die Bundesregierung hat die Landesregierung beauftragt, das Raumordnungsverfahren für die letzten 20 Saalekilometer einzuleiten. Kosten: Etwa 70 Millionen Euro.

"Wenn alles ohne gerichtliche Auseinandersetzungen geht, kann in drei bis vier Jahren nach Eröffnung des Verfahrens gebaut werden"

sagt Daehre.

Für Uwe Müller, Werkleiter des Bernburger Schwenk-Zementwerkes, werden die Transporte auf dem Wasser langsam Wirklichkeit:

"Wir haben vier Verladestationen. Zwei sind schon hergerichtet"

meint der Werkleiter und spricht von Investitionen von etwa 100 000 Euro pro Station. In Nienburg und in Beesenlaublingen sind die Stationen schon erneuert worden. Bernburg und noch einmal Nienburg stehen an.

"Wir müssen jetzt mit dem Lkw nach Haldensleben, um aufs Schiff umzuladen."

Per Schiff geht es nach Antwerpen.

"Wir beliefern den Weltmarkt und wollen das ausbauen"

erklärt Müller die Verbindung nach Antwerpen. 460 Lkw rollen wöchentlich nach Haldensleben. Die würden von der Straße verschwinden. Außerdem könnten die Transportkosten um etwa ein Drittel sinken, was den Zement konkurrenzfähiger macht, sagt Müller. Auch Zuschlagstoffe für die Klinkerproduktion können per Schiff aus Salzgitter günstiger transportiert werden. Müller sieht auch für die alten Schifferstädte Nienburg und Alsleben Chancen. Schließlich, so schlussfolgert er, müsse jemand die Schiffstransporte übernehmen.

Das Konzept, hinter Calbe eine Begradigung der Saale vorzunehmen, um Trabitz sowie Klein und Groß Rosenburg zu umgehen, sei umweltverträglich, ist sich Daehre sicher und kostenverträglich. Gerechnet wird mit 1,5 Millionen Tonnen Transportgut pro Jahr. Vor allem bekommt der Hafen Halle, für 40 Millionen Euro modernisiert, endlich was zu tun, meint Manfred Sprinzek, Präsident des Vereins zur Hebung der Saaleschifffahrt.

Womit aber Daehre auch rechnet, ist, dass Gegner des Saaleausbaus verschärft vorgehen. Daehre wehrt sich schon jetzt dagegen, dass ein Zusammenhang zwischen Saaleausbau und Ausbau der Elbe hergestellt wird. "Den Zusammenhang gibt es nicht", sagt Daehre. Bei der Elbe gehe es beim Domfelsen bei Magdeburg darum, diesen an einigen Stellen um 20 Zentimeter abzutragen. Wenn ein Gutachten aussage, dass das nicht geht, müsse man das auch akzeptieren, so Daehre.

PRESSEMITTEILUNG

Verkehrsminister Daehre:"Schöne Stunde für die Schifffahrt und die Wirtschaft"

"Die Vernunft hat gesiegt. Nach zwölf Jahren Kampf kommen wir jetzt endlich in eine versachlichte Verfahrensdiskussion"

brachte Sachsen-Anhalts Verkehrsminister Karl-Heinz Daehre (CDU) am Montag (30.8.04) seine Freude über den Auftrag des Bundesverkehrsministeriums zur Einleitung des Raumordnungsverfahrens für den Schleusenkanal Tornitz an der Saale zum Ausdruck.

"Diese Entscheidung ist eine schöne Stunde für die Schifffahrt und für die Wirtschaft der ganzen Region"

betonte Daehre.

"Ein besonders herzlicher Dank gebührt vor allem dem Verein zur Hebung der Saaleschifffahrt, aber auch allen anderen Initiativen, die sich unermüdlich für die wirtschaftliche Binnenschifffahrt auf der Saale eingesetzt haben. Ohne Kämpfer vor Ort wäre der jetzige Erfolg nicht möglich gewesen."

Daehre war einer Einladung der Schiffervereine Alsleben und Umgebung gefolgt, die eine ganztägige Schiffsfahrt bis nach Brandenburg unternahmen. Auf dem Teilstück zwischen dem Start in Alsleben und Calbe Stadttete der Minister den rund 120 Teilnehmern der Fahrt auf dem Personenschiff "Harmonie" einen Besuch ab.

Gegenüber der Presse zeigte sich Daehre zuversichtlich, das Kanalvorhaben zügig realisieren zu können.

"Nun kommt es darauf an, die Verfahren gründlich und fachlich einwandfrei vorzubereiten, um weitere Verzögerungen zu vermeiden."

Wenn alle im Zusammenhang mit Raumordnung und Planfeststellung durchzuführenden erneuten Prüfungen positiv verlaufen, könnte in drei bis vier Jahren der erste Spatenstich für den Schleusenkanal Tornitz erfolgen.

"Für die Industrie ist damit zum ersten Mal Planungssicherheit geschaffen"

sagte Daehre und betonte, dass Dank guter Vorbereitung und Sacharbeit bislang alle Verkehrsprojekte in Sachsen-Anhalt ohne weitere Verzögerungen realisiert werden konnten.

Auch aus verkehrspolitischer Sicht sei das Vorhaben an der Saale ein positives Signal.

"Wenn wir ernsthaft die Straßen von den Massenverkehren entlasten wollen, müssen wir die Wasserstraßen nutzen"

so der Verkehrsminister. Direkte Zusammenhänge mit einem eventuellen Ausbau der Elbe wies der Verkehrsminister jedoch entschieden zurück:

"Ich möchte ausdrücklich betonen, dass wir die Elbe weder kanalisieren noch betonieren wollen. Es geht einzig und allein darum, das Planfeststellungsverfahren an der Stadtstrecke von Magdeburg wieder aufzunehmen und ansonsten lediglich Instandsetzung und -haltung zu betreiben."

Ende der letzten Woche hatte das Bundesverkehrsministerium die Wasser- und Schifffahrtsdirektion Ost beauftragt hat, die Unterlagen für ein Raumordnungsverfahren für einen Schleusenkanal ohne Wehr an der Saale zu erstellen und die Einleitung des Raumordnungsverfahrens beim Land Sachsen-Anhalt zu beantragen.

Der geplante Saale - Seitenkanal wird das letzte "Nadelöhr" der Saale vor der Elbmündung beseitigen und so den Fluss für die Binnenschifffahrt nutzbar machen. Dass dieses Vorhaben nicht nur umweltfreundlich und hochwasserneutral, sondern auch wirtschaftlich ist, belegt u.a. eine Studie des unabhängigen Essener Planco-Instituts.

Weitere Informationen unter:
www.saaleverein.de

Galerien

Historie und Gegenwart - Bildimpressionen von Matthias Pusch

Aktuelles

Neuigkeiten per RSS Button

Saaleinfo Newsletter

Redaktion © VHdS e.V.
Grafik, Layout © 2005-2018 atnexxt – Agentur für Design und E-Business, Webdesign in Halle (Saale)