Fackeln auf Elbbrücken

Mittwoch, 16. Januar 2008, 09:50 Uhr

Fackeln auf Elbbrücken

Ingo Klinder, BDB zu den Protesten des BUND

Für den 13. Januar 2008 hatte Herr Dörfler eine große Protestaktion gegen  Eingriffe in den natürlichen Flussverlauf der Elbe angekündigt. Fackeln für die Elbe soll sich gegen „überdimensionierte Bauprojekte, die  in den Lebensraum Fluss und seine  Auen unumkehrbare Schäden zufügen und die Hochwasserrisiken verschärfen“ richten.

Was haben die ca. 200 Leute in Magdeburg und 250 Teilnehmer in Schönebeck wirklich zu befürchten?

Überdimensionale Bauprojekte sind an der Elbe zwischen Schöna und Hamburg nicht vorgesehen. Einige große Projekte sind derzeit in Planung und Arbeit:

-          Rückverlegung von Deichen, um Hochwässern mehr Raum zu geben und deren Spitzen zu verringern,

-          Verstärkung von Deichen, um sie gegen Hochwasser sicherer zu machen,

-          Wiederherstellung und Freiräumung von Hochwasserabflussbereichen.

Dagegen haben die Demonstranten wohl nicht protestieren wollen.

-          Ein größeres im Raumordnungsverfahren zu untersuchendes Bauprojekt für die Schifffahrt ist der Saale-Seiten-Kanal bei Tornitz, welcher laut Mitteldeutschen Nachrichten in Dresden thematisiert worden sei. Auf Drängen der Umweltschützer wurde die Saale zwischen Calbe und der Mündung in die Elbe von Baumaßnahmen ausgenommen und ein ursprünglich von ihnen geforderter Seitenkanal geplant. Nun ist dieser auch „bekämpfenswert“.

Verbleibt noch der „Eingriff“ an der Elbe im Interesse der Schiffbarkeit? Es sind keine großen Baumaßnahmen geplant oder vorgesehen. Die Elbe soll im Mittel an 340 Tagen pro Jahr eine Fahrrinnentiefe von mindestens 1,60 m (von Schöna bis Dresden 1,50 m) aufweisen. Dabei wird bei Mittelwasser bereits eine Fahrrinnentiefe von etwa 2,50 m erreicht. Das bedeutet, in wenigen kurzen Abschnitten der 9 Tauchtiefenstrecken müssen die Fahrrinnen etwas vertieft werden, wobei die Strecken 5 und 6 dem bereits entsprechen. Auch die Strecken von Lauenburg bis Hamburg haben bereits ausreichende, von Niedrigwasser unabhängige, Fahrrinnentiefen, welche sogar 2,80 m Abladung gestatten. 

Nicht die Elbe soll ausgebaggert werden, sondern in den betroffenen kurzen Abschnitten soll nur die Fahrrinne im Bereich weniger Dezimeter oft nur am Rand vertieft werden, der Abflussquerschnitt wird dabei nicht eingeengt. Damit ist keine Erhöhung der Hochwasser-gefahr verbunden, aber auch keine Reduzierung von Hochwasserpegelständen zu erreichen. Die Forderung der Umweltschützer, alle Arbeiten am Fluss hochwasserneutral zu gestalten, wird von der Wasserstraßenverwaltung des Bundes strikt eingehalten.

Es ist aber an der Zeit, umzudenken und hochwassersenkende Maßnahmen zuzulassen. Da aber die Wasserstraßenverwaltung nur für die Elbe im Mittelwasserbereich, für die Schiff-barkeit, zuständig ist, sind durch ihre Arbeiten nur sehr geringe Effekte erreichbar.

Wichtiger ist, dass der Kulturstrom Elbe in seinem heutigen Bett geführt wird und sich nicht in Hochwässern neue Wege suchen kann. Entlang des Flusses gibt es eine Vielzahl Bauwerke wie Hochwasserdeiche, Strassen und Wege, Leitungen und Rohre, Brücken, Entnahme- und Einleitungsbauwerke, welche dann in ihrem Bestand gefährdet sein würden.

Die Besiedelung des Elberaumes hat in Jahrhunderten zur Notwendigkeit geführt, den Verlauf der Elbe im heutigem Bett zu fixieren. Der Elbe (im Mittelwasserbereich) mehr Raum zu geben, bedeutet gravierende Schäden hinnehmen zu wollen und Gefahr für Anlieger, Verkehr und Versorgung zuzulassen!

Die Elbe ist nicht nur für die deutsche Wirtschaft eine wichtige Verkehrs- und Versorgungs-ader, sie bietet auch unseren tschechischen Nachbarn die einzige Verbindung zu den Seehäfen. Diese benötigen zunehmend bessere Anbindungen ins Hinterland, wobei der Containerverkehr bereits an die Grenzen beim Landtransport (Eisenbahn und Straße) stößt. Hier ist die Binnenschifffahrt mit möglichen Kapazitätserweiterungen gefragt.

Damit diese möglich werden, ist eine verlässliche Fahrrinnentiefe unabdingbar. Jede Erweiterung von Schienentrassen und Autobahnen würde ein Vielfaches der Kosten für die Wasserstraße betragen und weit größere Eingriffe in Natur und Landschaft verursachen. Daneben sollte noch betrachtet werden, dass selbst ohne Schifffahrt für die Elbe deutliche Unterhaltungsmaßnahmen notwendig sind. Eisaufbruch nach nicht auszuschließenden Eiswintern auf einer nicht schiffbaren Elbe ist nicht mehr möglich. Die größten Deichbrüche und Überschwemmungen der zurückliegenden Jahrhunderte waren aber durch Eisstau bei einsetzendem Tauwetter zu beklagen.

Das dies Gedanken in einer breiten Bevölkerungsmehrheit Eingang gefunden haben, zeigt wohl auch die doch sehr geringe Beteiligung in Schönebeck und Magdeburg. Wir Schifffahrtstreibenden wünschten uns mehr konstruktive Diskussionen und aktive Beteiligung der Umweltverbände bei Planung und Realisierung von Verkehrsprojekten. Insbesondere mahnen wir an, dann auch zu gemeinsam erreichten Standpunkten zu stehen und nicht wider besseren Wissens Horrorszenarien in die Welt zu setzen.

Ingo Klinder

Bundesverband der Deutschen Binnenschifffahrt

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