Elbe gut für die Containerflut?

Mittwoch, 07. Februar 2007, 09:43 Uhr

Elbe gut für die Containerflut?

Umstrittene Baumaßnahmen sollen den Fluss fit für Transporte machen VON ULRICH MEINHARD, ElbeReport SONNTAG, 4. FEBRUAR 2007

Die Elbe ist unberechenbar. Spätestens seit dem Jahrhunderthochwasser im August 2002 ist für die Anwohner des Flusses klar: alles kann geschehen.Eine eher unzuverlässige Partnerin ist die Elbe auch für die Binnenschiffahrt. Dennoch setzt der Verein zur Förderung des Elbstromgebietes auf diesen sagenumwobenen Fluss als wichtige Wasserstraße.

In einem kleinen Büro im Haus der IHK Magdeburg steuert Rolf Lack die Vernetzung der Elbe-Schifffahrt-Lobbyisten. Das Credo des langjährigen Chefs des Wasserund Schifffahrtsamtes Magdeburg in punkto Elbe lautet kurz und
schlicht:„Wir brauchen sie.“ Rolf Lack, nach einer einjährigen Ruhephase seit
1. Februar waschechter Pensionär, verweist auf eine Prognose zum Güterverkehrswachstum bis 2030. Danach steigt der Bedarf, Güter unterschiedlicher Art vor allem vom Hamburger Hafen aus in das Umland zu schaffen, von gegenwärtig neun Millionen Container jährlich auf 60 Millionen an. Neben Lacks Schreibtisch steht ein Wimpel der Deutschen Binnenschifffahrt,
der verspricht: „Das Schiff bringt´s“. Der gelernte Ingenieur betont: „Unsere
Botschaft an die Politik lautet: Leute, Ihr müsst Euch Gedanken machen, sonst werden die Straßen in Deutschland bald völlig verstopft sein durch den LKW-Verkehr.“

Ja, aber: Ist das Binnenschiff neben Straße und Schiene überhaupt
konkurrenzfähig? „Also, der Rhein brummt“, verweist Lack auf den florierenden
Gütertransport auf Deutschlands größtem Fluss. Alle drei Verkehrsträger, sagt er zukunftsgerichtet, werden voll zu tun haben.

„Ladung ist genug da, es fehlt an Schiffsraum. Die Binnenschifffahrt muss in einer konzertierten Aktion des Gütertransportes mitwirken, sonst erschlägt uns die Containerflut.“

Die wiederum sei ein Ergebnis des globalisierten Handels. Was auch immer in Europa angeboten wird, es kommt mehr und mehr aus Produktionsstätten
in Fernost. „Es gibt bei uns keinen blinden Eifer, die Binnenschifffahrt auf der Elbe um jeden Preis zu erhalten, es geht uns wirklich um eine sinnvolle Verteilung der Verkehrsströme“, hebt Lack hervor.

Aber ist es nicht so, dass die Elbe mit ihren schwankenden Wasserständen
alles andere als eine zuverlässige Partnerin für die Binnenschiffer ist?

„Unser Ziel ist es, an 345 Tagen im Jahr eine Tiefe für den Verkehr von Binnenschiffen von 1,60 Meter zu ermöglichen. Durch Unterhaltungsmaßnahmen
schaffen wir das“, meint Rolf Lack und betont, dass ein Ausbau der Elbe mit Staustufen nicht das Ziel des von ihm vertretenen Vereins sei. „Wir akzeptieren,
dass der Bund erhalten, aber nicht ausbauen will.“

Ein anderer BUND, nämlich der für Umwelt und Naturschutz in Deutschland, schätzt hingegen ein, dass die Maßnahmen, die an der Elbe stattfinden, das Ziel der ganzjährigen Befahrbarkeit nicht erreichen werden, da das nötige Wasser
fehle. Mit der Fortsetzung der Baumaßnahmen würden jährlich Millionen Euro verschwendet und dem Fluss geschadet - ohne Nutzen für die Schifffahrt, heißt es in einer aktuellen Mitteilung des BUND aus Dessau.

(siehe auch Pro & Contra zum Saale-Seitenkanal)

Dateien:
0402_ER_Elbe-gut-fuer-containerflut_01.pdf2.1 M

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