Manfred Sprinzek, Präsident des VHdS e.V.:

Dienstag, 29. November 2005, 16:24 Uhr

Manfred Sprinzek, Präsident des VHdS e.V.:

Elbe-Saale-Ausbau-Chancen für Wachstum und Beschäftigung Titelthema:Transport und Umschlag zwischen Elbe, Saale und Oder

An der Saale geht es nun endlich voran: Nach jahrelangem Streit wurde das Tor zur Vollendung des Saaleausbaus nach über 70 Jahren weit aufgestoßen. Mit der Aufnahme des Projektes „Schleusenkanal Tornitz” in den vordringlichen Bedarf des aktuellen Bundesverkehrswegeplanes und der Einleitung des Raumordnungsverfahrens sind die politischen Weichen gestellt. Der „Schleusenkanal Tornitz” wird das letzte „Nadelöhr” der Saale vor der Elbmündung beseitigen und den Fluss wieder vollständig für die wirtschaftliche Binnenschifffahrt nutzbar machen.

Das ist der Erfolg des 1996 gegründeten Vereins zur Hebung der Saaleschifffahrt (VHdS), dem gegenwärtig über 60 Firmen, Institutionen und Privatpersonen angehören. Der VHdS hat sich zu einer starken Lobby für die mitteldeutsche Binnenschifffahrt und Wirtschaft entwickelt. In den politischen Diskussionen zur Verbesserung der Schifffahrtsbedingungen auf der Saale haben wir den unmittelbaren Zusammenhang von Infrastrukturausbau mit Wirtschaftsentwicklung und Arbeitsplatzsicherung immer wieder deutlich gemacht. Durch beharrliche Arbeit wurde ein breiter Konsens aller gesellschaftlichen Gruppen und der Öffentlichkeit in Sachsen-Anhalt hergestellt: Unternehmen wie Gewerkschaften, Bürgermeister wie Gemeindemitglieder, Manager wie Kirchenvertreter treten heute dafür ein, den Wasserweg Saale wieder zu einem leistungsfähigen und ganzjährig nutzbaren Schifffahrtsweg zu machen und Mitteldeutschland so an das europäische Binnenwasserstraßennetz anzuschließen.

Die Transportpotenziale der Saale sind immens: Erhebungen des VHdS unter Firmen der Saaleregion haben ein sofortiges Transportvolumen von fast 2,7 Mio. t pro Jahr und für 2010 rund 4 Mio. t per Binnenschiff auf der Saale ergeben. Dazu kommen ca. 1,1 Mio. t Getreidelieferungen, die bereits jetzt über den Mittellandkanal umgeschlagen werden. Mit den umweltfreundlichen Schiffstransporten sparen die Unternehmen an der Saale erhebliche Transportkosten, sichern Arbeitsplätze, werden wettbewerbsfähiger und sind daher auch bereit, in eigene Schiffsanlegestellen zu investieren. Investitionen in die Verbesserung des vorhandenen Wasserstraßensystems werden darüber hinaus zur weiteren positiven Entwicklung der regionalen Wirtschaft beitragen. Neue Perspektiven für die Schaffung von Arbeitsplätzen und die Steigerung der Lebensqualität führen zu einem Zuwachs an Kaufkraft für die hier lebenden Menschen, ihre Kinder und Enkel. Dies ist für den weiteren Aufschwung in Sachsen-Anhalt unabdingbar.

Der wirtschaftliche Aspekt des Projekts Saale-Seitenkanal lässt sich mit handfesten Zahlen belegen: Eine Studie des unabhängigen Essener Planco-Instituts bescheinigte bereits 1998 der Stadt Halle für das Jahr 2010 in Verbindung mit der Nutzbarkeit der Saale einen Zuwachs von ca. 2.000 Arbeitsplätzen sowie Steuermehreinnahmen von mehr als 8 Mio. Euro. Gerade an den Investitionen in den Ausbau des Hafens Halle machten die selbsternannten „Umweltschützer” ihren verbissenen Kampf gegen die Schifffahrt auf Saale und Elbe ausgiebig fest und meinten, den Saaleausbau bereits verhindert zu haben. Doch der Minister für Bau und Verkehr des Landes Sachsen-Anhalt Dr. Karl-Heinz Daehre stellte bei seinem letzten Besuch im Hafen erneut fest:

„Allen grünen Unkenrufen zum Trotz befindet sich der Hafen Halle weiter im Aufwind.”

Bis zum Abschluss des geplanten Saaleausbaus soll der Containerverkehr auf der Schiene wachsen und ein Güterverkehrszentrum entstehen. Der Güterumschlag wächst schon jetzt: Wurden 2002 nur 10.500 Tonnen per Bahn umgeschlagen, werden es dieses Jahr ca. 126.000 Tonnen sein. Der Hafen Halle als trimodale Schnittstelle der Verkehrsträger ist ein hervorragender Platz für Gewerbeansiedlungen, dem zweiten Schwerpunkt für den Hafen. Die Firma JCN Neckermann machte mit der Inbetriebnahme ihrer Biodieselanlage einen viel versprechenden Anfang; weitere Ansiedlungen sind in Sicht. Der Ausbau der Saale muss mit vernünftigen Instandhaltungsmaßnahmen an der Elbe begleitet werden. Denn die Elbe – deren Wiederherstellung der Schiffbarkeit mit 1,60 m Wassertiefe noch im letzten Bundesverkehrswegeplan von 1992 ein wesentliches Projekt war – findet im neuen Bundesverkehrswegeplan keine Berücksichtigung mehr. Nach dem „Jahrhunderthochwasser” im Jahr 2002 war der Fluss gewissermaßen „eingefroren” worden. Doch für Sachsen-Anhalt mit seinen Wasserstraßen und Häfen und mit wachsenden Containerverkehren ist die Verbesserung der Elbeschifffahrt unverzichtbar. Die notwendigen Strombauarbeiten bei Dömitz und in Magdeburg sind ohne nachteilige Umgestaltung und Eingriffe in die Elbtalauen machbar. Demzufolge gab das Bundesumweltministerium mittlerweile sein grundsätzliches Einverständnis für ökologische Flussunterhaltungspläne.

Der wirtschaftliche Nutzen liegt auf der Hand: Würden nur 5% der in Hamburg um­ geschlagenen Container mit dem Binnenschiff transportiert (in Rotterdam sind es 30%), wären das rund eine halbe Million Container jährlich „ und damit rund 300.000 vermiedene LKW-Fahrten. Die Elbe ist für den dreilagigen Containerverkehr bestens geeignet, die Saale könnte bald ein weiterer Anschluss ins mitteldeutsche Hinterland sein. Die Elbehäfen werden davon unmittelbar profitieren und natürlich auch die Saaleregion mit dem Hafen Halle sowie der Leipziger Raum. Die Nutzung der zuverlässigen, kostengünstigen und ökologischen Binnenschifffahrt ist ein erheblicher Standortvorteil für die Wirtschaft in Sachsen-Anhalt. Investitionen in diesen Infrastrukturbereich bringen Zukunftschancen für die gesamte Region: Es können etliche tausend neue Arbeitsplätze entstehen und viele LKW-Verkehre auf den Straßen vermieden werden. Die Planungen für Elbe und Saale sind daher mit Nachdruck voran zu bringen und umzusetzen.

Dateien:
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