Eskalation im Streit um den Bau des Saalekanals

Montag, 27. Juni 2005, 13:19 Uhr

Eskalation im Streit um den Bau des Saalekanals

Binnenschifffahrt Nr. 6 - Juni 2005

Sonderteil Elbe/Saale

Die Grünen, die den Kanal vor zehn Jahren gewollt haben, bekämpfen ihn nun auf unfaire Weise

Eskalation im Streit um den Bau des Saalekanals

Am 17. August 1995 hatten die beiden sachsen-anhaltinischen Landtagsausschüsse für Verkehr und Wirtschaft mit einer Anhörung, die darauf abzielte, ein Raumordnungsverfahren einzuleiten, versucht, die damals geplante Staustufe Klein Rosenburg zu verhindern, weil sie zu dicht am Biosphärenreservat liege. Als Gegenvorschlag wurde damals von Umweltschützerseite ein das Biosphärenreservat weit umgehende Saalekanal gefordert,dem damals wegen fünf- bis siebenfacher Kosten gegenüber der Staustufe von Regierungsseite keine Zustimmung gewährt wurde. Nun, zehn Jahre später, hat es der Verein zur Hebung der Saaleschifffahrt mit seinem unermüdlichen Präsidenten Manfred Sprinzek geschafft, den von den an der Elbe oberhalb Niedersachsens in keiner Landesvertretung mehr vertretenen B 90/Grünen-Partei vorgeschlagenen Kanal in die Bundesplanungen zu bekommen. Nun wollen sie ihn nicht mehr. Sie erinnern sich auch an ihren eigenen Vorschlag nicht mehr, tun aber so, als wären sie schon immer dagegen gewesen.

 

In einer Presseerklärung des BUND vom 17. Mai zum Beispiel erklärt Dr. Ernst Paul Dörfler, dass es keinen vernünftigen Grund dafür gäbe, den Saalekanal zu bauen. Dörfler begründet seine Meinung mit dem Zitat aus der Statistik der Stadt Halle, dass der Hafen Halle im I. Quartal lediglich 391 t Umschlag gehabt hätte; Schifffahrt sich auf der Saale gar nicht lohne. Dabei ging er besonders listig vor, nahm er doch das Umschlagsergebnis der Hafen Halle GmbH für den ganzen Hafen. „Wenn trotz guter Bedingungen kein Güterverkehr auf der Saale stattfindet, dann gibt es auch keinen vernünftigen Grund, einen Saalekanal für 80 Millionen Euro zu bauen“, fügte er hinzu. Dass das Ansiedlerunternehmen, die Getreide und Agrarhandel GmbH (GAG) die den kurzzeitig günstigen Wasserstand nutzte, um rund 5.000 Tonnen Getreide per Schiff abzufahren, verschwieg er geflissentlich.

Noch frecher gebärdete sich der B 90/Grünen- Landesvorsitzende Ralf-Peter Weber: „Kaum Güterverkehr auf der Saale und eine eingeschränkte Schiffbarkeit der Elbe – der Bau des 80 Millionen Euro teuren Saalekanals ist und bleibt nicht zu rechtfertigen... Die Landesregierung muss das Planungsverfahren sofort stoppen.“

Der Fehlinvestition Hafen Halle dürfe auf keinen Fall eine weitere vorhersehbare Investruine folgen, so Weber weiter. Lediglich eine halbe Schiffsladung sei im ersten Quartal 2005 im Hafen Halle umgeschlagen worden, trotz guter Befahrbarkeit der Wasserstraßen.

Dass auf nebenstehendem Bild zu sehen ist, dass in dem als „Fehlinvestition Hafen Halle“ und „Investruine“ verleumdeten Hafen Container umgeschlagen werden, wird ebenso unterschlagen wie die 5.000 t Getreide der GAG, mit der rund 200 Lkw- Fahrten vermieden wurden.

Auch die Gemeinden an der künftigen Kanaltrasse wurden durch die grüne Polemik verunsichert. Hier hat der VHdS gemeinsam mit der WSD Ost in sachlicher und seriöser ehrlicher Information davon überzeugt, dass ihre Keller trocken bleiben. Am 18. Mai kamen etwa 100 Bürger der Gemeinden Tornitz/ Werkleitz zusammen, um sich sachlich informieren zu lassen. Vertreter von WSD Ost und Planco legten dar, was und wie gebaut werden wird und welche Verkehre dann auf die Saale kommen könnten. Leiter von an der Saale ansässigen Unternehmen erklärten, welche Güter sie in welchen Mengen auf der Saale transportieren wollen, wenn sie die erforderlichen Tauchtiefen für eine rentablere Schifffahrt gewährleistet bekommen würden.

Wertvoll für die Bürger vor allem die Einsicht in den Dschungel von Behörden und deren Zuständigkeiten. Fragen der Anwesenden wurden prompt beantwortet.

„Jetzt wissen wir endlich, dass wir den Abschluss des Raumordnungsverfahrens abwarten müssen und erst im Planfeststellungsverfahren unsere privaten Belange einbringen können“, äußerte sich eine Tornitzerin zufrieden.

„Die Forderungen nach Stopp des Raumordnungsverfahrens, die der BUND derzeit immer wieder streut, entbehren also jeglicher sachlicher Grundlage.“

Am Ende waren Bürgermeisterin Regina Grube und ihre meisten Mitbürger zufrieden zu wissen, dass der Saalekanal kein Horrorszenario sondern eine wichtige Investition darstellt, von der auch ihre Gemeindemitglieder partizipieren können.

 

 

 

 

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