Elbe hat als Wasserstraße Zukunft

Montag, 22. März 2004, 10:40 Uhr

Elbe hat als Wasserstraße Zukunft

"Strategie Elbe"- 2. Elbe-Symposium in Dessau

 

Pressemeldungen:

VHdS

Der Präsident der Evangelischen Landeskirche Anhalt Helge Klassohn und Bundes-verkehrsminister Dr. Manfred Stolpe moderierten das 2. Elbe-Symposium in Dessau.

Zu den Themen "Wirtschaften mit dem Fluss in den kommenden Jahrzehnten" und "Flussunterhaltung, Hochwasser und Klima" : sprachen 10 Referenten aus der Wasser - und Schifffahrtsdirektion des Bundes, Bundesanstalten und Bundesamt, wissenschaftlichen Einrichtungen und Wirtschaft. Als einzige politische Organisation kam der BUND auf dieser von der Landeskirche organisierten Veranstaltung zu Wort.

Dr. Hans Diefenbacher, Umweltbeauftragter der EKD, konnte in seiner Zusammenfassung feststellen, dass niemand gegen den Naturschutz an der Elbe und niemand gegen die Schifffahrt auf der Elbe gewesen sei.

Wichtige Ergebnisse des Symposiums waren: 

Die Erhaltung der Schiffbarkeit der Elbe wird gesichert (Stolpe)

Die Tschechei hat völkerrechtlichen Anspruch auf den Wasserweg Elbe (Stolpe)

Die Instandhaltungsmaßnahmen an der Elbe haben das Ziel, den Zustand der Elbe vor dem Hochwasser 2002 wieder herzustellen. (Aster WSD-Ost)

Ausbaumaßnahmen über diesen Zustand hinaus wird es nicht geben. (Aster WSD-Ost)

Ein Gesamtkonzept für die Elbe werde es in nächster Zeit wegen der unterschiedlichen Ansätze im Bund, auf Länderebene und in der Zusammenarbeit mit Tschechien nicht geben. (Stolpe)

Mitteldeutsche Zeitung 20.03.04 Von Annette Gens,

 

Stolpe betont Zukunft der Elbe als Wasserstraße

 

Im Streit um die Zukunft der Elbe sind die Fronten zwischen Naturschützern und Vertretern der Wirtschaft weiterhin verhärtet.

 

 

"An der Elbe wird es keine Ausbaumaßnahmen geben"

bekräftigte Bundesverkehrsminister Manfred Stolpe (SPD) auf einem Elbe-Symposium in Dessau.

Trotz des nach dem Hochwasser 2002 von der Bundesregierung ausgesprochenen Ausbaustopps halte das Verkehrsministerium jedoch an Unterhaltungsmaßnahmen fest.

Bei anstehenden Arbeiten an der Elbe werde sich das Bundesverkehrsministerium künftig um mehr Transparenz bemühen, versprach Stolpe. Dagegen forderten Umweltschützer am Sonnabend vergeblich den Stopp sämtlicher Baumaßnahmen an der Elbe, bis ein umweltverträgliches Gesamtkonzept für die Nutzung des Flusses vorliegt. Ein solches Konzept sei bereits vor acht Jahren vom damaligen Bundesverkehrsminister versprochen worden. Stolpe lehnte dies ab. In einem weiteren Ausbau sehen Umweltschützer einen Verstoß gegen geltendes EU-Recht. Sie verwiesen darauf, dass erneuerte Stromregelungsbauwerke oftmals größer ausfielen, als ihr Ursprungszustand war.

"Wir sind nicht prinzipiell gegen die Schifffahrt, allerdings müssen die natürlichen Potentiale genutzt werden"

 

sagte die Bundesvorsitzende des Bundes für Umwelt und Naturschutz, Angelika Zahrnt. Das zweite Elbe-Symposium wurde mit rund 200 Teilnehmern von der Evangelischen Landeskirche Anhalts initiiert. Die Kirche der Region Mittelelbe wollte mit der Konferenz einen Betrag zur Verständigung zwischen Wirtschaft und Naturschützern leisten.

Volksstimme 22.03.2004 Sachsen-Anhalt, News

 

Bundesverkehrsminister Manfred Stolpe: Die Elbe soll nicht wie Wasserstraßen Rhein und Mosel ausgebaut werden

 

Dessau - Die Elbe als Naturlandschaft oder die Elbe als Wasserstraße? Die Evangelische Landeskirche Anhalts holte am Sonnabend Verfechter beider Parteien an einen Tisch. Und lud den Bundesverkehrsminister Manfred Stolpe (SPD) dazu. Der betrat den Mittelweg: Die Elbe müsse als Wasserstraße unterhalten, solle aber nicht ausgebaut werden. Er wisse um die teils unvereinbaren Positionen, was das "Wirtschaften" mit der Elbe betrifft, sagte Manfred Stolpe und dass er als Bundesminister für Verkehr die Verantwortung trage für Mobilität auf Straßen, Schienen und Wasserwegen.

Vor allem mit der EU-Osterweiterung sieht der Minister große Herausforderungen auf das "Transitland" Deutschland zukommen. Aus dieser Sicht messe er den Wasserstraßen große Bedeutung bei, da Berechnungen ein Anwachsen des Gütertransportes um 64 Prozent prognostizieren. Der Bundesverkehrsminister hält da eine bessere Anbindung der ostdeutschen Wasserstraßen an die im Westen und an die Seehäfen für dringend erforderlich.

Manfred Stolpe saß am Sonnabend als Co-Moderator neben Helge Klassohn, dem Präsidenten der Evangelischen Landeskirche Anhalts, die zum Elbe-Symposium nach Dessau eingeladen hatte. Zum Zweiten erst nach dem von 1997. Am gemeinsamen Podiums-Tisch sollten sich die verschiedenen Positionen treffen zum Umgang mit dem Fluss, der auf 600 Kilometern durch Deutschland fließt, von den größten noch erhaltenen Auenwäldern Mitteldeutschlands umgeben ist, an dem sich 33 Naturschutzgebiete befinden, ein Nationalpark (Sächsische Schweiz) und das UNESCO-Biosphärenreservat "Flusslandschaft Mittlere Elbe".

An dem aber auch die Häfen ausgebaut werden seit der Wende, an dem sich Unternehmen ansiedelten in der Hoffnung auf Anbindung an einen günstigen Verkehrsträger. Alles unter der Voraussetzung, die Elbe würde zu einer leistungsfähigen Wasserstraße mit durchgängiger Fahrrinnentiefe von 1,60 Metern ausgebaut.

Jürgen Sorgenfrei, Vorstandsmitglied des Hafen Hamburg-Marketings, fordert eine Transportkette entlang der Elbe bis ins Hinterland.

 

"Der Container von Shanghai nach Dresden kommt über die Weltmeere und über die Unterelbe bis nach Hamburg. Er sollte deshalb am besten mit der Elbschifffahrt weiter transportiert werden"

 

der Hafen-Vertreter sieht in der Wasserstraße ein großes wirtschaftliches Potenzial.

Gegenteiliger Meinung ist der Verkehrsökologe Udo Becker von der TU Dresden. Weil sich Raumstruktur, Güterstruktur, Logistikkonzepte wie auch Marktnachfrage von dem Verkehrsträger Wasserstraße wegentwickelt hätten. "Selbst bei optimalen Standortbedingungen", sagt Becker, "ist die Binnenwasserstraße für viele Transporte unattraktiv. Sie ist langsam, bricht die Transporte oft mehrfach, hat nur eine geringe Netzdichte."

Angelika Zahrnt, Bundesvorsitzende des BUND, wie auch Karsten Kirsch von der Hochschule Harz in Wernigerode sehen in der einzigartigen Flusslandschaft ein nicht zu unterschätzendes touristisches, somit auch wirtschaftliches Potenzial. Der Elberadweg ist mittlerweile der beliebteste von den Radwegen an deutschen Flüssen. Und statt der Güterbeförderung spiele die Personenschifffahrt auf der Elbe eine zunehmende Rolle, meint Karsten Kirsch.

Auch dieses haben Umfragen ergeben: Für Elbtouristen gehört der Anblick von Transportschiffen ebenso zum Fluss wie seine nahezu naturbelassenen Auenlandschaften. Der BUND sei nicht prinzipiell gegen die Schifffahrt, betont dessen Bundesvorsitzende Zahrnt. Allerdings seien die Binnenschiffe nur dann ein umweltfreundliches Verkehrsmittel, wenn sie die natürlichen Potenziale der Flüsse nutzen. Nicht aber, wenn ihnen der Fluss durch Ausbaumaßnahmen angepasst werden muss. Elbeschützer befürchten, dass der Ausbau des Saale-Kanals in Zukunft als Argument für den Ausbau der Elbe ins Felde geführt wird, da sich ansonsten die Investitionen nicht rechnen. Durch den Kanal wird die Saale ganzjährig auch für Europaschiffe befahrbar sein, die Elbe ist es nur zirka die Hälfte des Jahres. Mehrmals bekräftige Bundesverkehrsminister Manfred Stolpe, dass die Erhaltung der Schiffbarkeit auf der Elbe in Zukunft gesichert werden muss, dass es aber einen Ausbau der Elbe wie an den Flüssen Rhein und Mosel nicht geben wird. Den argwöhnischen Elbeschützen fehlen da allerdings klare Definitionen: Wo hören Erhaltungsarbeiten auf? Wo fängt Ausbau an?

Von Kathrain Graubaum (VS)

URL: www.volksstimme.de/artikelanzeige.asp?Artikel=508928

MDR
21. März 2004

 

Schifffahrt
Stolpe: Bund hält an Ausbau der Elbe fest

 

Trotz anhaltender Kritik von Naturschützern hält das Bundesverkehrsministerium am Ausbau der Elbe fest. Die Unterhaltung des Flusses als schiffbare Wasserstraße werde weitergehen, sagte Minister Stolpe am Sonnabend auf dem Symposium "Strategie Elbe" in Dessau. Das nötige Geld dafür sei vorhanden. Allerdings werde die Elbe nicht zu einem Kanalsystem wie an Mosel oder Rhein ausgebaut.

Gesamtkonzept "kurzfristig nicht in Sicht"

Stolpe räumte ein, dass Planverfahren und Entscheidungen transparenter werden müssten. Auch sei ein Gesamtkonzept für die Elbe "kurzfristig nicht in Sicht". Grund hierfür seien unterschiedliche Ansätze im Bundesverkehrs- und im -Umweltministerium, auf Landesebene und in der Zusammenarbeit mit Tschechien.

Naturschützer bleiben bei Forderung nach Ausbau-Stopp

Umweltschützer forderten auf dem Symposium hingegen den Stopp sämtlicher Ausbaumaßnahmen an dem Fluss, bis ein umweltverträgliches Gesamtkonzept für dessen Nutzung vorliegt. Die Vorsitzende des Bundes für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND), Zahrnt, forderte die Renaturierung der Elbauen. Außerdem warnte sie vor dem Bau eines Saale-Kanals, der einen möglichen Ausbau der Elbe nach sich ziehen könnte. Der wirtschaftliche Nutzen eines Ausbaus der Elbe sei zudem zweifelhaft.

Nach dem Hochwasser im Sommer 2002 war der Ausbau der Elbe von der Bundesregierung zunächst gestoppt worden. Vor allem die Landesregierung Sachsen-Anhalts fordert nun die Wiederaufnahme der Bauarbeiten. Die Grünen haben indes vorgeschlagen, die gesamte Elbe ins Weltkulturerbe der Unesco aufzunehmen. Damit könne der Flussland und seine Uferlandschaft in ihrem gegenwärtigen Zustand erhalten werden.

20. März 2004|

 

Galerien

Historie und Gegenwart - Bildimpressionen von Matthias Pusch

Aktuelles

Neuigkeiten per RSS Button

Saaleinfo Newsletter

Redaktion © VHdS e.V.
Grafik, Layout © 2005-2018 atnexxt – Agentur für Design und E-Business, Webdesign in Halle (Saale)