"Es geht um die wirtschaftliche Entwicklung unseres Landes!"

Mittwoch, 15. Februar 2006, 10:36 Uhr

"Es geht um die wirtschaftliche Entwicklung unseres Landes!"

SUPER SONNTAG vom 12. Februar 2006

Verkehrsminister Dr. Karl-Heinz Daehre besuchte Schwenk Zement AG

Die Zukunft der Binnenschifffahrt war das wichtigste Thema beim Besuch des Ministers.

Bernburg (red). Werkleiter Uwe Müller führte Karl-Heinz Daehre auch auf das höchste Gebäude des Werkes. Bei einem Blick aus 115 Metern Höhe werden die Sorgen der Firmenleitung der Schwenk Zement AG sofort deutlich. Das Werk liegt in unmittelbarer Nähe der Saale, kann den Fluss aber als Transportweg nicht nutzen.

Bei einem anschließenden Gespräch wurden die Probleme diskutiert und das weitere Vorgehen erläutert. Auf Straße und Schiene sei das Land Sachsen-Anhalt inzwischen gut aufgestellt, resümierte der Minister. Bei den Wasserwegen allerdings, muss das Land endlich an das europäische Wasserstraßennetz angeschlossen werden, forderte Daehre. Das sei seit 1990 seine Position, so der Minister. Darüber hinaus habe man vielen Firmen zugesagt, die Saale schiffbar zu machen, worauf hin die Unternehmen viel Geld in die Standorte investiert haben, weiß er.

„Die Binnenschifffahrt muss Zukunft haben, sonst haben wir in ein paar Jahren den Kollaps auf der Straße!“, prognostizierte Daehre. Außerdem geht es „um die wirtschaftliche Entwicklung unseres Landes“, mahnte der Minister.

Um die Saale für Schiffe bis 1.000 Tonnen Ladekapazität befahrbar zu machen, ist der Bau eines Saaleseitenkanals geplant, der von Calbe-Ost bis zwei Kilometer vor der Saalemündung verläuft. Dieses Bauvorhaben sei umweltverträglich und bringt Nutzen für die Wirtschaft, erklärte er. 

Aus diesem Grund soll nun das Raumordnungsverfahren zügig vorbereitet werden. Das muss sehr gründlich getan werden, um es gerichtsfest zu machen, erläuterte Daehre. Er forderte eine Beschleunigung des Planfeststellungsverfahrens. Anschließend sollen die Experten entscheiden, ob das Vorhaben vertretbar sei oder nicht.

Die Schwenk-Werkleitung machte deutlich, welche Gütermengen von der Straße auf den Fluss verlegt werden könnten. Schon jetzt ist man gezwungen, jährlich 120.000 Tonnen Zement per LKW bis nach Haldensleben zu fahren. Erst dort könne die Umladung auf Schiffe erfolgen. Wäre die Saale besser befahrbar, könnten sofort 400.000 Tonnen per Schiff transportiert werden. Das entspricht 20.000 LKW pro Jahr, rechnete Gerhard Hirth, Geschäftsführer der Unternehmensgruppe Schwenk, vor.  

Da sich die Baubranche nach wie vor in einer Krise befindet, ist die Binnennachfrage weiter relativ gering. Die Entwicklungschancen für Schwenk in Bernburg liegen also im Export, erläuterte Werkleiter Uwe Müller. Wir haben eines der modernsten Werke Europas, sagte er. Die Auslastung betrage momentan 60 bis 70 Prozent, so Müller. Durch den Ausbau der Saale könnten auch die Exportmärkte rentabel bedient werden. Er rechnete vor, dass zur Zeit allein 40 Prozent der Transportkosten von Bernburg zum Containerhafen Rotterdam auf den Abschnitt Bernburg - Haldensleben entfallen.  

Auch Schwenk-Gesellschafter Eduard Schleicher mahnte an, dem Werk den Export zu ermöglichen, um den Standort zu sichern. Das selbe gelte mit Sicherheit auch für die Bernburger Werke der esco-Gruppe und von Solvay. Darüber hinaus sagte er durch den Bau des Saaleseitenkanals einen Impuls für die gesamte Wirtschaft in der Region voraus. 

Beim Bemühen, den Saaleausbau endlich zu einem guten Ende zu bringen, lobte Dr. Karl-Heinz Daehre auch die Arbeit des Vereins zur Hebung der Saaleschifffahrt. Dessen Präsident, Manfred Sprinzek, war auch beim Treffen im Schwenk-Werk dabei.

Seit zehn Jahren setzt er sich mit dem Verein für den Saaleausbau ein. Da der Saaleseitenkanal nachweislich umweltverträglich ist und nach erfolgtem Ausbau zehntausende LKW von der Straße kommen würden, kann die Argumente mancher Gegner nicht verstehen, so Sprinzek. Es kann doch nicht sein, dass ich die Grünen noch vom Umweltschutz überzeugen muss, meint er schmunzelnd. 

 

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