Festveranstaltung 10 Jahre VHdS e.V. mit Minister Dr. K.-H. Daehre

Montag, 06. März 2006, 10:44 Uhr

Festveranstaltung 10 Jahre VHdS e.V. mit Minister Dr. K.-H. Daehre

Schlußwort des Präsidenten des VHdS e.V. Manfred Sprinzek

VHdS: In 10 Jahren viel bewegt

Binnenwasserstraßen jetzt im Landesverkehrskonzept Sachsen-Anhalts verankert

Begrüßung der Gäste: Uwe Müller Beiratsvorsitzende des VhdS e.V.,Werkleiter SCHWENK Zement KG, Werk Bernburg

Am 2. März feierte der Verein zur Hebung der Saaleschifffahrt (VHdS) sein 10jähriges Jubiläum. „Wir haben viel bewegt: Vor zehn Jahren war es noch unvorstellbar, dass auf der Saale Europaschiffe von Trotha aus ungehindert bis zur Elbmündung verkehren können - heute ist das Raumordnungsverfahren zum Bau des  Saale-Seitenkanals auf dem Weg. Vor zehn Jahren war der Hafen in Halle-Trotha eine Brache – heute ist er ein hochmoderner Verkehrsknoten für den Transportverkehr auf Schiene, Straße und Fluss“, verweist VHdS-Präsident Manfred Sprinzek auf die Erfolge der Vereinsarbeit. Nur durch die kontinuierliche politische Lobbyarbeit und aktive Öffentlichkeitsarbeit sei es möglich gewesen, wieder Zukunftsperspektiven für die wirtschaftliche Binnenschifffahrt in Sachsen-Anhalt zu schaffen.

Festvortrag Dr. Karl-Heinz Daehre, Minister für Verkehr, Bau- und Wohnungswesen des Landes Sachsen-Anhalt

Auf der politischen Ebene hat in den vergangenen Jahren ein Umdenken stattgefunden: Die Saale ist im vordringlichen Bedarf des aktuellen Bundesverkehrswegeplans von 2003 enthalten; der Landesverkehrswegeplan Sachsen-Anhalts wurde neben Straße, Schiene und Luftverkehr um den Teil Binnenschifffahrt erweitert. Und in der vergangenen Woche stimmte der Landtag mit großer Mehrheit für Unterhaltungsmaßnahmen an der Elbe und damit die Zukunft der Binnenschifffahrt. Auch die vom Ministerium für Bau und Verkehr herausgegebene neue  Broschüre „Mobiler in die Zukunft – auf den Wasserwegen in Sachsen-Anhalt“ spricht eine deutliche Sprache.

Grußworte: Albrecht Hatton, Präsident IHK Halle-Dessau

„Auf das Bekenntnis zum umweltfreundlichsten Verkehrsträger Binnenschiff mussten wir lange warten, haben uns aber durch Rückschläge nie entmutigen lassen“, so Sprinzek. Nun können zahlreiche Unternehmen an der Saale mit der Nutzung des Flusses als Transportweg in naher Zukunft rechnen.

 

 

Schlusswort VHdS

Manfred Sprinzek, Präsident des VHdS e.V.

 

Sehr geehrte Vereinsmitglieder und Freunde des VHdS,

sehr geehrte Damen und Herren,

bei der Gründung des VHdS am 28.März 1996 - hier in diesem schönen Saal - war die Ausgangssituation einfach, logisch und relativ gut überschaubar.

Im Jahr 1993 wurde die Hafen Halle GmbH gegründet, mit einem alten, maroden Hafen. Für den Betrieb des Hafens waren Konzepte, Pläne, Visionen gefragt.

Die Stadt Halle (Saale) war früher Hafenstadt und Hansestadt, noch in den 30er Jahren war reger Betrieb im Hafen.

Da war die Saale mit einer über 1000-jährigen Schifffahrtsgeschichte, deren Ausbau für die Schifffahrt mit 1000-t-Schiffen in den 30er Jahren des vorigen Jahrhunderts nicht vollendet werden konnte.

Mit dem Bundesverkehrswegeplan von 1992 sollte nun der Saaleausbau endlich vollendet werden.

Nach der politischen Wende war fast die gesamte Industrie in und um Halle zusammengebrochen. Die Arbeitslosigkeit war hoch. Es war Aufbruch und Bewegung gefragt. Vorhandene Chancen sollten genutzt werden. Der Bund plante den Saaleausbau, im Hafen wurden Pläne gemacht, Förderung vom Land kam hinzu, und um den Saaleausbau wurde bereits gestritten.

Für diese Pläne war Bewegung notwendig, nicht nur im Hafen selbst. So entstand die Idee eines Vereins für die Saaleschifffahrt. Und auch so etwas gab es früher schon. Das Losungswort des 1869 gegründeten Vereins zur Hebung der Saale- und Unstrutschifffahrt war:

„Wo Wasser zur See fließt, ohne Lasten getragen zu haben, da ist ein volkswirtschaftlicher Fehler begangen.“

Das war’s, dachten wir.

Mit einem Verein von Gleichgesinnten Chancen nutzen für die Wiederbelebung der Saaleschifffahrt. Und so suchten wir die Unternehmen an der Saale. Einfach und logisch. ABER, dass das alles so kompliziert und teilweise richtig irrwitzig wurde, ahnten wir Gott sei Dank nicht.

Die Vollendung des Saaleausbaus wurde zum Streitobjekt zwischen den so genannten Umweltschützern, die sich unversöhnlich gegen Flussbaumaßnahmen und gegen die Binnenschifffahrt positionierten und den Befürwortern von Maßnahmen zur Verbesserung der Infrastruktur zur Nutzung der Binnenschifffahrt aus der Wirtschaft und der Schifffahrt.

Diese Diskussionen nahmen einen breiten Raum auch in der Berichterstattung in Presse und Funk ein. Die Gesellschaft schien gespalten.

In unserer Arbeit für die Vollendung des Saaleausbaus war neben der notwendigen Lobbyarbeit auch Öffentlichkeitsarbeit vor Ort, in der Region, wo die Menschen am Fluss leben, notwendig.

Da war Erinnerung und Rückschau genauso notwendig wie die Traditionspflege der Saaleschifffahrt.

Am 28. September 2000 eröffneten wir deshalb unsere erste Ausstellung "1000 Jahre Saaleschifffahrt".

Darin dokumentieren wir, dass die Saale nicht nur Ort der Erholung und Entspannung, sondern auch Lebensader und Erwerbsquelle war, von der die wirtschaftliche Entwicklung der gesamten Region ihren Anfang nahm.

Wir erinnerten so einmal an die über tausendjährige Geschichte der Saaleschifffahrt und die Unterbrechung des Saaleausbaus in den 30er Jahren des vorigen Jahrhunderts. Gleichzeitig zeigen wir, welche Vorteile die Nutzung der Binnenschifffahrt für die Wirtschaft und die Umwelt hat und dass eine Verlagerung von Transporten von der Straße auf den Wasserweg zur Bewältigung der künftigen Verkehre zwingend notwendig ist.

So hatten wir Ausstellungen in Halle, Bernburg, Alsleben, Zeitz, Magdeburg, Breitenhagen, auf der MS Jenny und in Nienburg. Die Ausstellungen wurden gut angenommen, und mit der Rückschau auf die Geschichte der Saaleschifffahrt konnte auch ein Blick in die Zukunft gewagt werden. Und der fiel bei den Besuchern ausnahmslos positiv für die Nutzung der Binnenschifffahrt aus.

Die von uns veröffentlichte Broschüre zu dieser Ausstellung ist bis heute sehr gefragt, über 6000 Exemplare gingen an Interessierte.

Wir diskutierten in Internetforen und beteiligten uns an einem Diskussionsforum in den evangelischen Kirchenzeitungen.

Unsere Öffentlichkeitsarbeit für die Vollendung des Saaleausbaus und die Nutzung der Binnenschifffahrt in unserem Land ist auch in unserem Heft „Wir haben viel bewegt... 10 Jahre VHdS“ gut sichtbar.

Ein weiterer wichtiger Baustein in unserer Öffentlichkeitsarbeit ist unsere Homepage www.saaleverein.de und die dazugehörigen Newsletter Saaleinfo. Als Idee geboren bei einem Besuch der Donau mit Ausschüssen des Landtages, als mir gesagt wurde „wir bekommen laufend und in großen Mengen E-Mails vom BUND gegen Saale und Elbe, da müsst Ihr auch was machen“. Natürlich, aber seriös, informativ und wahrhaftig.

So entstand 2001 unsere erste „Saaleinfo“ und eine verbesserte Homepage. Heute, auf unserer neuen Homepage, haben wir ausreichend Informationen zum Stand des Saaleausbaus, eine Bildersammlung zur Schifffahrt auf der Saale und stets neuste Informationen zur Schifffahrt auf Saale und Elbe, zur Binnenschifffahrt, zu anderen Vereinen und zu aktuellen Veranstaltungen. Diese Nutzung des Internets als Informationsquelle hat sich bewährt und unsere Arbeit wesentlich verbessert und verbreitert. So hatten wir im Januar fast 5000 Besucher auf unserer HP, und auch im Februar waren es täglich mindestens 100 bis zu 200 Besucher.

Der ehemalige Vorsitzende des Deutschen Wasserstraßen- und Schifffahrtsvereins Rhein-Main-Donau e.V. (DWSV), Herr Dr. Doni, sagte zu Beginn unserer Vereinsarbeit einmal: „Wasserbaumaßnahmen dauern lang, aber sie setzen sich durch, weil sie gut und richtig sind.“

Er hat Recht behalten, aber wir haben viel bewegt und viel erreicht.

·     Das ROV für den Saaleausbau ist eingeleitet,

·     Der Landesverkehrswegeplan ist um den Teil Binnenschifffahrt und Häfen erweitert und bezieht diese Potentiale in die Lösung der künftigen Transportaufgaben mit ein.

·     Der Landtag von Sachsen-Anhalt hat sich am 18. Februar mit großer Mehrheit dafür ausgesprochen, dass die Elbe als Verkehrsweg weiter ausgebaut wird und die Binnenschifffahrt in Sachsen-Anhalt genutzt werden soll.

Dafür ist vielen Vereinsmitgliedern, Mitstreitern und Politikern zu danken:

·     zuallererst der Hafen Halle GmbH als „Gründungsvater“ und Träger dieses Vereins über jetzt 10 Jahre. Das gemeinsame aufeinander abgestimmte Vorgehen und natürlich die finanzielle Trägerschaft für den Verein machte das alles, was wir vorweisen können, erst möglich. Wir hoffen, dass trotz Kritik des Landesrechnungshofes diese Unterstützung weitergehen kann;

·     den drei Bernburger Unternehmen Schwenk Zement KG, esco GmbH & Co. KG und Solvay Chemicals GmbH, die uns seit drei Jahren auch Projekte des VHdS finanziell sponsern;

·     dem Minister für Bau und Verkehr des Landes Sachsen-Anhalt,           Herrn Dr. Karl-Heinz Daehre. Er besuchte unseren ersten Schifffahrtstag des Landes Sachsen-Anhalt am 18. Mai 2002 fast als erste Amtshandlung. Seit dem haben wir die beste Unterstützung für unsere Vereinsziele. Wir sprechen in Gesprächen über die Schifffahrt im Land und in der Bundesrepublik stolz von „unserem Minister“;

·    dem Landesverband der Schiffervereine von Sachsen-Anhalt und besonders dem Alslebener Schifferverein und dem unermüdlichen Charlie Wehlmann. Landesschifffahrtstag und Ausstellungen zur Saaleschifffahrt sind undenkbar ohne ihn;

·     vielen Politikern in fast allen Parteien in Bund, Land und Kommunen, die sich unsere Probleme anhörten und die diese dann auch oft zu ihren eigenen machten;

·     allen Vereinsmitgliedern, die den Verein tragen und sich so aktiv für unsere Vereinsziele einsetzen.

Sehr geehrte Vereinsmitglieder, verehrte Gäste,

unterstützen Sie uns weiter, wir werden noch gebraucht. Die anfangs genannte unversöhnliche Spaltung der Öffentlichkeit in zwei Lager PRO und CONTRA Binnenschifffahrt muss nicht sein. Wenn wir vernünftig miteinander reden, gibt es Lösungen und Kompromisse.

Die unendlichen Diskussionen um den Saaleausbau haben es bewiesen, dass auch nach langer Zeit Kompromisse möglich sind. Ökologie und Ökonomie zu verbinden ist möglich.

Gute Verkehrsinfrastrukturen sind Motor und Lebensadern für die Wirtschaft und ihre Arbeitsplätze. Das gilt auch für die Elbe-Saale-Region. Neben Straße und Schiene haben die Wasserwege hierbei eine große Bedeutung. Saale und Elbe haben ihre Transportfunktion in der Vergangenheit immer anschaulich bewiesen. Die heutigen Wirtschaftlichkeitsnachweise für Saale und Elbe zeigen aber auch klar, dass sie nach wie vor wichtige Standbeine für Sachsen-Anhalt sind und dementsprechend entwickelt werden müssen.

Beide Flüsse sind aber auch Bestandteile alter, naturnaher Kulturlandschaften, die es zu erhalten gilt. Dass das möglich ist, ist auf der Flussgebietskonferenz der Bundesregierung unter der Federführung des BMVBS im vergangenen Juni in Berlin gezeigt worden. Bundesverkehrs- und Bundesumweltministerium haben Unterhaltungsgrundsätze für eine umweltverträgliche Flussunterhaltung der Elbe erarbeitet, die auch den Hochwasserabfluss nachweislich nicht beeinflussen.

Dieses Vorgehen ist richtungweisend und soll an allen Flüssen umgesetzt werden. Entsprechende Gewässerunterhaltungspläne werden jetzt von der Wasser- und Schifffahrtsverwaltung zusammen mit den Elbeländern erarbeitet.

Dies belegt klar, dass Schiffsverkehr und Umwelt in Kulturlandschaften miteinander vereinbar sind und sich nicht ausschließen, was ja immer wieder behauptet wird. Eine neue Flusspolitik hat begonnen, und alle können bei gutem Willen davon profitieren. Dies zeigen auch die Debatten in unserem Landtag und die positive Unterstützung von dort.

Vor diesem Hintergrund möchte ich mich noch mal mit folgenden Punkten an die Politik und Betroffene wenden.

  • Das Raumordnungsverfahren Saaleseitenkanal muss zügig zum Abschluss gebracht werden. Ich bin sicher, dass die Umweltbelange mit der Seitenkanallösung und der Renaturierung der Saalemündung gut berücksichtigt werden können und die Wirtschaft nachhaltig gestärkt wird.
  • Die Unterhaltungsmaßnahmen an der Elbe müssen zügig angegangen und in den nächsten 3 bis 4 Jahren umgesetzt werden, damit Wachstum entsteht. Hierzu gehören auch die Engpassbeseitigungen am Magdeburger Domfelsen und in Dömitz, die keine negativen Umweltauswirkungen haben werden. Die Container im Hamburger Hafen warten schon ungeduldig auf den Schiffstransport.
  • Der umweltfreundliche, kostengünstige Schiffsverkehr auf Saale und Elbe sichert Arbeitsplätze und schafft tausende neue Stellen. Die Saale-Elbe-Region hat Zukunftspotenziale!
  • Die Umweltbelange können zufrieden stellend gelöst werden. Ideologie und Engstirnigkeit sind kein Naturschutz, sondern Naturschaden. Nur konstruktive Zusammenarbeit bringt die Umwelt voran.

Wenn wir so an die Arbeit gehen, wird es eine neue Renaissance der Binnenschifffahrt geben.

Sehr geehrte Damen und Herren,

der VHdS hat zu seinem 10-jährigen Bestehen Grußadressen aus Politik, Verwaltung und von Vereinsmitgliedern bekommen. Wir werden diese veröffentlichen und Ihnen zukommen lassen.

 

 

 

 

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